Fotos:
Joe Bonamassa,
Frankfurt, Jahrhunderthalle, 21.03.2018

Es gibt einige Sachen, die sind sicher: Steuern, der Tod, das Amen in der Kirche und die alljährliche Tournee des amerikanischen Blues-Gitarristen Joe Bonamassa. Dabei ist es nicht so, dass sich der momentan wohl mit erfolgreichste Musiker dieses Genres darauf ausruht, mit kleineren Abwandlungen immer wieder das gleiche Programm zu bieten. Vielmehr setzt er durch wechselnde Besetzungen (zum Beispiel bei der Rhythmus-Sektion, oder die Hinzunahme von Bläsern und Background-Sängerinnen) immer wieder neue akustische Akzente und rundet seinen Sound ab. Aber immer wieder auch entbietet er seinen Tribut an die Musiker, die das Fundament dieser immer noch lebendigen und populären Musikrichtung legten, wie der Mitschnitt “Muddy Wolf At Red Rocks“, die Show zu Ehren der drei Kings des Blues – veröffentlicht als “Live From The Greek Theatre“ oder der bald erscheinende Mitschnitt der “British Blues Explosion“-Tournee unter Beweis stellen.

Bei der aktuellen Tournee verzichtet Bonamassa – im Vergleich zum letztjährigen Auftritt in Düsseldorf – auf eine der drei Sängerinnen. Und statt drei Bläsern besteht die Horn-Sektion dieses Mal auch nur aus zwei Musikern. Aber das merkt man dem Sound an diesem Abend kein bisschen an. Aber das ist ja bei solch exzellenten Musikern, wie Bonamassa sie hier wieder um sich geschart hat (und der sie bei der namentlichen Vorstellung jeweils als den Besten oder die Beste an seinem/ihrem Instrument anpreist) nun auch keine wirkliche Überraschung für den Musik-Fan.

Und dass der Mann Erfolg hat, bei dem was er tut, sieht man schon an der Tatsache, dass ein Auftritt in der Jahrhunderthalle nicht mehr - wie noch bei seinem Konzert an gleicher Stelle vor ein paar Jahren - ausreicht. Stattdessen füllt er die Halle in diesem Jahr gleich an zwei aufeinander folgenden Abenden bis nahezu auf den letzten Platz, wobei es durchaus den einen oder anderen Konzertgänger zu geben scheint, der an beiden Abenden „dabei“ war. Allerdings geht es auch gediegener zu, denn die Halle ist nunmehr komplett bestuhlt, was der Begeisterung der Zuschauer während des Auftritts aber nicht wirklich merklich schadet, auch das eine Parallele zum Gig in Düsseldorf vor Jahresfrist. Das Publikum ist - wie immer - bunt gemischt. Natürlich sind auch wieder die Blueser da, von den Puristen bis zum Mainstream-Fan, dann auch die Gitarristen und Gitarren-Fans, die Bonamassa wegen seiner Fertigkeiten schätzen und bewundern sowie vermutlich auch der eine oder andere, der sich mal ein Bild davon machen will, warum Bonamassa eigentlich schon seit etlichen Jahren so erfolgreich ist.

Um kurz vor 20 Uhr beginnt die Show dann mit einem Intro vom Band, ehe die Band mit King Bee Shakedown, einem sehr Rockabilly-beeinflussten Stück, in ihren Set startet, einem von gleich vier neuen Songs, die auf dem kommenden Album von Bonamassa enthalten sein werden und die er gleich mal alle zum Auftakt des Konzerts ins „ahnungslose“ Publikum feuert. Dessen begeisterte Reaktion zeigt, dass es nicht so sehr darum geht, welches Stück Bonamassa spielt, sondern vielmehr darum, wie er es spielt, um seine Fertigkeiten und den Sound, den er zusammen mit dieser exzellent eingespielten und spieltechnisch überragenden Band erschafft. Man kann es nicht anders sagen, Bonamassa zieht das Publikum in seinen Bann, im Zentrum der Aufmerksamkeit steht dabei sein Spiel, das wie immer ohne Fehl und Tadel ist.

