Fotos: Kay Markschies
The Sorrow, The Mercury Arc, Silent Decay,
Lübeck, Treibsand, 16.10.2009

Lübeck ist immer eine Reise wert. Nicht nur die Altstadt der Hansestadt, die zum UNESCO-Welterbe gehört, ist weit über Schleswig-Holstein hinaus bekannt. Seit knapp 30 Jahren bietet die Lübecker Wallhalbinsel mit der Alternative und dem dazugehörigen Konzertsaal "Treibsand" nicht nur alternative Wohnideen sondern auch die entsprechende Musik.

Da, wo sonst in der Hauptsache Punk oder Ska gespielt wird, wurden an diesem Abend die schweren Gitarren ausgepackt. Denn mit dem Hellfest-Package THE SORROW, THE MERCURY ARC und SILENT DECAY standen gleich drei Bands des Metalcore-Genres auf der Bühne.
Das Treibsand ist zwar eher ein kleiner Laden, jedoch hätte man am einem Wochenende und einem extrem günstigen Abendkassenpreis von 12 EUR eigentlich erwarten können, dass mehr als nur 150 bis 170 Seelen den Weg zu dem frisch gebackenen AMADEUS- Gewinnern finden würden.
Ich kann es mir eigentlich nur mit der an diesem Abend schon fast sturmflutartigen Wetterlage erklären.
Aber egal, ihr werdet am Schluss noch lesen können, dass die Stimmung in Lübeck trotzdem prächtig wurde.

Den Auftakt im Norden machte eine Band aus dem Süden, nämlich SILENT DECAY aus München. Der bajuwarische Fünfer, der bereits auf eine sechzehnjährige Bandgeschichte, ein knappes halbes Demos und drei Longplayer zurückblicken kann, machte seiner Rolle als Einheizer alle Ehre.



Zwar waren zu diesem frühen Zeitpunkt erst 60 bis 70 Metalfans im Treibsand zugegen, doch davon ließen sich SILENT DECAY nicht beirren. Mit den üblichen Aufforderungen zum Headbangen, zur Wall of Death und zum Circle Pit erreichte man, dass sich bald ein größerer Teil des Publikums am Bühnenrand niederließ und kräftig mitmachte.
Am Ende des knapp halbstündigen Sets begann die Luft jedenfalls schon einen leicht schweißigen Geruch anzunehmen, was nicht nur an den klatschnassen SILENT DECAY lag. Auch im Publikum wäre bei einigen wenigen Fans bereits ein Handtuch vonnöten gewesen.

Kommen wir zu THE MERCURY ARC, die noch bis zum Anfang des Jahres BUTTERFLY COMA waren und die Streitigkeiten mit dem ehemaligen Gitarristen dazu zwangen, eine Namensänderung vorzunehmen.
Ich nehme es vorweg, für THE MERCURY ARC war es irgendwie ein gebrauchter Tag.


Das fing schon in der Umbaupause an, als Haustechniker und Band Schwierigkeiten hatten, die Gesangmikros in Gang zu bringen. Außerdem bringt die Band eine Menge Technik mit auf die Bühne. Neben den Bassdrum-Triggers und den Keyboards waren auch die Turntables von Thomas Helten zu verkabeln. Wenn dann noch für einen guten Monitorsound für alle sechs Bandmitglieder gesorgt werden muss.... schwierig!

Machen wir es kurz, es kam zu leichten Verzögerungen im Ablauf und leider hatte dies wohl auch ein bisschen Einfluss auf den Sound. Denn den brillanten Sound ihrer neuen Scheibe "Paint The Sun Black" konnten THE MERCURY ARC zu keiner Zeit erreichen.
Außerdem hatte der Gig auch eine leicht komische Note, als Shouter Dennis die Menge fragte, ob man die "Wall of Death" kenne. Na klar, gerade bei SILENT DECAY ausgiebig celebriert!
Da auch Dennis' Ansagen meiner Meinung nach ein bisschen viel South Central- Slang hatten, der die Leute eher verprellte als cool wirkte, muss dieser Auftritt tatsächlich als ein bisschen unglücklich angesehen werden.
Eigentlich schade, denn die Soundschnipsel aus "Paint The Sun Black" scheinen ein echtes Hammeralbum zu versprechen. Werbung für die Scheibe war dieser Gig aber leider nicht.

Kommen wir zum Headliner und da muss ich verraten, dass ich schon ein bisschen Vorfreude verspürt habe, denn die Band gehört seit der Veröffentlichung ihres Debuts zu meinen heimlichen Lieblingsbands. Bisher hat sich aber nie die Möglichkeit ergeben, die Band mal live in Hamburg oder Umgebung zu sehen.
Mit den Anfängen des neuen Albums "Origin Of The Storm" begann dieser Gig, dem Intro Apnoia folgte Where Is The Sun?.


Schon in ersten Minuten war klar, wegen welcher Band die Leute in erster Linie gekommen waren. Der Pit vor der Bühne füllte sich schlagartig und auch ich hätte mich gerne unters Volk gemischt, wenn ich nicht Fotos hätte machen müssen.
In der Folge boten die vier Österreicher einen gelungenen Mix aus beiden Platten und mussten die Menge dabei nicht großartig auffordern, sich zu bewegen, denn das tat sie von ganz alleine.

Ein bisschen geschockt war ich deshalb, als die Band bereits nach etwas mehr als einer Stunde bereits die Bühne verließ und nur noch einmal für Knights Of Doom und Death From A Lovers Hand zurückkehrte.

Diese Zugaben hatten es allerdings in sich. Spiegelbild der guten Stimmung im Publikum war die Tatsache, dass das Publikum die Bühne enterte und Gitarrist und Sänger Mätze bei Death From A Lovers Hand sogar gezwungen war, ins Publikum auszuweichen.
So musste der Song über weite Strecken ohne Leadvocals bleiben.
Enttäuscht hat das jedoch keinen, im Gegenteil. Die norddeutschen THE SORROW-Fans begaben sich durchweg glücklich wieder in die Lübecker Sturmflut-Nacht.

Kay Markschies, (Artikelliste), 16.10.2009