Fotos: Almut Rösch
Blues Caravan,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 25.02.2016

Alle Jahre wieder…, ertönt für mich vorzugsweise erst so um den Februar herum. Dann wenn Ruf’s BLUES CARAVAN unsere und angrenzende Lande durchzieht. Wie gewohnt, macht die “Karawane“ auch wieder im Aschaffenburger Colos-Saal Station und da darf ich nicht fehlen. Die Vorzüge des Clubs sind hinlänglich bekannt.
Die Vorzüge des BLUES CARAVAN ebenfalls, und spätestens anhand der Konzertplakate fallen noch ein paar weitere Vorzüge ins Auge. Was wohl auch mit ein Grund sein dürfte, warum sich trotz des Fehlens eines richtig namhaften Zugpferdes der Club für einen Werktag doch recht ansehnlich füllt. Das Publikum im vorgerückten Alten, wie man das bei dieser Musik gewohnt ist, aber angesichts der jugendlichen Frische auf der Bühne, möchte und könnte man sich auch ein paar jüngere Besucher vorstellen.
Nun denn, die Protagonistinnen auf der Bühne stellen sich gleich und pünktlich vor: Ina_Forsman, Tasha Taylor und Layla Zoe haben alle drei eben erst Alben für Ruf Records veröffentlicht und eröffnen den Abend gemeinschaftlich mit dem Klassiker Chain Of Fools. Na, da kommt bereits Stimmung auf, auch wenn mancher Gast erstaunt scheint, dass es sich diesmal ausschließlich um Sängerinnen handelt, die (fast) kein weiteres Instrument zum Line-Up einbringen.

Tasha Taylor und Layla Zoe verschwinden nach dem Song gleich wieder in der Kulisse und überlassen die Bühne dem “Küken“ der Tour, der blutjungen Finnin Ina Forsman. Die hat mich mit ihrem Album gleichen Namens nicht schlecht beeindruckt, was ich über ihre Abendgarderobe nur bedingt sagen kann. Wirkt irgendwie ein bisschen wie gerade aus der Dusche, mit Handtuch um den Kopf und einem old-fashioned Bademantel an. Das schwarze Minikleid darunter sorgt allerdings in der ersten Reihe für ein gerüttelt Maß an Voyeurismus, möchte ich mal meinen. Die hochgewachsene Sängerin lässt sich davon nicht beeindrucken und startet ihren Set mit dem gleichen Song, der auch ihr Album eröffnete: Hang Loose. Da gehen neben den Augen auch die Ohren der Anwesenden ganz schön auf, denn irgendwie will die dunkle, kräftige Stimme gar nicht so recht zum blassen Mädchen auf der Bühne passen. Ina gibt sich locker, doch so ganz springt der Funke noch nicht über. Trotzdem: The Devil May Dance Tonight, mit seinem Surf-Charakter bringt weiteren Schwung und auch das an Ska angelehnte Farewell sorgt für Stimmung. Nicht zuletzt, weil es an die “Assholes“ gerichtet ist, die einem das Leben schwer machen, wie Ina lautstark verkündet
No Room For Love ist der Colos-Saal keineswegs, und der Aufforderung bei dieser Nummer mitzusingen, kommt man liebend gern nach. Ebenso, wie die Frage “Are you ready for the blues? vielstimmig bejaht wird. Die geschickte Umbenennung von Slim Harpos I’m A King Bee in I’m A Queen Bee - und im flotten Boogie-Stil präsentiert – beendet denn Inas Set effektiv und sichert ihr reichlich Beifall.

