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Amphitheater Hanau
Fotos: Epi Schmidt
BAP,
Hanau, Amphitheater, 26.08.2012

Die A3 ist uns – meinem Kumpel Andi und mir – an diesem Sonntagabend relativ gnädig gesinnt, aber dunkle Regenwolken schieben sich über den hessischen Himmel und der ein oder andere Tropfen landet auf meiner Frontscheibe. Sollte sich mein Erlebnis vom 2001er Wolfstock-Open-Air-Festival wiederholen, als das BAP-Konzert wegen eines Wolkenbruches nach den ersten Songs unterbrochen werden musste? (Wurde anschließend mit zusätzlicher Power und verlängerter Spielzeit fortgesetzt).
Umso erfreuter sind wir über den Baldachin, der sich über das Hanauer Amphitheater spannt und Bühne wie Besucherraum trocken hält. Nix Regenschirm!
Wir sind knapp dran und können die durchaus ansprechende Umgebung des Halbrunds gar nicht genügend würdigen, denn um 19 Uhr geht’s bereits los und unter dem Jubel der Menge betreten BAP die Bühne. Der Lautstärke-Level des Beifalls wird noch etwas höher, als Wolfgang Niedecken die Bühne betritt. Der Kopf und letztes verbleibende Gründungsmitglied der Band hatte Ende 2011 einen Schlaganfall erlitten und nicht wenige befürchteten das Ende von Band und Niedeckens Musikkarriere.
Umso erfreulicher, dass er hier und heute wieder auf der Bühne steht.

Sieht etwas ausgemergelt aus, die Haare inzwischen überwiegend grau, einen Hut auf dem Kopf und – am auffälligsten – ein grauer „Musketier“-Bart zieren Oberlippe und Kinn. Vielleicht sind auch die Bewegungen etwas gemäßigter als zu den ganz großen Tagen von BAP, aber wer wollte es ihm verdenken? Vom Kopf und von der kölschen Klappe her ist jedenfalls alles beim Alten. Da haben eher manche im Publikum Probleme, Wolfgangs Worten zu folgen. Was natürlich auch an Wolfgang „sin Sprooch“ liegt. Wenn die Fragezeichen in den Gesichtern zu groß werden, übersetzt der Sänger – zur Not noch im Lied – ins Hochdeutsche.
Ist also alles Halv Su Wild, um mal die Eröffnungsnummer zu zitieren, die richtig gut losrockt und natürlich vom gleichnamigen Album stammt. Ebenso wie Et Levve Ess En Autobahn. Es kommt also trotz der frühen Stunde und des noch einfallenden Tageslichtes bereits gut Stimmung auf. "Wie geht es euch", ruft Niedecken, um gleich darauf ein "Froocht mich mal!" folgen zu lassen. Er kokettiert durchaus mit seinem Schicksalsschlag vom Vorjahr. Ab und zu ist eben alles anders und beim Karibikrhythmus von Aff Un Zo könnte man zwar etwas mehr sommerliche Wärme vertragen, aber die im Takt klatschenden Hände sorgen immerhin für Bewegung und fürs Herz hat "der Wolfgang" immer mal ein "paar warme Worte". Die meist mit einem Augenzwinkern versehen sind und zwischen dem "Köl'schen Grundgesetz in Kurzfassung" und der unvermeidlichen Erwähnung vom FC Köln liegen. Es ist natürlich Nix Wie Bessher - ein weiterer Klassiker der Band, vom Publikum textsicher mitgesungen - und der Sänger fragt sich zu Recht, Woröm Dunn Ich Mir Dat Eijentlich Ann?. Es geht natürlich um den FC Kölle, aber wie Niedecken sagt: "Es gibt drei Dinge, die kann man sich nicht aussuchen: Vater, Mutter und den Fußballclub. Den kriegt man nun mal in die Wiege gelegt." Was in seinem Fall momentan 2. Liga bedeutet, aber die nicht weit vom Veranstaltungsort logierende Eintracht aus Frankfurt gibt ja Mut.

Alexandra, Nit Nur Du bringt uns wieder auf andere Gedanken und sicher etliche Erinnerungen hoch. Die Band und der Sound sind vom Feinsten. Neben dem Uhrwerk Jürgen Zöller am Schlagzeug, fallen mir vor allem Gitarrist Helmut Krumminga und Keyboarder - und wenn es sein muss Akkordeonspieler - Michael Nass auf. Krumminga verkörpert zum einen den Rockgitarristen Marke Keith Richards, der die derben Riffs herausschleudert aber zum anderen auch die Balladen mit subtileren, lang gezogenen Linien untermalt. Michael Nass liefert neben einem beeindruckend guten Backgroundgesang noch eine breite Palette bester Hammond- und Pianosounds. Nicht umsonst rotiert der "Leslie" hinter seinem Rücken für die authentischen 70er Jahre Orgelklänge und wenn ein Song wie Verjess Babylon einen Piano-Western-Swing braucht, dann ist auch das kein Problem für den Tastenspezialisten.
Ab Babylon ist Anne de Wolf - auch schon über sieben Jahre in der Band - mit auf der Bühne und zusammen mit Krumminga an der Dobro sorgt sie für den richtigen Drive hinter Leopardefellhoot.

