Fotos: Marc Langels
Beyond The Black, Kobra And The Lotus, Beast In Black,
Saarbrücken, Garage, 17.12.2017

Eine Woche vor Weihnachten bekommen die Metal-Heads im Saarland schon ein erstes verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Denn an diesem Abend macht ein wirklich tolles Package Station in der Saarbrücker Garage – genauer gesagt beendet es hier seine gemeinsame kleine Tournee. Mit dabei sind die italienischen Power Metaller BEAST IN BLACK, die kanadische Heavy Metal-Formation KOBRA AND THE LOTUS sowie die deutschen Chart-Stürmer BEYOND THE BLACK, die zudem einen besonderen Bezug zum Saarland haben, denn Frontfrau Jennifer Haben kommt schließlich aus dem nordsaarländischen Sankt Wendel – ein echtes Heimspiel also, das zu einem ziemlichen Triumphzug werden soll, aber dazu später mehr.

Denn zunächst beginnt das Konzert mit einer Überraschung. Schon eine Viertelstunde nach dem Beginn des offiziellen Einlasses entert die erste Band die Bühne. Das europäische Projekt BEAST IN BLACK, das Mitglieder aus Griechenland, Finnland und Ungarn vereint, war auch zuvor im Internet nicht angekündigt worden. Dennoch ist die Halle bereits ganz ordentlich gefüllt – kein Wunder, denn draußen herrscht wirklich kein Wetter zum Verweilen. Und drinnen geht es auch gleich heiß zur Sache, denn die Band um den ehemaligen BIBLE BEAST-Gitarristen Anton Kabanen und den früheren AMBERIAN DAWN- und U.D.O.-Gitarrero Kasperi Heikkinen gibt von der ersten Sekunde an Vollgas.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Der Set präsentiert die Lieder des Debüt-Albums “Berserker“, das erst vor kurzem erschienen ist. Die Songs sind knackig und gehen auch beim ersten Hören sehr schnell ins Ohr. Das liegt zum einen an den griffigen Riffs von Kabanen und Heikkinen aber auch an den hymnischen Vocals von Frontmann Yannis Papaopoulos. Aber auch die sehr passionierte Performance der gesamten Band sorgt dafür, dass die etwas mehr als 30 Minuten geradezu wie im Fluge vergehen. Leider reicht es da nicht, um das komplette Album zu präsentieren, aber die insgesamt sechs Songs geben schon einen guten Überblick. Von dieser Band werden wir in Zukunft sicherlich noch mehr zu hören und hoffentlich auch zu sehen bekommen. Auf jeden Fall war das eine sehr angenehme Überraschung zum Auftakt des Konzert-Abends.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Hier gibt es weitere Impressionen von BEAST IN BLACK.

Anschließend dauert es dann nur gerade mal eine knappe Viertelstunde bevor das Saal-Licht wieder erlischt und damit den Auftritt von KOBRA AND THE LOTUS ankündigt. Auch die kanadische Band setzt fast Voll und Ganz auf das neue Studio-Werk, “Prevail“. Sieben der acht Songs auf der Setlist stammen vom aktuellen Album, während der sehr starke Vorgänger “High Priestess“ leider komplett übergangen wird und mit dem Abschluss-Song 50 Shades Of Evil auch nur ein Track vom Debüt an diesem Abend präsentiert wird. Das ist für all jene natürlich ok, die ohnehin nicht mit der Band vertraut sind, aber diejenigen, die Kobra und ihre Jungs bereits kennen, würden sich schon auch Titel wie Soldier, I Am, I Am, Welcome To My Funeral oder Lost In The Shadows wünschen.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Aber die Band zockt den Set mit der nötigen Leidenschaft und sehr tight. Und es schadet natürlich nicht, eine Frontfrau vom Kaliber Kobra Paige in seinen Reihen zu haben, die mit Ausstrahlung und Power das Publikum sofort in ihren Bann zieht – und dort für die nächsten knapp 40 Minuten gefangen hält. Leider muss sie das viel über ihre Präsenz machen, denn ihre Stimme geht manches Mal etwas im Band-Sound unter. Die Musiker kommen dafür umso wuchtiger im gesamten Saal an. Die beiden Gitarren und das treibende Rhythmus-Fundament – insbesondere vom Tier am Schlagzeug Marcus Lee – peitschen die Metal-Sounds nur so durch die Garage. Unterstützung erhalten sie dabei an der zweiten Gitarre von Timo Somers, der ja sonst bei DELAIN aktiv ist.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Hier gibt es weitere Impressionen von KOBRA AND THE LOTUS.

