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Kulturrampe
Fotos: Ralf Frank
Hogjaw Setlist
Hogjaw,
Krefeld, Kulturrampe, 30.09.2015

Mächtig, wuchtig und laut eröffnen HOGJAW aus Arizona ihr Konzert in der Krefelder 'Kulturrampe'. Rollin' Thunder vom 2010er "Ironwood"-Album darf man quasi als Steilvorlage für den Rest ihres Gigs hernehmen.
Es knallt bis es raucht, während die beiden Gibson-Gitarren und der Bass ganz nah aneinander rücken und Drummer Kwall mit seinen tätowierten Armen Löcher in die Luft sägt. Eng umschlungene Double Lead Gitarren versteht sich, so wie man es als Southern-Rock Fan liebt. Natürlich wunderbar traditionell, den alten Werten vertrauend. Im Anschluss macht Over Before You Know It erst recht keine Ausnahme. Sänger JB Jones muss sich schon nach dem zweiten Song die ständig rutschende Brille zurechtrücken und mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn wischen.

(c) Ralf Frank

Das recht zahlreich erschienene Publikum - ausgemachte Southern-Rock Freaks wie es scheint - lässt sich nicht lumpen, applaudiert vehement und fächelt so ein wenig Luft auf die stickige Bühne. Der neu hinzu gestossene Gitarrist Jimmy Rose macht den mehr oder wenig freiwillig abgetreteten Kreg Self so gut wie vergessen und lässt seine süße Paula singen. Mit der Ballade I Will Remain verschnaufen allesamt ein wenig, nur um mit Leavin' Out The Backside und Fire Fuel & Air wieder volle Fahrt aufzunehmen. Die angestachelte Band rast volle Kanne in den Jam-Modus und verzückt die Leute. Lyn Skyn's Free Bird flattert geisterhaft oberhalb der Bühne. Go, go, go...
Man spürt, dass die Band schon einige Gigs hinter sich gebracht hat. Die Riffs und Licks sitzen und nur selten gerät jemand der vier Herren außer Atem. Bei dieser hard-rockigen Schwerstarbeit lässt sich das aber durchaus verzeihen.

HOGJAW haben sich im Laufe von knapp zehn Jahren Kraft ihrer bisherigen Alben einen sehr ordentlichen Status im Southern-Rock Oberhaus erspielt, was in diesem klischeebehafteten Genre gar nicht so einfach ist. In der 'Kulturrampe' bestätigen sie ihre Qualitäten, auch wenn ihre harte Gangart und die zwangsläufig daraus resultierende aufgepumpte Lautstärke ein wenig mehr Transparenz gebraucht hätte, um den soundtechnisch klaren und zielsicheren Faustschlägen ihrer Studioalben ein wenig mehr zu entsprechen. Diese ästhetischen Kleinigkeiten und Randnotizen spielten für das Krefelder Publikums jedoch keine übergeordnete Rolle. Schließlich reden wir hier über ein gelungenes Konzert.

Frank Ipach, (Artikelliste), 30.09.2015

(c) Ralf Frank

Ja geht denn das, Southern Rock aus Arizona, oder dürfen das nur die ursprünglichen 11 Staaten aus der ehemaligen Konföderation? Nun ja, streng genommen war zumindest ein Teil des heutigen Arizona damals Bestandteil der CSA und somit geht das schon in Ordnung, vor allem, wenn man gleich so abgeht wie HOGJAW es tun.

Der Opener ist zuerst allerdings wenig southern rockig sondern eher heftig metallig und auch die nächsten Stücke machen ordentlich Lärm. Frontman Jonboat Jones im molligem Karoflanell (dem er sich zeitig entledigt) und wuschigem Bart ist eher der Typ Stoner Hillbilly, aber wenn er in der Folge mit Jimmy Rose die Double Leads zelebriert, kann man schon erahnen, dass HOGJAW durch die Capricorn Record Bands der 70's beeinflusst wurden.
Aber wie gesagt, HOGJAW gehören zumindest live der härteren Fraktion des Genres an und das geht in dem kleinen Saal (da ist mancher Proberaum geräumiger) ganz schön auf die Ohren, so dass einige Soli und Licks im Soundgewitter untergehen. Man muss sich schon ganz weit hinten, quasi hinter dem Mischpult, positionieren, um auch etwas von den durchaus vorhanden technischen Finessen der Akteure genießen zu können.

(c) Ralf Frank

Die anfänglich gut gefüllte Lokation lockert sich im Laufe des Gigs merklich auf und ich behaupte mal, es lag nicht an der Qualität der Band sondern allein am Lärmpegel. Auch wenn das überwiegend ältere Publikum mit den Jahren durch den einen oder anderen Hörsturz geschädigt sein dürfte, bedarf es gerade sauber gemixter Frequenzen und das war hier leider nicht gegeben.
Diejenigen, die bis zum Ende durchhielten, schien dies jedenfalls nicht zu stören. Wer es dagegen lieber etwas differenzierter mag, der sollte sich auf jeden Fall mal mit den Studioalben befassen, falls nicht schon geschehen, da bleiben für das Southern Rock Herz keine Wünsche offen.

Ralf Frank, (Artikelliste), 30.09.2015