Man muss zugestehen, dass die Drei-Mann-Band hinter den Sängerinnen zwar einen hervorragenden Job macht, aber die teils aufwendigen Arrangements der Alben nicht reproduzieren kann. Davide Floreno (kennen wir als Bühnen- und Lebenspartner von Erja Lyytinen ) weiß gekonnt Rhythmus- und Solospiel zu kombinieren, sodass kaum auffällt, dass kein weiteres “Melodieinstrument” auf der Bühne ist.
Außer wenn Tasha Taylor auftritt, denn die farbige Sängerin spielt bei einem Teil ihres nun folgenden Sets Gitarre. Dies fällt allerdings nur bedingt ins Gewicht, aber was das schmächtige Mädel an Stimmkraft mitbringt, umso mehr.
Sie hat bereits ein paar Alben veröffentlicht, wodurch sie aus einem größeren Fundus schöpfen kann. Dies und die Erfahrung – und eine gewisse “Blues- und Soul-Authentizität“ – sorgen auch hier schnelle für Anerkennung.
Das funkige What Difference Does It Make stammt von ihrem 2011er Album “Taylormade“. Sorgt schnelle für wippende Füße und sich sachte bewegende Hüften im Publikum. Aus dieser “Bereitschaft“ wäre mehr zu machen gewesen, aber mit der Soul-Ballade Wedding Bells, von ihrem neuen Album, wird der Schwung etwas gebremst. Die fröhliche Art von Tasha und manch witzige Ansage hält die Besucher allerdings bei der Stange und locker groovende Songs, wie Weatherman, oder die Ballade One And Only, kommen durchwegs gut an.
Hat man nicht so oft, dass sich eine farbige Sängerin als Fan einer weißen outet, aber heutzutage ist ja auch eine andere Generation am Ruder. So ist es vielleicht gar nicht so verwunderlich, wenn Tasha Taylor mit Valery einen Song von Amy Winehouse gegen Schluss ihres Auftritts bringt. Drive hat der Song durchaus und der großzügige Applaus verabschiedet Tasha vorerst.

Womit die Bühne frei wird für Layla Zoe. Die hat vielleicht den bekanntesten Namen der drei “Blue Sisters” und wird ja oft gern als eine der Nachfolgerinnen von Janis Joplin gehandelt. Nun, der strümpfige Auftritt, ohne Schuhe, könnte auf jene längst verstorbene Blues-Größe verweisen, aber bis zur Augenhöhe mit Janis ist schon noch ein weiter und steiler Weg.
Nichtsdestotrotz kann auch die Kanadierin stimmlich überzeugen und geht wohl als Routinierteste heute Abend durch. Sie weiß, das Publikum anzusprechen und auf ihre Seite zu ziehen. Das lässt sie oftmals nicht nach und riskiert auch mal einen Zwischenruf aus dem Publikum. Ihre kraftvollen Songs, wie Workhorse oder Good Man, kommen auch mit der Minimal-Band im Rücken gut rüber und die Kommunikation erweitert sich auch auf ihre Mitmusiker, wobei besonders Davide Floreno sein Können unter ihrem (gespielt) strengen Blick beweisen muss. Was er mit Bravour erledigt! Hier sollte auch der Beitrag von Walter Latupeirissa am Bass (ihn haben wir an diesem Ort schon mit Dana Fuchs gesehen) und Markku Reinikainen, der neben seinem dynamischen Schlagzeugspiel auch noch für manche treffsichere Zweitstimme sorgt, gewürdigt werden.
Was mir an diesem Abend ein bisschen fehlt, ist der “ Rock“. Hier gibt’s jede Menge Blues, gefühlvollen R&B und Soul, aber so richtig abgehen tut es selten. Da trägt Laylas Ballade Sweet Angel und ihre manchmal etwas "spröde" Art - trotz der Klasse – natürlich auch nur wenig bei.

Im Zugabenteil, als das Damentrio wieder zusammen auf der Bühne steht, wird es dann mit bewährten Fetzern nochmal stimmungsvoller. Honky Tonk Women rockt gut, wohingegen es mit Etta James‘ Tell Mama, bzw. dem Klassiker Rock Me Baby wieder mehr in die funky R&B-Ecke driftet.
Als Letzte Zugabe erfolgt die Aufforderung Come Together, welcher die Anwesenden nicht nur bei dieser BEATLES-Nummer nachkommen, sondern auch an das Konzert anschließend am Merchandising-Stand, wo sich die “Blue Sisters“ kurz darauf zum Autogramme geben und das ein oder andere Erinnerungsfoto einfinden.
Letztlich ist auch der 2016er BLUES CARAVAN ein tolles Package, der besonders bei den Fans von R&B und Soul ankam und weiter ankommen wird. Man muss ein paar Abstriche machen, wenn man den Sound der CDs – durch weit mehr beteiligte Musiker geschaffen - im Ohr hat, aber auch im Puristischen liegt ja der Reiz des Blueses. Und für den zusätzlichen Reiz hat man dann noch die “Blue Sisters“. Ich freu mich bereits auf das nächste Jahr und den BLUES CARAVAN 2017.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 25.02.2016