Fotos: Frank Ipach
Garland Jeffreys,
Dortmund, Musiktheater Piano, 02.11.2017

Vor 44 Jahren betrat Garland Jeffreys mit Wild In The Streets die Rock-Bühnen New Yorks. Mit seiner eklektischen Mixtur aus Rock, Soul, Reggae und Pop machte sich der Kunststudent aus Brooklyn viele Freunde und landete einige Jahre danach mit den in Stein gemeißelten Hits Matador und Hail Hail Rock'n'Roll sogar echte Volltreffer, die ihn Jahrzehnte später noch treu begleiten und dafür sorgen, dass sich ein ansehnlich gefülltes „Musiktheater Piano“ in Dortmund darüber freut, einen der letzten aufrechten Streiter der glorreichen Siebziger und Achtziger Jahre in ansprechender Form zu erleben.

Von einem inzwischen 74-jährigen Rock'n'Roller erwartet man natürlich kein energiestrotzendes Feuerwerk, sondern eher gelassenes, kompetentes und souveränes Handwerk. So sah sich das Dortmunder Publikum tatsächlich mit einer gut gelaunten und spielfreudig agierenden Band konfrontiert.

Gleich zu Beginn überzeugte der sympathische Jeffreys mit Songs seines fulminanten 2012er Comeback-Albums „The King Of In Between“ und mischte sich, ob der überaus freundlichen Publikumsresonanz, früh in die Menge, um die 'good vibes' hautnah zu spüren.

Inspiriert und beflügelt schlängelte sich die Band also durch die Jahrzehnte und präsentierte erwartungsgemäß reichlich alte und neue Highlights wie 96 Tears, Christine, Wild In The Streets, Any Rain, Venus und Coney Island Winter, während Jeffreys im angenehmen Plauderton die Songs moderierte und für einige Schmunzler sorgte.

Einen der schwungvoll angelegten Reggae-Momente nutzte ein inbrünstig schimpfender Jeffreys, um seine Unzufriedenheit mit dem amtierenden amerikanischen Präsidenten hinauszuschreien. Stichwort: Impeachment. Gut, dass die amerikanische Oberschmalztolle nichts davon mitbekam. Sonst würde der engagierte Rock-Künstler seine geliebte New York Skyline demnächst wohl durch Gitterstäbe betrachten.

Und auch wenn Jeffreys gegen Ende des Konzerts reichlich ausgepumpt und unkonzentriert erschien und sich lediglich durch die kollegiale Hilfe seines souveränen Schlagzeugers durch so manche Textlücke manövrierte, so dass die Trademark-Hits Matador und Hail Rock'n'Roll etwas unfokussiert (wenn nicht gar verunglückt) daherkamen, zeigte sich das Dortmunder Publikum hörbar zufrieden mit dem leicht strauchelnden Altmeister. Der dankte es dem aufmerksamen Auditorium mit einem a capella intonierten Gospelsong und wurde anschließend von seinem treusorgenden Tourbegleiter sicher hinter die Bühne bugsiert. Absolut verzeihbar, denn Wild In The Streets liegt immerhin 44 Jahre zurück.

Frank Ipach, (Artikelliste), 02.11.2017