Fotos: Frank Ipach
Henrik Freischlader,
Oberhausen, Zentrum Altenberg, 10.10.2018

Es ist beileibe nicht alles schlecht in dieser Welt. Es gibt immer noch diese guten und schönen Momente, in denen man alles um sich herum vergessen kann. Sekundenglück nennt das Grönemeyer neuerdings. Getreu dem Motto: "Der Tag ist alles außer gewöhnlich".

Die Henrik Freischlader Band hat am Mittwochabend in Oberhausen im Rahmen ihrer "Old School Tour" auch ein paar dieser Momente produziert. Der Blueser mit der Mütze, der nun seit mehr als einem Jahrzehnt seine Fans mit meist richtig tollen Alben und reichlich guten Konzerte versorgt, gibt sich mit seinen neuen Bandkollegen im Zentrum Altenberg die Ehre und präsentiert mit Community Immunity auch gleich zu Beginn des gut gelaunten Gigs einen Song vom aktuellen Album "Hands On The Puzzle".

Mit seinem typischen, verschmitzten Freischlader Lächeln und einigen amüsant-flapsigen Randbemerkungen führt uns der Gitarrenmeister durch ein Programm, das sich vornehmlich aus Songs der jüngeren Vergangenheit speist. Logischerweise begegnen wir noch weiteren Nummern des neuen Albums (u.a. Rat Race Carousel, Love Straight, Share Your Money, Animal Torture), aber auch einem Song vom 2016er Trio-Album "Openness", der in der aktualisierten Quintett-Besetzung natürlich ein anderes Gesicht erhält, weil Keyboarder Roman Babik und Saxofonist Marco Zügner das Arrangement auf interessante Weise ergänzen und dadurch etwas blumiger gestalten.

Da man leider nicht umhin kommt, dem insgesamt 90-minütigen Set auch die eine oder andere Länge zu attestieren, machen sich erfrischenderweise die zwei eingestreuten, ziemlich geilen Johnny Guitar Watson Nummern (u.a. Ain't That A Bitch) ausgesprochen gut innerhalb des doch recht arg im Mid-Tempo verhafteten Konzertablauf. Gut vorstellbar, dass sich auch ein paar Dutzend anderer Fans insgeheim den einen oder anderen zünftigen Blues-Rock Kracher vom "Still Frame Replay" oder "House In The Woods"-Album herbei gewünscht haben. Sei's drum, Meckern ist hier natürlich fehl am Platze, denn wer solche exquisiten Donny Hathaway Titel wie I Love You More Than You'll Ever Know parat hat und damit echte Gänsehautmomente hervorruft und dann noch mit Animal Torture das Glanzstück vom neuen Album präsentiert, der kann sich seelenruhig auf den Jubel von ein paar Hundert jubelnder und glückseliger Fans verlassen. Wenn dann noch eine gut viertelstündige Zugabe nachgereicht wird, die das Wort Dynamik von allen Seiten neu beleuchtet und schließlich in einem außergewöhnlich ekstatischen Gitarrensturm mündet, darf man froh sein, einen wunderbaren Konzertabend verlebt zu haben, der mit reichlich Sekundenglück gesegnet war.

Frank Ipach, (Artikelliste), 10.10.2018