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Garage
Fotos: Marc Langels
Fish, Doris Brendel,
Saarbrücken, Garage, 14.11.2018

“Weltschmerz“: unter diesem sehr staatstragenden und bedeutungsschwangeren Titel wird der Schott Derek William Dick, besser bekannt als FISH, sein kommendes – und nach seiner Aussage auch letztes Album stellen. Unter dem gleichen Titel ging es jetzt aber auch vorab bereits auf Tournee, ergänzt aber um den Zusatz “Clutching At Straws“. Denn dieses Meisterwerk seiner ehemaligen Band MARILLION feierte in diesem Jahr sein 30-jähriges Jubiläum. Ein guter Grund also, das letzte gemeinsame Album komplett noch einmal in seiner ganzen Pracht auf die Bühnen zu bringen – und damit zumindest an diesem Abend in Saarbrücken eine ganze Menge Menschen in die Garage und den neblig-trüben November-Abend zu locken.

Vor der großen Nostalgie-Sause steht aber noch die Vorband: Doris Brendel (die später für FISH die Backing-Vocals übernehmen wird) tritt mit ihren vier Musikern auf, die mit ihren Bühnen-Outfits eine gewisse Vorliebe für das gerade recht angesagte Steampunk-Phänomen erkennen lassen. Zu Uniformjacken, Kleidern und Hüten kommen da immer wieder die dazu passenden Brillen. Dazu bietet die Band eine Mischung aus meist alternativen aber auch ein paar progressiven Rock- sowie immer wieder auch keltischen Folk-Elementen, die insbesondere durch den Einsatz der irischen Flöte zum Tragen kommen.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Allerdings wirken die Lieder eher zusammengestückelt als wirklich zusammengehörend. Der Funke will denn auch nicht so richtig überspringen, schließlich sind die Zuschauer wegen FISH hier, wie die Sängerin bereits in ihrer ersten Ansprache an das Publikum selber einräumt. Insofern ertragen die Besucher den knapp 40-minütigen Auftritt der Band eher, als dass sie wirklich mitgehen würden. Erst beim finalen The One kommt Dank der rhythmischen Betonung des Liedes und der wiederholten Aufforderung zum mitmachen und mitklatschen etwas mehr Stimmung auf.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Hier gibt es weitere Impressionen von Doris Brendel.

Dann um Punkt 21 Uhr ist es aber so weit und FISH betritt zu den Klängen von Slàinte Mhath unter dem fast schon frenetischen Applaus der Zuschauer die Bühne. Dabei erscheint der Sänger mittlerweile wie ein freundlicher Onkel, der die Zuschauer mit hoch gestreckten Armen und einem breiten Grinsen begrüßt. Die Stimme hat zwar über die Jahrzehnte etwas an Höhe verloren (was auch spätere Lieder der Setlist zeigen), aber gerade in den mittleren und tiefen Lagen ist sie immer noch rund und weich. Man möchte sie fast mit einem guten Wein vergleichen, der mit der Zeit weiter gereift ist.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Beim Live-Sound fällt auf, dass dieser nicht so perfekt austariert ist, wie man das aus seiner früheren Zeit mit MARILLION gewöhnt ist. So steht bei Just For The Record die Gitarre mit ihrem sehr repetitiven Lick zu deutlich im klanglichen Vordergrund. An anderer Stelle ist es dann mal das Keyboard, das zu dick den Sound dominiert. Dafür besticht allerdings die einfache aber effektive Bühne-Deko mit nur einer Leinwand und einem Barhocker, denn auf der Leinwand im Hintergrund werden Bilder aus der Zeit von “Clutching At Straws“ aber auch szenische Bilder eingespielt, die das Geschehen auf der Bühne gut und atmosphärisch stimmig untermalen. Und der Barhocker ist nicht nur Sitzmöglichkeit, sondern auch ein Symbol für den Platz an der Bar, den FISH ja unter anderem in Sugar Mice besingt.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Schon mit dem zweiten Song des Abends überrascht FISH die Fans und holt mit Man With A Stick einen Song hervor, der auf “Weltschmerz“ vertreten sein wird und bisher nur auf der EP “A Parley With Angels“ erhältlich ist (ebenso wie später auch die von Hans Fallada beeinflusste Nummer Little Man What Now?, der im Vergleich zum Original allerdings das gefühlvolle Saxophon-Solo fehlt). Aber sowohl die Performance als auch der Song an sich zeigen, dass FISH nach wie vor für große Musik und Lyrics steht, die vollkommen zu Recht stellenweise in einem Atemzug mit Peter Gabriel genannt werden (was gerade hier wieder vollkommen unstrittig der Fall ist). Kein Wunder, dass der Applaus hier anschwillt und dann nahezu nahtlos anhält als die Band in das “Clutching“-Trio Hotel Hobbies, Warm Wet Circles und That Time Of The Night (The Short Straw) einsteigt.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Insbesondere bei den MARILLION-Liedern merkt man, wie die Zuschauer geradezu in der Musik und den Texten versinken und darin aufgehen. Und wenn man bei White Russian, das mitnichten nur von dem Wodka-Mix-Getränk handelt, ob der aktuellen Lage und den Ausschreitungen zum Beispiel in Chemnitz nicht eine Gänsehaut ob der Aktualität und Bedeutung des Textes bekommt, dann sollte man sich einmal selber hinterfragen. Und auch FISH zeigt sich bei den Ansagen zwischen den Liedern nachdenklich angesichts der aktuellen Weltlage, weshalb aus dem eigentlich geplanten normalen Abschieds-Album nun ein Doppel-Album geworden sei. Er selbst äußerte die Hoffnung, dass seine Heimat Schottland bei einem möglichen zweiten Referendum sich vom Vereinigten Königreich abspalten werde, um dann bald wieder Mitglied der EU zu werden. Aber er kann auch ein gestrenger Gastgeber sein, der zwischenzeitlich die Zuschauer zur Ruhe ermahnt, wenn er etwas erzählen will, denn schließlich stehe ja sein Name auf den Eintrittskarten.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Aber zumeist zeigt sich FISH als begeisterter und begeisternder sowie teilweise auch überraschend agiler Entertainer. Und manchmal ist er auch einfach nur überraschend, so zum Beispiel, wenn er als erste Zugabe das B-Seiten-Stück Tux On präsentiert, das sicherlich nicht allzu viele Zuschauer erwartet hätten. Das abschließende Incummincado wird dann zu einer einzigen Feier. Besonders groß ist beim Publikum dann zudem die Freude als sich FISH mit den gemurmelten Worten verabschiedet: „See you on the Vigil-Tour!“. Denn das würde ja bedeuten, dass man die Band dann spätestens 2020 zu Ehren des allerersten Solo-Albums von FISH wiedersehen könnte, das sicherlich zu seinen besten Werken gehört. Da darf sich der große Schotte dann sicherlich wieder über ähnlich frenetische Reaktionen wie an diesem Abend freuen, der vielen der Zuschauer sicherlich lange in Erinnerung bleiben wird.

Hier gibt es weitere Impressionen von FISH.

An dieser Stelle noch ein herzlicher Dank an Stephan Junkes von der Garage für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, (Artikelliste), 14.11.2018