Fotos: Epi Schmidt
Ticket
Blues Caravan,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 07.02.2018

Der Winter geht, der BLUES CARAVAN kommt. So in etwa war das in all den vergangenen Jahren. Aus meiner Sicht hat man in den letzten Jahren etwas zu sehr auf neue und junge Pferde gesetzt. Das waren tolle Abende, mit “Girls With Guitars“ oder den “Ladies Nights“, keine Frage, aber so ein erfahrenes – und bekanntes - Schlachtross hätte vielleicht ab und an ein paar Besucher mehr gezogen und den Funken leichter überspringen lassen.
Nun, darum müssen wir uns an diesem Abend im Colos-Saal keine Sorgen machen, denn der Laden ist recht gut gefüllt und mit Bernard Allison und Mike Zito stehen auch zwei Gitarristen auf der Bühne, die sich schon einige Sporen verdient haben. .

Die Einleitung übernimmt wie gewohnt Label-Chef Tom Ruf persönlich. Die Tour läuft ja so ein bisschen “in memoriam“ an den großen Luther Allison, von dem man im Haus Ruf gerade eine tolle Box zusammengestellt hat, und Filius Bernard denn auch gleich an den Daddy mit dessen Low Down And Dirty.Ja, das kommt richtig gut, vor allem die Slide, die Bernard hier spielt.
Wie üblich beginnen die drei Aushängeschilder das Konzert gemeinsam, bevor dann die Herren der Dame erst einmal den Vortritt lassen. Vanja Sky ist “die Neue“ im BLUES CARAVAN, stammt aus Kroatien und hat schon beim ersten Song aufhorchen lassen.
Sie hat ihr Debütalbum veröffentlicht und daraus bringt sie das leicht funkige, groovige All Night. Die Stimme kommt sehr angenehm und mit Blues-Feeling, wenn auch sicher noch ausbaufähig. Auf der Gitarre ist sie da schon eine ganze Ecke weiter und wechselt flüssig zwischen Rhythmus und Soli und lockt das Publikum zu ersten Beifallsrufen. .

Auch Do You Wanna? kommt groovy und verführt zum Mittänzeln. Sie sei das erste Mal auf Tour erzählt sie zwischen den Songs, was man bei ihrem routinierten Spiel kaum glauben mag. Also, in dem folgenden Slide-Blues Crossroads Of Life liegt jedenfalls eine Menge Erfahrung – ob selbst gemachte oder aus zweiter Hand, ist da nicht so wichtig.
Bei der melancholischen Geschichte über den Married Man kehrt Mike Zito zur Unterstützung zurück und bereichert die zwar ruhige, aber doch sehr intensive Nummer mit seinem tollen Slide-Spiel. .

Um anschließend das Tempo und die Stimmung wieder anzuziehen, eignet sich wenig besser als ein Rory Gallagher-Song. Bad Penny, wer hätte gedacht, wie gut das von einer Lady gespielt und gesungen werden kann? Seine Wirkung erzielt diese Fassung auf jeden Fall.
Mike Zito übernimmt dann und seine ganze Klasse und Erfahrung zeigt sich umgehend. Da haut er uns einen satten Boogie um die Ohren und schon wackelt die Hütte. Und auch das rockige One More Train kommt bestens rüber. An dieser Stelle sei mal wieder ein lobendes Wort über die Rhythmiker Roger Innis am Bass – schon ein CARAVAN-Uhrgestein – und Mario Dawson, aus Bernard Allisons Band, am Schlagzeug erwähnt. Wie die jederzeit den perfekten Rhythmus zaubern und dabei noch stets bester Laune sind, das steckt alleine schon an.
Und dann natürlich Mike Zitos Gitarrenspiel! Der Mann hat es einfach drauf, eine Gitarre gut klingen zu lassen. Das geht meist geschmackvoll, mal rockig, mal bluesig, zu und immer so, dass man einfach verzückt lauscht. Wie in dem wundervollen Gone To Texas. Hatte ich seinen southern-beeinflussten Gesang erwähnt? .

Ja, zu Texas hat er eine besondere Affinität und einen ordentlichen Texas-Blues hat er jederzeit für uns im Gepäck. Aber auch den wohlgemeinten Blues-Stampfer und Ratschlag Make Blues Not War. Das Publikum folgt ihm im Mitsingteil denn auch willig und lautstark. Das gleichnamige Album ist der Hauptlieferant für seine Songs an dem Abend und der Boogie Wasted Time erfreut uns dabei besonders. Drahtig, kernig, klingt seine Gitarre und sorgt für ordentlichen Drive.
Nach einer kurzen Pause wird es Zeit für Bernard Allison. Und damit für einige länger Solo-Passagen. Aber auch einige mitreißende Songs. Mir gefällt natürlich der Rock’n’Roll-Klassiker Rocket 88 besonders, mit dem Allison auch gleich zu Beginn für Stimmung sorgt. Klar, die Soli werden lang und länger, aber es ist kein stupides Dudeln und keine Guitar-Hero-Demonstration, sondern der Mann hat einfach Spaß am Solo-Spiel. Das ein oder andere Gimmick streut er ein, aber großteils ist das schon zielgerichtet. .

Vielleicht würde ein Jimi Hendrix heute so klingen, wäre er noch am Leben. Nicht nur mich erinnert Allison öfter an diesen, wobei der Schritt zu SRV dann natürlich auch nicht lange auf sich warten lässt.
Dass Allison seinen eigenen Drummer hier dabei hat, merkt man an dem perfekten Zusammenspiel der beiden und während Bernard Allison unbeeindruckt weiterspielt, kommt Mario Dawson auch mal hinter seinem Schlagzeug vor und klatscht zusammen mit Roger Innis den Rhythmus nur mit den Händen. Und die beiden haben jede Menge Spaß dabei.
Wie gesagt, mir sind die Soli auf die Dauer ein bisschen zu lange und ausufernd, aber erstens gibt’s immer Gitarrenfetischisten und zweitens kommen Nummern, wie der Evergreen Going Down ja auch bei Allison richtig gut. .

Zum Schluss vereint sich das Quintett langsam wieder. Mike Zito kommt zu Luther Allisons Bad News auf die Bühne und die beiden liefern eine äußerst intensive Version dieses langsamen Blues. Endlich ist dann Vanja Sky auch wieder mit dabei und bei Life’s A Bitch teilt sie sich Gesang und Soli mit Allison und Zito. Klar, die Tour läuft schon ein paar Tage, aber trotzdem: Die harmonieren richtig gut!
Bernard erinnert nochmal eindringlich an seinen 1997 verstorbenen Vater Luther und einige Mal wandert sein Blick und der Zeigfinger Richtung Hallendecke und dem darüber liegenden Himmel.
Die Uhr wandert schon stramm auf 23 Uhr zu, als dieser Konzertabend zu Ende geht. Für mich wieder eine deutliche Steigerung der BLUES CARAVAN-Reihe und man kann sich auf die eben erschienen Alben von Allison und von Vanja Sky, sowie das bald kommende Album von Mike Zito ebenso freuen, wie auf das – hoffentlich – nachfolgende BLUES CARAVAN 2018-Album. .

Epi Schmidt, (Artikelliste), 07.02.2018