Fotos: Epi Schmidt
D-A-D, Simeon Soul Charger,
Schweinfurt, Stattbahnhof, 17.02.2012

Da sind wir, mein Kumpel Jörg und ich, ja direkt ein paar Minuten zu spät gekommen, denn die "Vorband" spielt bereits im Schweinfurter Stattbahnhof. Aber nachdem sich die Besucher überwiegend noch vornehm zurückhalten und überhaupt der Andrang sich in Grenzen hält, kommen wir problemlos in die Nähe der Bühne. Über die spannt sich ein sehr psychedelisch angehauchtes Backdrop und auch die Band passt da bestens dazu. SIMEON SOUL CHARGER nennt sich die bunte Truppe und wir geraten mitten in ein ausuferndes Solo hinein. Optisch ist vom rastalockigen Bassisten, über einen an Dickey Betts erinnernden Lead-Sänger/Rhythmusgitarristen, einem spätsechziger John Lennon - mit Bart und Nickelbrille, sowie einer bunten SG a la Clapton bei CREAM - bis zum wilden Alternativ-Drummer mit Spitzbart und wild-rudernden Armen wie Keith Moon alles vertreten. Und die Psychedelic kommt auch nicht zu kurz! Oft genug beginnen die Stücke als eingängige Blues- bis Folk-Rocknummern, um sich - fast - jedes Mal gegen Ende in eine wilde Jam- und Klangorgie zu steigern. Mir fallen Bands ein, wie BLACK SABBATH, auch LED ZEPPELIN und oft so Stoner Rock Bands wie QUEENS OF THE STONE AGE.
Lediglich das reggae-beeinflusste Someone Shoot The Fuckin' TV entführt kurzzeitig in andere Gefilde. Dafür wird's bei diesem Song umso lustiger.
Zwischendurch wird auch mal ein Keyboard auf die Bühne geschoben, aber letztlich bleibt es geile Gitarrenmusik mit ausgiebigen Soli, die die Songs um etliches verlängern, und bei denen sich die Bandmitglieder gegenseitig zu Höchstleistungen anstacheln.
Wow, so hat mich schon lange keine "Vorgruppe" - zumal eine, die ich nicht kannte - beeindruckt und vorbereitet auf den eigentlichen Hauptact des Abends.

Die Dänen von D-A-D haben etwas mehr Platz auf der Bühne legen mit der Eröffnungsnummer ihres neuen Albums "Dic.Nii.Lan.Daf.Terd.Ark", New Age Movin In powervoll und routiniert los. Die Show und Musik der Band haben in all den Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Natürlich geht es - im Vergleich zum Opening Act - jetzt straighter zu, aber das ist für so einen Abend ja noch eher von Vorteil. Von Vorteil ist es auch, wenn man so einen Fundus aus mitreißenden Rock-Knallern hat und gleich als Zweites No Fuel Left For The Pilgrims hinterher schießen kann. Das müsste sich manchen Band für den Höhepunkt aufheben.
Everything Glows stammt mehr aus der "Mittelphase" der Band, aber auch das ist hier und heute Abend bestens bekannt und wird entsprechend abgefeiert. Wie üblich tigert der muskelbepackte Stig Pedersen fast unaufhörlich über die Bühne. Seine "2-Saiten-Bässe" sind ja schon legendär und vom durchsichtigen Plexiglas, über den "Heckflossen-" bis zum "Raketen-Bass" hat er auch heute wieder eine tolle Auswahl dabei. Mir gefällt am besten die Variante, bei der Korpus die Kopfplatte ist und umgekehrt. Klasse!
Bei Monster Philosophy ist schon deutlich zu hören, wie die Anwesenden mitsingen und Sänger Jesper Binzer verpasst auch selten eine Chance das Publikum in die Show zu integrieren.

