Fotos: Epi Schmidt
Dana Fuchs, Jon Allen,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 27.09.2011

Meine Prognose, dass sich am Dienstagabend ein Konzert im Colos-Saal nicht so leicht ausverkauft, hat sich bewahrheitet. Allerdings ist der Saal doch beachtlich gefüllt, was zeigt, dass die Leute ihre letztes Gastspiel im Colos-Saal, im März 2010, nicht vergessen haben und ihre beeindruckende Bühnenpräsenz sich herumgesprochen hat.
Und dass beileibe nicht nur bei der männlichen Besucherschar! Auch meine beiden Begleiterinnen sind voll der Vorfreude auf das heutige Konzert.

Den Abend eröffnet jedoch zunächst der Engländer Jon Allen, für dessen aktuelles Album unser Frankie bereits lobende Worte fand. Optisch eher Richtung Straßensänger tendierend, erinnert mich ein bisschen an Darrell Bath, wofür auch die angeraute Stimme spricht.

Ganz allein, nur mit Akustikgitarre und stellenweise Mundharmonika "bewaffnet" schafft er es, das Publikum über eine halbe Stunde bestens zu unterhalten und sogar zum Mitklatschen zu bringen. Stilistisch im Singer/Songwriter-Bereich angesiedelt, kommen einem immer wieder Namen wie Dylan und Neil Young in den Kopf, wenn Jon Allen Songs wie No One Gets Out Here Alive, Joanna, den England-Hit In Your Light oder Dead Mans Suit vorträgt. Die Qualität dieser Songs und sein unbeschwerter Auftritt sichern ihm anschließen eine CD-Verkäufe am Merchandising-Stand und es sollte mich wundern, wenn von seinen Alben nicht bald noch mehr verkauft würden.

Bei so einer "Ein-Mann-Vorband" braucht es keine lange Umbaupause und nach gefühlten 15 Minuten schlendern Jon Diamond, Bassist Walter Latupeirissa sowie der neue, sehr jugendlich wirkende, Drummer Piero Perelli aus Italien. Kurz gestimmt und alsbald betritt Dana Fuchs, unter lautem Begrüßungsjubel, die Bühne. Sie schein mir ein bisschen - wie sag' ich's ? - "gereifter", fraulicher, zu sein, was wohl an dem Make-Up liegt, denn voll jugendhafter Energie steckt sie nach wie vor und welch Power in ihrer Kehle brodelt, das spürt und hört man schon in der Eröffnungsnummer Almost Home. Schnell aufs neue Album hingewiesen und der Titelsong Love To Beg schießt hinterher. Mittlerweile gehört der zu meinen absoluten Lieblingssongs der Sängerin und auch hier verfehlt er seine Wirkung nicht.

Die Rockabilly-Country-Nummer Faster Than We Can stammt ebenfalls vom neuen Album und bringt weiteren Schwung in den Abend. Schweißtropfen haben sich schon vorher auf der Haut aller Anwesenden gebildet, aber bei der Energie von Bühne, kommen sie langsam ins rinnen. Da sind die, manchmal etwas langen, Ansagen von Dana ganz gut geeignet Luft zu holen. Natürlich muss noch einmal über die im Frühjahr ausgefallene Tour gesprochen werden und entsprechen über den Tod ihres ältesten Bruders. Der Song Keep On Rollin ist ihm gewidmet und kommt mit seinem leichten Gospel-Charakter da auch sehr passend. Gleich anschließend erinnert das zunächst nicht geplante Songbird an ihre vor Jahren verschiedene jüngste Schwester und wie üblich kriegt sie die Besucher zum Mitsingen des Refrains. Sie schmückt die Nummer gegen Ende mit ein paar Zeilen aus People Get Ready.
Dann ist es aber wieder Zeit Fahrt aufzunehmen und Dana Fuchs ruft zur Messe, verkündet "Let there be music" und angeführt von Jon Diamond stürzt sich die Band in ein furioses Bible Baby, welches zwischendurch kurz zu Ring Of Fire mutiert. Passt ja auch gut in diesen Country-Rocker.

Randy Newmans God's Song sorgt für mehr bluesige Momente, bevor mit Lonely For A Lifetime wieder mehr gerockt wird. Und das vor allem auf der Bühne, denn wie üblich jongliert Dana mit Tambourine und Rassel und zählt die Songs - oft vergeblich - mit den Füßen stampfend ein. Die Frau ist einfach ein Kraftbündel und das schlägt sich auch und vor allem in ihrer Stimme nieder. Es ist schlicht der Wahnsinn, was für eine Power aus diesem Mund kommt.

Leider empfindet Jon Diamond seine Gitarre wohl etwas zu leise eingestellt, sodass er am Verstärker nachregelt und dabei leider etwas zu weit dreht. Fortan "kämpft" seine Gitarre um mit Dana Fuchs Stimme um die Lautstärke-Hoheit auf der Bühne, was dem Gesamtsound nicht gut tut. Solange in Songs wie Hiding From Your Love, Strung Out oder dem countrymäßigen Tell Me I'm Not Drinking die ruhigen Stellen dominieren klingt das noch ganz gut, aber wenn Jon die fetten Rockriffs schlägt oder zum Solo ansetzt, dann wird es laut. Und zwar zu laut, im Verhältnis zum Rest der Band. Da hatte ich mir das Eingreifen eines Mischers oder Roadies gewünscht, der Jon die Nachricht gebracht hätte, etwas runterzuregeln.

Das trübt die Stimmung zwar nur wenig, aber es müsste eigentlich nicht sein, denn Misery und vor allem die viel gewünschte BEATLES-Coverversion Helter Skelter - mit einem kleinen Umweg über Whole Lotta Love - rocken so und so prächtigst! Der neue Drummer macht seinen Job hervorragend, auch wenn er offensichtlich noch nicht mit jedem Song 100%ig vertraut ist. Er macht es durch gute Laune und Spielfreude wett und an seiner Technik ist nichts zu kritisieren.

Der Kampf mit Jons Gitarre geht auch an Danas Stimme nicht spurlos vorbei, aber zu einer Zugabe muss sie doch noch heraus, denn der Jubel ist groß und die Gesichter der Besucher strahlen um die Wette. Schlussendlich war es doch wieder ein mitreißendes Konzert dieser Band und beim nächsten Mal bin ich sicher wieder mit dabei. Dann vielleicht etwas weiter entfernt vom Gitarrenverstärker.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.09.2011