Fotos: Walter PR Schnabel
Garland Jeffreys,
Bonn, Harmonie, 10.10.2012

Lange nichts gehört oder gesehen von Garland Jeffreys? Kein Wunder, denn in Deutschland hatte sich der 'Matador' bis zum Mai 2012 noch nie blicken lassen. Seine alten Hits, Matador und Hail Hail Rock 'n' Roll, schweben natürlich noch irgendwo in unser aller musikalischer Bewusstsein umher, doch ansonsten ...?

Relativ unerwartet erschien im Frühjahr 2012 dann Garlands neues Album "The King Of In Between" und sorgte für erhebliches Aufsehen und überschwängliche Kritiken bei der Fachpresse. Wohlgemerkt, ein Studioalbum nach dreizehn Jahren Pause, das natürlich auch mit einigen Live-Gigs promotet werden musste. Also bereitete Jeffreys im Mai 2012 mit einer kleinen Promo-Tour dem deutschen Publikum bereits viel Freude und unvergessliche Konzertmomente und heimste im Nachgang sogar, ganz und gar zurecht, den 'Preis der Deutschen Schallplattenkritik' für sein aktuelles Knalleralbum ein.

Am Mittwochabend gab sich der inzwischen 68-jährige New Yorker erneut die Ehre und gastierte mit seiner erlesenen Band in der Bonner "Harmonie".
Tische und Stühle im Saal? Hoppla, muss das sein? Sind wir denn in New York? Die leider recht klägliche Anzahl der Konzertgänger - es mochten wohl um die 100 interessierte Kenner gewesen sein - rechtfertigte letztlich die urbane Clubausstattung. Der Saal vermittelte so zumindest den Anschein er sei er halbwegs gut gefüllt.

Ein überraschend klein gewachsener, gut gelaunter Garland Jeffreys betrat die Bühne und überzeugte gleich mit dem mitreissenden Coney Island Winter, gutem, ausgewogenem Sound und einer extrem versierten und kompakten Band, in der Bassist Brian Stanley und Drummer Tom Curiano den allerbesten Eindruck hinterließen. Das anschließende I'm Alive, ebenfalls vom neuen Album, bezeugte unterdessen die sprühende Vitalität dieses sympathischen älteren Herrn, der auch Weltstars wie Bruce Springsteen und Lou Reed zu seinen Bewunderern zählen darf.

Ins Staunen geriet auch das inzwischen bestens eingestimmte Publikum ob der gelungenen Songauswahl und der lustvoll agierenden Band, die einmal mehr bewies, dass die illustren Namen wie Steve Jordan (Drums) und Larry Campbell (Guitar & Produktion), die Jeffreys' aktuelles Album zieren, nun wahrlich nicht nötig sind, um die brillanten Songs aus vier Jahrzehnten im Pop-Pusiness gekonnt zu illustrieren.
Das verschmitze ROLLING STONES rip-off The Contortionist brachte die strahlenden Zuhörer ebenso in Wallung wie die ollen Kamellen la Wild In The Streets, New York Skyline, 35mm Dreams, Bob Dylans A Hard Rain's Gonna Fall und die zum Schluss des Gigs kredenzten Gassenhauer Matador und Hail Hail Rock 'n' Roll, die beim Publikum tatsächlich immer noch zünden und einige sogar zum hemmungslosen Tanzen animierten.
Nach gut 90 Minuten wurde eine selig vor sich hin grinsende Band mit euphorischem Applaus in den wohlverdienten Feierabend entlassen. Ein grandioses Konzert, sehr intensiv und auf traditionelle Weise wohltuend unspektakulär, weil ein Künstler wie Garland Jeffreys eben auf Gimmicks und Mätzchen verzichten kann. Hier zählte die pure Musikalität. Das ließ Mr. Jeffreys die Zuschauer in jeder Minute spüren. Ein beeindruckendes Konzerterlebnis.

Frank Ipach, (Artikelliste), 10.10.2012