Natürlich sind es auch die verlässlichen und immer wieder kehrenden Elemente, die den Spaß bei einer D-A-D Show ausmache. So Stigs Ansage: "How do you? How do YOU do?" und entsprechend ins Publikum zeigt. Dass hier Ridin' With Sue folgen muss, muss wirklich nur den "Neuankömmlingen" in "Disneyland" erzählt werden.
Heimlicher - vielmehr offenkundiger - Star in der Band ist aber Jespers Bruder Jacob. Wo der Sänger mir Grimassen und Sprüchen und natürlich einem immer noch tollen Rockorgan überzeugt, ist sein Bruder an der Gitarre ein absolutes Ass. Problemlos haut er derbe Riffs raus, die die Songs antreiben und fügt dazwischen immer wieder filigrane Läufe, das Salz in der Rock-Suppe der Dänen sind. Wenn er sich die rote Fender "Jazzmaster" umhängt, dann ist fast schon klar, dass wieder einmal in Richtung Surf- und Twang-Abteilung geht, ohne die Rock-Power zu verlieren. Grow Or Pay ist hier seine Paradenummer, bei der er für seine Soli und Läufe immer wieder Zwischenbeifall aus der Menge erhält. Einfach geil! Ganz nebenbei ist der Song natürlich auch ein Fan-Mitsing-Favorit und ein Rock-Klassiker.

Das Zeug zu einem Klassiker hat für mich auch We All Fall Down. Hier sehe ich erstmals Jacob auf der Bühne Piano spielen, welches leider etwas ungünstig an den Rand gedrängt ist. Fürs Schluss-Solo greift er aber sowieso wieder zur Gitarre. Diese Ballade entwickelt sich auf der Bühne zu einem richtigen Giganten und kommt auch richtig gut an. Sollte mich wundern, wenn der Song nicht auf längere Zeit seinen Platz im Live-Programm der Band finden würde.
Seinen Platz in Programm hat auch Schlagzeuger Laus Sonne. Schon seit einigen Jahren treibt Sänger Jesper Binzer sein Spiel mit dem Publikum, um es zu größtmöglichen Anstrengungen und Anfeuerungen für das Schlagzeugsolo von Laus zu bringen. Da radebrechte er denn ein herrliches Deutsch und als Anheizer für dieses Solo dient die glam-mäßige Powernummer I Want What She's Got vom aktuellen Album.
Da wird der Refrain flugs zu "We want what Laust got!" umfunktioniert und sowohl Laust als auch die Fans gehen hier an ihre Grenzen. Zum diebischen Spaß von Jesper.
Als ich mir eben ein Bier hole, setzt das Killer-Riff von Bad Craziness ein - mach hin, Mädel! - und ich dränge mich umgehend wieder in den vorderen Bereich. Der Song ist und bleibt einer der geilsten den man bei einen Konzert - und im Rock überhaupt - vorstellen kann. Eine bessere Synthese aus Rock und Punk-Power gibt es nicht.

Etwas überraschend verlässt die Band danach - und somit wohl nach kaum 90 Minuten - die Bühne. Die sie natürlich baldigst wieder betritt, um - so Jesper - "a new song" zu spielen. Tatsächlich kommt auch dieser Song - irgendwas mit "Heart" - vom neuen Album bestens, aber bei Sleeping My Day Away gehtís eben wieder richtig ab. Man fühlt sich fast an die Mitschnitte von Konzerten der Band im heimischen Dänemark erinnert so sind die Leute hier textmäßig versiert. Also, zumindest Einige.
Ein weiteres Mal verabschieden sie sich, aber so gehtís natürlich nicht, meine Herren. Ohne Laugh 'N A Half geht hier nichts und schon gar nicht nach Hause! Und das wissen auch die Binzer-Brüder und sind bald mit Akustikgitarren bewaffnet zurück "on stage". Wie üblich gerät diese schmissige Mitsingnummer zum Happening und dirigiert von Jesper singt nahezu jeder lauthals mit.
Mit ihrer "Trademark-Nummer" Disneyland After Dark rocken sie den Abend zu Ende und zur Tür hinaus. Schon lange hab ich bei einem Konzert nicht mehr so geschwitzt, gestampft, die Fäuste in die Luft gereckt und aus vollem Halse gesungen und gebrüllt. D-A-D sind und bleiben eine richtig geile Live-Band jederzeit wieder einen Besuch wert.
Und trotzdem nehm' ich mir abschließend ein T-Shirt von SIMEON SOUL CHARGER mit, denn diese Band hat mich heute Abend gleichfalls sehr beeindruckt! Besser kann so ein Konzert kaum ablaufen!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 17.02.2012