Neben Bonamassa hat sich aber in den vergangenen Jahren auch Reese Wynans an den Tasteninstrumenten immer mehr zu einem zweiten Anker im Sound und der Band-Hierarchie entwickelt. An manchen Stellen ist er es, der die Band dirigiert und die Richtung vorgibt, Kein Wunder, der Mann ist schließlich bereits in der Rock & Roll Hall Of Fame verewigt (als Teil von Stevie Ray Vaughan's Band DOUBLE TROUBLE), ein Ort, an dem sich irgendwann auch mal eine Plakette oder Statue von Joe Bonamassa befinden könnte. Aber es schadet auch sicherlich nicht – wenn man eine solche Karriere aufbauen will -, wenn man eine solche Power-Rhythmus-Sektion wie diese hat, mit dem ultrapräzise spielenden Anton Fig am Schlagzeug und dem „Bass-Monster“ Michael Rhodes, dessen Arbeitsgerät mir an diesem Abend aber auch wieder hin und wieder zu dominant im Gesamtsound erscheint (was Bassisten wohl sicherlich ganz anders betrachten werden).

Zusammen mit Lee Thornburg und Paulie Cerra an den Blas-Instrumenten sowie den Sängerinnen Jade MacRae sowie Juanita Tippins feiern sie wieder ein Hoch-Fest des Blues. Dabei holen sie sowohl aus den eigenen Kompositionen von Bonamassa wie No Good Place For The Lonely, How Deep This River Runs, Slow Train oder Driving Towards The Daylight das Maximum und gefühlt sogar noch mehr heraus. Sie gewinnen aber auch den zahlreichen Cover-Versionen von solchen Klassikern wie I Get Evil, Cadillac Assembly Line (von Alvert King), Boogie With Stu, How Many More Times (von LED ZEPPELIN) und dem abschließenden Sloe Gin (im Original ja von Bob Ezrin und Michael Kamen und gesungen von Schauspieler Tim Curry) immer wieder neue Aspekte ab und werden dafür vollkommen zu Recht von den Fans gefeiert.

Natürlich trägt dazu auch der Klang an diesem Abend bei und der ist wirklich ganz hervorragend. Abgerundet wird das Erscheinungsbild von einer stimmigen und niemals übertriebenen Licht-Show. Und spätestens wenn diese Lichter zusammen mit der Musik ihre volle Wirkung entfalten, dann wird einem klar, dass Bonamassa den kleinen Clubs – zumindest in dieser Form – endgültig entwachsen ist (in einer Trio- oder Quartett-Besetzung mag das noch mal was anderes sein, zumal er ja selber gerade die Fans über Social Media fragt, in welchem kleinen Club er mal auftreten sollte). Diese Version des Blues ist groß und gehört auf große Bühnen – eben genau so, wie es bei PINK FLOYD war, die man sich ab einem gewissen Zeitpunkt auch nicht mehr in kleineren Locations vorstellen konnte.

Nach gerade mal zwei Stunden endet dann – aus mancher, auch meiner, Sicht natürlich viel zu früh – dieser erneut phänomenale Konzert-Abend. Dabei hat Joe Bonamassa einmal mehr seine momentane Stellung als eine der Ausnahmefiguren des aktuellen Blues-Rock unter Beweis gestellt. Zudem zeigte er sich an diesem Abend deutlich offener, humorvoller und kommunikativer als dies oft in der Vergangenheit noch der Fall war. Das Konzert kann fast als ein durchgängiger musikalischer Höhepunkt betrachtet werden, bei dem man sich nur wünschen würde, dass er noch etwas länger dauert.

An dieser Stelle gilt mein Dank noch Mark Dehler von NETINFECT für die spontane und freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, (Artikelliste), 21.03.2018