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Jahrhunderthalle
Fotos: Epi Schmidt
Alice Cooper, Thunder,
Frankfurt, Jahrhunderthalle, 21.11.2017

“Spend The Night With Alice Cooper“, lautet die Einladung. Das schlägt man natürlich nicht aus. Und wenn dann auch noch meine britanische Lieblings-Rockband das Horsd’oeuvre kredenzt, dann mach ich mich doch Dienstagabend auf den Weg nach Frankfurt. Nach einer kleinen Odyssee – dass ein viel besuchter Veranstaltungsort, wie die Jahrhunderthalle, nicht besser ausgeschildert und verkehrstechnisch erschlossen ist, ist schon ein Jahrhundertwitz – stürme ich um kurz nach 20 Uhr die Treppen zum Konzertsaal in Frankfurt-Höchst nach oben.
THUNDER haben pünktlich begonnen und so hab ich Wonder Days bereits verpasst, als meine geschwinden Schritte mich zu River Of Pain ins Innenrund führen. Die Herren um Lead-Sänger Danny Bowes und Lead-Gitarrist Luke Morley sind schon gut in Action. In dezentes Schwarz/Grau gekleidet sorgen sie für erste Farbtupfer an diesem Abend. Und erheischen beachtlich viel Beifall, für eine Vorband. Danny Bowes gibt sich auch alle Mühe und sucht immer wieder die Kommunikation mit dem Publikum. “Can you sing?“, fragt er nicht nur ein Mal. Schön, ein THUNDER-Publikum ist bei Higher Ground deutlich stimmgewaltiger zu hören, aber die Band beeindruckt das kaum und mit ihren druckvollen Rock bringen sie zumindest die vordersten Reihen in Fahrt.
Ben Matthews, der sonst die zweite Gitarre spielt, wechselt für die Ballade In Another Life, vom aktuellen Album “Rip It Up“ ans Keyboard, während Luke Morley von der Gibson SG zur weißen Stratocaster wechselt. Das flotte, riff-betonte The Thing I Want bringt den Schwung zurück, zu dem auf Bühne und auch im Saal gut gerockt wird. Den Bandklassiker Love Walked singt Bowes immer noch mit beeindruckender Stimme und hat zwischendurch noch die Puste, das Publikum zum “Screeeaaam!“ aufzufordern. I Love You More Than Rock’n’Roll läutet dann schon das Ende des Sets ein, der doch einige zum “jump up and down“ gebracht hat und den Saal ordentlich angeheizt hat. Mit Zugabe ist leider nichts und kurz vor 20.45 Uhr verabschieden sich die Engländer von der Bühne.

Zwei große, wohl bekannte Augen starren vom Banner in den Saal, während dahinter die Vorbereitungen für den Auftritt des einstigen Schock-Rockers Alice Cooper laufen.
Und nach gut einer halben Stunde Umbaupause ist es denn soweit und mit Brutal Planet beginnt die Show. Das ist jetzt natürlich deutlich mehr los “on stage“. Rauchsäulen hier und da, etliche Musiker und Darsteller sind bereit für diese Nacht mit Alice Cooper. Dieser ist für einen stramm auf die 70 Zugehenden in toller Verfassung. Schlank und rank wie eh und je und auch stimmlich absolut auf der Höhe. Auch wenn er diese ja äußerst selten überstrapaziert hat.
Im Publikum finden sich auch relative viele jüngere Besucher. Die Älteren sind aber wahrscheinlich die, die als Erste die Klassiker No More Mr. Nice Guy und Under My Wheels erkennen. Altbacken klingt hier aber nichts, die Band bringt die Songs durchaus im zeitgemäßen Gewand. Großen Anteil daran hat die Gitarristin Nita Strauss (auch bekannt als Teil der Tribute-Band THE IRON MAIDENS). Die flitzt von einer Bühnenseite zur anderen und spielt dabei noch eine rattenscharfe Lead-Gitarre. Die hat echt was los!