KOBRA AND THE LOTUS empfehlen sich an diesem Abend für höhere Weihen, sprich auch mal eine Headliner-Tournee. Denn sowohl von der Performance als auch von den Liedern her – als Headliner könnte man dann ja auch noch die besten Lieder der anderen Alben spielen – können die Kanadier an diesem Abend vollkommen überzeugen. Auf jeden Fall hat sich der Headliner einen sehr starken Main Support an Bord geholt, der die rund 700 bis 800 Zuschauer sehr gut eingeheizt übergibt.

Und dann ist es Zeit für den Headliner BEYOND THE BLACK haben ja wirklich einen Karriere-Einstand nach Maß geliefert. Die ersten beiden Alben, "Songs Of Love And Death" und "Lost In Forever", charteten in den Spitzenregionen und so war der Weg zu einer Headliner-Tour ein recht kurzer. Wie weiter oben angedeutet hat die Band an diesem Abend zudem den Lokalhelden-Status inne. Dies dürfte auch erklären, warum diverse Besucher in der Halle recht offensichtlich ihre erste Metal-Show erleben. Und diese gehören – so zumindest der lakonische Kommentar von Sängerin Janine Haben - vielleicht zum erweiterten Familienkreis.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Und insbesondere Haben ist vom ersten Moment des Konzerts bis zu den finalen Klängen der pure Spaß an diesem Gig ins Gesicht geschrieben. Die kommenden knapp 100 Minuten werden aber auch ein echter Triumphzug, denn das Publikum ist zum einen ja bereits gut vorbereitet durch die beiden sehr guten Vorgruppen und offenbar wirklich gespannt auf den Auftritt der neuen BEYOND THE BLACK. Denn nach dem bislang letzten Auftritt in Saarbrücken hatte sich Haben von den Musikern getrennt, um mit neuen Instrumentalisten die Karriere weiter voranzutreiben.

Die Neuen machen ihren Job denn auch ziemlich gut, halten sich Show-technisch zunächst aber zumeist etwas im Hintergrund. Erst im Verlaufe der Show kommt etwas mehr Bewegung in die Band, insbesondere Bassist Stefan Herkenhoff taucht dann mal häufiger an der Bühnenkante auf und auch die beiden Gitarristen Chris Hermsdörfer sowie Tobias Lodes erweitern ihren Aktionsradius deutlich. Aber im Endeffekt ist es die Show von Jennifer Haben, die sich an diesem Abend und auf dieser Bühne extrem wohl zu fühlen scheint – und entsprechend überzeugend ist auch ihre Leistung, sowohl was den Gesang als auch Gesamt-Auftritt betrifft. Sie genießt sehr offensichtlich jede Sekunde.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Aus den sehr gut performten 18 Stücken stechen einige hervor. Zum einen die wunderbar gefühlvoll als Piano-Ballade vorgetragene Version des MOTÖRHEAD-Klassikers Love Me Forever und auch die Wacken-Hymne Rage Before The Storm, für die BEYOND THE BLACK dann sogar stimmkräftige Unterstützung von Kobra Paige erhält. Da kommt dann sogar noch mehr Stimmung auf, denn die beiden Sängerinnen ergänzen sich auf der Bühne ganz hervorragend. Aber auch das Wechselspiel zwischen den härteren und ruhigeren Songs in der Setlist wirkt sehr gut austariert, so dass für jeden Fan etwas dabei ist.

Wenn man bei BEYOND THE DARK ganz allgemein etwas kritisch anmerken möchte, dann wohl den Umstand, dass sich einige Nummern schon sehr ähnlich anhören wie etwa Kompositionen von DELAIN, zum Beispiel Lost In Forever oder Halo Of The Dark. Etwas mehr klangliche Eigenständigkeit würde der Gruppe in der Zukunft sicherlich sehr gut tun, denn alle anderen Voraussetzungen für eine internationale Karriere bringt die Band mit. An diesem Abend ging es aber nicht so sehr um die Zukunft sondern um das Hier und Jetzt – und da stehen BEYOND THE BLACK ja nun wirklich ganz hervorragend da.

Photo-Credit: Marc Langels/www.hooked-on-music.de

Hier gibt es weitere Impressionen von BEYOND THE BLACK.

So endet dann der Abend mit allenthalben sehr zufriedenen Gesichtern. Die Fans freuen sich über das vorgezogene Weihnachtsgeschenk, die beiden Vorgruppen über den Zuspruch in der Halle (insbesondere KOBRA AND THE LOTUS verkaufen zahlreiche ihrer CDs, umso mehr ab dem Zeitpunkt als Frontfrau Kobra Paige am Merchandise-Stand auftaucht und diese dann noch mit ihrem Autogramm verziert). Und der Headliner darf sich darüber freuen, hier einen sehr starken Eindruck hinterlassen zu haben.

An dieser Stelle noch ein Dank an Stephan Junkes von der Garage Saarbrücken für die freundliche Akkreditierung.

Marc Langels, (Artikelliste), 17.12.2017