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Infinite
Deep Purple,
Düsseldorf, UCI Kinowelt, 16.03.2017

Logo Deep Purple

„Let’s make a rock record“, schallt es durch die großzügigen Räumlichkeiten des Tracking Room in Nashville. Das plappert nicht irgend jemand als wohlmeinende Floskel daher, sondern ein altgedienter Rockstar, der seit knapp 50 Jahren (Unterbrechungen ausgeklammert) seinen Elan und sein Herz für eine Band namens DEEP PURPLE hergibt: Mr. Ian Gillan. PURPLE sind eine Legende, und wenn sich eine Rock-Legende ins Studio begibt, dann wirbelt das bis heute noch Staub auf. Wohl nicht mehr ganz so atemberaubend wie vor 45 Jahren, als die Briten sich anschickten, den Rock-Olymp gemeinsam mit LED ZEPPELIN zu besetzen. Doch man darf sowohl ein mediales als auch reges Fan-Interesse konstatieren, das solch unverwüstlichen Urgesteinen der Rock-Historie tatsächlich gerecht wird.

Photocredit: Jim Rakete via Networking Media

DEEP PURPLE rufen also standesgemäß für den Donnerstagabend im Düsseldorfer UCI-Kinocenter eine Weltpremiere auf den Plan: „From Here To Infinite“, ihr Anfang April erscheinendes neues Album wird hier in seiner Entstehungsgeschichte filmisch-dokumentarisch begleitet und auf die riesengroße Leinwand projeziert.

Die am Album-Prozess beteiligten Musiker und insbesondere der weitsichtige und offenbar sehr kritische, aber auch führungsbegabte Produzent Bob Ezrin, kommen ausgiebig zu Wort, erklären freimütig ihre musikalischen Ambitionen, während Kamera und Ton versuchen, den Fokus auf die instrumentalen Anstrengungen der Band zu richten. PURPLEs Arbeitsweise, die Songs mehr oder weniger fragmentarisch, wie ein langsam entstehendes Mosaik zusammenzufügen und dieses Arbeitsethos via Jam-Sessions zu manifestieren, wird klar und deutlich illustriert.

Photocredit: Jim Rakete via Networking Media

Ein Bass-Riff, ein Gitarren-Lick, eine Hammond B-3 Abfahrt, ein rhythmisch interessantes Drum-Pattern, alles wird ausgelotet und auf Verwendbarkeit überprüft, möglicherweise noch modifiziert, vielleicht liegen gelassen, am nächsten Tag erneut aufgegriffen während Ian Gillan im Hintergrund Ideen und Notizen für seine zukünftigen lead-Vocals festhält. Schlussendlich wird dann aber auch schon mal etwas in die große Tonne für Songs die partout keine werden wollen getreten. Erstaunlicherweise führt Bob Ezrin ein strenges, zielführendes Regiment, bringt sich gleichwohl äußerst kreativ und gewinnbringend in den Entstehungsprozess der Songs ein. Spart jedoch auch nicht mit Lob, wenn kolossale Euphoriewellen durch den Raum schwappen.

Rockmusik-Fans im Allgemeinen und DEEP PURPLE Fans im Speziellen wird dieser Film ausgezeichnet gefallen, weil es schlicht und ergreifend eine Freude ist, diesen enthusiastischen älteren Herren bei der Arbeit zuzuschauen, den Elan und die Leidenschaft zu spüren und auch die Dankbarkeit zu erahnen, die die am Ende ihrer langen Karriere angekommenen Künstler durchaus zu schätzen wissen.

Photocredit: Jim Rakete via Networking Media

Die vielfach aufgeworfene Frage, ob „From Here To Infinite“ möglicherweise ihr letztes Album sei, lassen die persönlich anwesenden Urgesteine Ian Paice und Roger Glover auch während der im Anschluss des Filmes stattfindenden Fragerunde für Fans und Journalisten offen. Wobei die Musiker nachvollziehbarerweise den Gedanken, mit diesem taufrischen Album womöglich das Schlusskapitel ihrer langen Geschichte geschrieben zu haben, kaum selber realisieren können und möchten.
Die drei brandneuen, absolut hörenswerten Songs, die dem Kinopublikum noch als kleines Audio-Geschenk gereicht wurden, lassen in der Tat den Schluss zu, dass DEEP PURPLE auch in zwei, drei Jahren noch genügend Willenskraft an den Tag legen können, um ein weiteres Dokument ihrer Kreativität abzugeben. Vorausgesetzt die morschen Knochen und Gelenke halten, während Glover, Paice, Gillan, Airey und Morse dem Sensenmann ein Schnippchen schlagen und lauthals verkünden: „Let’s make a fu***ng rock record!“

Frank Ipach, (Artikelliste), 16.03.2017