Department Of Youth schiebt richtig gut und die eingängige Melodie lässt auch die in Fahrt kommen, die den Song vom Album “Welcome To My Nightmare“ vielleicht nicht so gut kennen. Mit Songs seines aktuellen Albums “Paranormal“ hat es Alice aktuell anscheinend nicht so sehr. Dafür gibt’s mit Pain einen relativ alten Song (1980), der live interessante Qualitäten entwickelt. Kommt richtig gut und deutlich besser als auf dem zugehörigen Studioalbum.
Noch besser kommt natürlich so ein Evergreen wie Billion Dollar Babies. Und natürlich regnen hier die Dollar-Noten ins Publikum. Zu erwähnen ist, dass sich die Setlist bei den Shows praktisch nicht verändert, was bei so einem durchkonzipierten Event auch nur schwer zu handhaben wäre.

Bei The World Needs Guts geht es fast schon Nu-Metal-mäßig ab. Alice ist absolut in seinem Element. Dirigiert die Menge mit Säbel, Degen, Dompteurstab (der erste ist schon beim Eröffnungssong im Publikum gelandet und winkt von dort immer Mal Richtung Bühne), Messer…., was immer gerade zur Hand ist und nichts ist vor ihm sicher. Keine Baby- und keine Frauen-Puppe in Lebensgröße.
Eine kurze Verschnaufpause gönnt er sich, während Nita Strauss ein kurzes Gitarren-Solo auf uns niederprasseln lässt, das mit einigen Grüßen an Eddie Van Halen versehen ist. Hut ab!
Was kann, was muss dann kommen? Klar, das Mädel leitet in den Mega-Hit Poison über. Spätestens jetzt ist die Halle kollektiv am Mitsingen- und rocken.
Nach einem – für mich überflüssigen – Drum-Solo sind wir sozusagen im zweiten Teil der Show und die Theatralik nimmt zu. Zu den immer wieder in Szene tretenden Rauchsäulen geht ein Feuerwerk an Gimmicks auf uns nieder. Zu Feed My Frankenstein taucht ein mindestens drei Meter großer Frankenstein auf der Bühne auf, zu Cold Ethyl “missbraucht“ besagte Frauenpuppe. Anderswo würde das wohl lächerlich wirken, aber Alice kommt hiermit durch.

Gitarrist Ryan Roxie hat sich die doppelhalsige Gibson umgeschnallt und es wird etwas ruhiger für die Ballade Only Women Bleed. Auch das eine tolle Performance und eine geniale Ballade ohnehin, die hier auch toll in Szene gesetzt wird. Erst recht, wenn es mit Paranoiac Personality doch noch einen Song vom aktuellen Album gibt.
Düstere Gestalten beäugen bereits von der Bühnenseite das Geschehen und zu Ballad Of Dwight Fry wird die unvermeidliche Zwangsjacke um den Sänger gelegt.
Erfahrene Besucher wissen, wie das weitergeht: Zwangsjackenbefreiung, Handgemenge und trotz allen Widerstandes schließlich die Enthauptung Alice‘ durch die Guillotine. Was natürlich mit I Love The Dead gefeiert wird.

Ebenso natürlich gibt es die triumphale Rückkehr des Meisters mit dem unsterblichen I’m Eighteen. Ein paar Minuten lang sind alle eben erst volljährig geworden.
Irgendwie geht dann alles recht schnell. Schon verabschieden sich Alice Cooper und Band um zur Zugabe mit – was sonst? - School’s Out zurückzukehren. Da geht es nochmal richtig ab: Ballons (gerne vom Meister selbst aufgespießt), Luftschlangen, Konfetti, Rauchsäulen, und drei Gitarren, die so richtig Gas geben. Alice, zum soundsovielten Male umgezogen, jetzt mit weißem Zylinder und Frack und weißem Stab (auch der landet im Publikum) dirigiert die vermeintlichen Schulabgänger und führt die Show zum Höhepunkt, in den man auch noch Auszüge aus PINK FLOYDs Another Brick In The Wall effektiv integriert.
Klar, bei nicht Mal zwei Stunden könnte man die Spielzeit kritisieren, aber besser so und ohne Leerlauf (das kurze Drums/Bass-Solo lassen wir mal durchgehen), als langatmiges über die Zeit retten.
Wer jetzt meint, Alice Cooper hierzulande das letzte Mal gesehen zu haben, der irrt, denn im Foyer künden bereits Plakate seine Rückkehr im kommenden Jahr als Teil HOLLYWOOD VAMPIRES an. Aber das wird eine andere Geschichte. Für heute ist Schule und Show aus und wir gehen befriedigt nach Haus.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 21.11.2017