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Fotos: Epi Schmidt
The Bottle Rockets
The Bottle Rockets
Heilbronn, Einstein, 13.09.2006

Sollen wir mal von hinten anfangen?
Okay. Wenn Neil Young heutzutage so eine Fassung von Cortez The Killer seinen Anhängern präsentierte, würden die vor Glück im Dreieck springen!
Das war natürlich noch nicht ganz der Schluss und vorher gab's ja auch noch reichlich. Aber allein dieser Titel lohnt schon fast die Anreise.
Zu vermuten wäre das angesichts des Umfeldes nicht unbedingt, denn folgt man dem Weg entlang von Schrebergärten und Bahnschienen, erwartet man eigentlich kaum noch einen Rock'n'Roll Schuppen. Aber genau da liegt das 'Einstein', welches Blue Rose Boss Edgar in schulferienbedingter Ermangelung des üblichen Bürgerhaus Böckingen aufgetan hat und das, wie er selbst sagt, kaum ein Heilbronner kennt.
Aber hierher verschlägt es uns eben und weil das Wetter so schön ist, wurde kurzerhand die Bühne im Biergarten errichtet, stimmungsvoll unter ein paar Bäumen.

The Bottle Rockets Es dürfte ca. 21 Uhr sein, als die vier Amerikaner die Bühne betreten. Sänger Brian Henneman diesmal mit Kappe statt dem obligatorischen Hut und eine neue Gitarre hat er offensichtlich auch. Außerdem hat wohl seit dem letzten Jahr noch eher ab- denn zugenommen, was ihn etwas älter aussehen lässt, als er eigentlich ist.
Egal, sobald die Musik startet, ist nix von Alter zu merken und die - ich schätze mal an die hundert - Besucher versammeln sich auch schnell vor der Bühne. Den Respektsabstand bewältigen sie nach Aufforderung durch den Frontmann auch noch bald.
Anderweitig haben die BOTTLE ROCKETS schon Konzerte mit Bob Dylans Trust Yourself beendet und hier vor dem 'Einstein' beginnen sie ihren Auftritt damit.
Ganz offensichtlich ist die Band noch besser eingespielt und mit dem Album "Zoysia" haben sie das ja schon im Studio bewiesen. Von jener neuen CD folgen auch gleich drei Songs. Mit Mountain To Climb haben sie wieder einen echten B.R.-Klassiker geschaffen, der rockt und rollt und herrlich von Countrylicks durchsetzt ist. Bester Stoff für Fans von Dan Baird oder den YAYHOOS. Middle Man ist etwas langsamer, aber keineswegs weniger anmachend und, etwas funkiger als auf CD, I Quit sorgt für weitere Stimmung.

The Bottle Rockets Und dann: Nancy Sinatra! Einer der besten Songs den die Band je aufgenommen hat. Roh und derb, unnachgiebig schiebend und trotzdem mit dem kleinen Zwinkern im Auge, ist jetzt natürlich voll die Party angesagt.
Mit dem Sound gibt's leider ein paar Probleme und hier muss mal ein Mikrofon ausgetauscht werden, da die Stagebox mit einem Handtuch unterfüttert (hab mich gleich gewundert, warum die Bassboxen auf der Bühne stehen) und überall hört man nicht gleich gut. Um das wahrlich tolle "Zubringer-Gitarrenspiel" von John Horton genießen zu können, muss man schon auf dessen Bühnenseite wechseln.
Das Programm ist jedenfalls klasse: Waiting On A Train, Slo Toms, Kit Kat Clock (allesamt von "24 Hours A Day"), ebenso wie das neue Happy Anniversary erfordern immer lauteren Jubel beim Publikum.
The Bottle Rockets Brian ist nicht gerade redselig, aber erzählt doch hier und da ein bisschen. Beide Gitarristen ergänzen sich prächtig und verweben ihren Country-Rock Stil perfekt ineinander. Henneman dominiert zwar etwas, aber John Horton bringt sich deutlich immer mehr ein.
Bassist Keith Voegele liefert den passenden Groove und eine sehr gut zu Brian passende zweite Stimme. Das macht sich natürlich vor allem in Country-Nummern wie Blind besonders bemerkbar.
Weitere Glanzpunkte setzen Gravity Fails und Love Like A Truck, dem die Jungs flugs ein Neil Young-Ending verpassen. Mit Align Yourself und Suffering Servant werden noch weitere Titel vom neuen Album "Zoysia" gebracht.
Zu einem meiner persönlichen Höhepunkte gehört wiederum Get Down River, das die Band mit unnachahmlicher Dynamik spielt. Einfach und doch so geil.
Brian hat mittlerweile richtig Gefallen an der Location gewonnen und animiert das Publikum zum Mitklatschen um die richtige Festival-Stimmung zu entfachen. Da passt natürlich I'll Be Coming Around bestens dazu. Wir nähern uns bald dem Ende und auf Zuruf von Edgar Heckman wird der letzte Song, Radar Gun, in einen Birthday-Song für Rainer umgewandelt.

The Bottle Rockets Nach so einem Schluss kann es natürlich nicht vorbei sein und die BOTTLE ROCKETS setzen noch ein paar Songs hintendran. Besonderen Spaß macht mir natürlich die Coverversion von Neil Youngs Walk On. Bei ein paar der geforderten Titel gibt Brian vor, nicht mehr spielen zu können, da er die Texte nicht wüsste. An die Songs von Doug Sahm würde er sich stellenweise besser erinnern und so folgt eine raue Version von Mendocino. Das erwähnte Cortez The Killer und die Welfare Music beenden das Konzert. Vermeintlich.
Wenn der Plattenlabelchef anwesendend ist, setzt man halt doch noch einen drauf und jetzt wird's noch mal richtig punkig, bis Gotta Get Up den endgültigen Schlusspunkt setzt und mich erinnert: "Gotta get up, gotta go to work...". Also treten wir die 100km Heimreise an, nicht ohne uns ein Plakat und eine Vinyl-Single am Ausgang kostenlos mitzunehmen. Beides großzügig von Blue Rose Boss Edgar Heckmann den Besuchern angeboten.
Na, das hat sich wieder gelohnt und ich kann nur jedem empfehlen, sich diese Typen zu gönnen!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 16.09.2006