Chlodwigplatz - auch hierzu gibt’s die passende Geschichte vom Bandchef - erinnert mit seinem Reggae-Rhythmus entfernt an den "Müsli Man", bevor mit Arsch Huh, Zäng Ussenander wieder Tacheles geredet wird.
Mit Rita, Mir Zwei kommt nochmal ein Hit, bevor es etwas ruhiger wird. Manchem vielleicht zu ruhig? Kann sein und die folgenden Songs sind nicht unbedingt die "Greatest Hits", aber es ist gut vorstellbar, dass Niedecken, mit immerhin inzwischen auch schon 61 Jahren, diese Songs wichtig sind und somit sind sie so legitim interessant. Musikalisch sorgt da Christian Felke am Saxofon für ein paar jazzige Töne in Krohn Oder Turban und weil Amerika nur mit Saxofon richtig klingt (laut Niedecken), folgt auch das. Das Gitarren/Saxofon-Duell gegen Ende des Liedes ist so richtig Schweinegut!

Ich kann mich immer noch nicht mit dem - fast fröhlichen - Mitklatschen zu Kristallnaach anfreunden. Zu beklemmend ist der Text immer noch und noch immer verschafft mir das Lied eine Gänsehaut. Eine tolle Leistung ist es, was die Band aus der eigentlich - musikalisch - abgenudelten Nummer macht. So klingt der Song immer noch richtig gut ohne Ermüdungserscheinungen.
Nur wenige Tage entfernt ist das 30jährige Jubiläum von BAPs legendärem Rockpalast Open-Air auf der Loreley. Zusammen mit Größen wie Rory Gallagher spielte die Band da ein grandioses Festival und Niedecken ist auch heute noch beeindruckt davon, wie er im Wohnwagen des irischen Gitarristen dessen legendäre Stratocaster in die Hand nehmen durfte.
Entsprechend - und bereits für das anstehende Loreley-Konzert versprochen - spielt die Band ihre deutsche Version von A Million Miles - Millionen Meilen. Über Krummingas Solo kann man hier geteilter Meinung sein, Werner Kopals Bass-Solo ist hingegen allererste Sahne!

Kurz darauf - und auch das darf nicht fehlen - sorgt das prächtig rockende Verdamp Lang Her für den ersten Schluss des Abends. Niedecken kommt zunächst allein zurück, um mit Für 'Ne Moment - ganz in der Tradition von Bob Dylan mit Akustikgitarre und Mundharmonika - an seine Ursprünge und frühen Tage zurück zu führen. Es bleibt eher ruhig bei Noh All Dänne Johre, wird aber richtig witzig und fast karnevalistisch, wenn Jürgen Zöller - nicht zuletzt als Dank für inzwischen fast 25 Jahre am Schlagzeug - mit Niedecken in die Bühnenmitte tritt, um ein Lied des Kölner Urgesteins Hans Süper zum besten zu geben: Mir Zwei, Mir Künnte Fraue Han. Wohl keiner im Publikum kann sich eines breiten Grinsens erwehren. Das komödiantische Talent des Schlagzeugers ging bisher wirklich verloren.

Zur zweiten Zugabe muss die Band natürlich auch noch raus und jetzt wird mit Ne Schöne Jrooß nochmal ordentlich auf den Putz gehauen. Nach wie vor ein geiler Song und entsprechend gut fetzen BAP durch diese Nummer. Der perfekte Sound sei hier nochmals lobend erwähnt!
Da man mit so einem "hässlichen Lied" (Niedecken) den Abend nicht beenden darf, geben BAP den Fans mit Do Kanns Zaubere noch etwas mehr Romantischeres mit auf den Heimweg. Man glaubt es kaum, aber es sind gut drei Stunden vorbei, seit die Band die Bühne betreten hat. Hut ab, vor dieser Leistung und einem tollen Konzert in einer wundervollen Arena. Vielleicht hat die Band vor Jahren mehr gerockt, aber unterhaltsamer kann es auch kaum gewesen sein. Heutzutage wird halt etwas mehr Gewicht auf den Text gelegt, denn auch für diese deutsche Band gilt: It's the singer, not the song. Und der Sänger, der ist immer noch verdamp joot!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 26.08.2012