Setlist PORCUPINE TREE
Occam's Razor
The Blind House
Great Expectations
Kneel And Disconnect
Drawing The Line
The Incident
Your Unpleasant Family
The Yellow Windows Of The Evening Train
Time Flies
Degree Zero Of Liberty
Octane Twisted
The Séance
Circle Of Manias
I Drive The Hearse
-- PAUSE --
The Start Of Something Beautiful
Buying New Soul
Anesthetize (Mittelteil)
Lazarus
Way Out Of Here
Normal
Mother And Child Divided
- ZUGABEN --
The Sound Of Muzak
Trains
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Porcupine Tree,
Rose Kemp,
Hamburg, Docks, 25.10.2009 |
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Das letzte PORCUPINE TREE-Konzert, das ich gesehen habe, war ein ganz besonderes.
Es fand vor knapp drei Jahren in der Großen Freiheit 36 statt, die Mannen um Steven Wilson
waren gerade dabei, "Fear Of A Blank Planet" aufzunehmen und spielten das Album,
das noch niemand kannte, damals schon einmal vorab gänzlich durch.
Die Besonderheit dieses Konzertes von damals bestand darin, dass ich die Eindrücke
dieses Konzertes in meinem ersten Bericht für das [DuWeißtSchonWelches]-Online-
Rockmagazin aufschrieb und so schlussendlich zu HOOKED ON MUSIC kam.
Doch genug der Gefühlsduselei, widmen wir uns den aktuellen Geschehnissen.
Obwohl im Vorfeld nicht angekündigt war, dass das Docks an diesem Abend ausverkauft
sei, konnte man schon sehr früh vor Konzertbeginn anhand der langen Menschenschlange
auf dem Hamburger Spielbudenplatz erkennen, dass an diesem Abend wohl nicht mehr jeder
eine Karte an der Abendkasse ergattern würde können.
Und so kam es schließlich auch. Irgendwann machte der Counter dicht bzw. war nur
noch für die Pressevertreter und Gästelistenbesucher ansprechbar.
Bei der immer noch steigenden Popularität von PORCUPINE TREE hätte es mich allerdings
auch gewundert, wenn im Saal noch irgendwo freie Plätze übrig gewesen wären.
Kommen wir zur Supportband. Und da musste ich schon ein bisschen schlucken, als
angekündigt wurde, dass ROSE KEMP das Vorprogramm bestreiten würde.
Wer Anfang des Jahres ihren Mitschnitt im Rockpalast gesehen hat, der wusste,
dass das Publikum da ganz harter Stoff erwartete.
Es fällt nicht wirklich leicht, den Stil von ROSE KEMP zu beschreiben. Mal
bewegt sie sich gekonnt im Genre des Alternative Rocks, mal wird es folkig.
Und dann gibt es immer wieder diese harten und schleppenden Passagen , die
jeder Doom Metalband wirklich gut zu Gesicht stünden.
Ihre Lieder werden dabei durchweg von einer äußerst düsteren Atmosphäre begleitet.
Viele der im Docks ansässigen Zuschauer stauten deshalb erst einmal nicht schlecht,
als Rose, von ihrem Basser und Drummer begleitet, loslegte.
Viele werden vermutlich innerlich die Hoffnung gehabt haben, dass ROSE KEMP sich
für den ersten Song etwas Ausgefallenes ausgedacht und im Anschluss mit den
"richtigen" Songs beginnen würde.
Doch diese Hoffnung, die den Leuten schon fast in ihren Gesichtern abzulesen war,
wurde arg strapaziert.
Nach ca. 20 Minuten wurden einige ungeduldig und quittierten die Musik von Rose
und ihrer Band mit Buh- und "Aufhören!"-Rufen.
Eine Frechheit sondergleichen, wie ich finde. Wenn man persönlich mit dem
musikalischen Stil eines Künstlers nichts anfangen kann, dann ist es zwar erlaubt,
mit der Nase zu rümpfen, aber abfällige Bemerkungen Richtung Bühne zu machen, ist einfach
nur arm, zumal der Vortrag von ROSE KEMP alles andere als schlecht war.
Sollen diese armen Kreaturen sich doch ins Foyer entschwinden und dem Rest nicht
die Lust am Konzert nehmen. Schlimm, habe mich echt geärgert.
Ein Großteil des Publikums wusste das Konzert jedenfalls zu schätzen. Ob ROSE KEMP
jedoch viele neue Fans mit in die Hamburger Nacht genommen hat, ist schwierig zu beantworten.
Dafür ist ihr Musikstil einfach zu weit ab vom Mainstream.
Dennoch muss ich abschließend bilanzieren, dass mich Rose schwer begeistert hat, sie die Rolle
des "Anheizers" jedoch stilbedingt nicht ganz ausfüllen konnte.
Nach der halbstündigen Umbaupause betrat dann PORCUPINE TREE die Bühne.
Wie den meisten bereits vorher bekannt war, bestreiten die Engländer bei dieser Tour die
erste Hälfte des Gigs ausschließlich mit dem Titelstück der aktuellen CD "The Incident",
um dann nach einer 10-minütigen Pause eine bunte Auswahl von Stücken früherer
Alben darzubieten.
Mit "The Incident" haben PORCUPINE TREE wieder allerorten viel Lob einheimsen
können. Auch live war die Präsentation des ersten "The Incident"-Silberlings ohne Fehl und
Tadel.
Dies lag zum einen am glasklaren Sound und zum anderen an den Projektionen, die
den gesamten Song durchzogen und visuell begleiteten.
Die fünf Engländer versuchten dabei, die Übergänge zwischen den einzelnen Songsektionen
möglichst nahtlos zu halten und verzichteten im ersten Konzertabschnitt deshalb fast
vollständig auf Ansagen.
Im Publikum wurde der einstündige Vortrag trotz guter Stimmung auch zunächst ohne
größere Gefühlswallungen wahrgenommen. Man lauschte stattdessen interessiert den
Soundstrukturen und beschränkte sich artig auf das Beklatschen der einzelnen Abschnitte.
Das sollte sich nach der Pause grundlegend ändern. Insbesondere die härteren Songs,
z.B. der zweite Teil aus Anesthetize oder Mother And Child Divided,
sorgten dafür, dass die Hamburger nun richtig mitgingen und die Songs durch Mitklatschen
begleiteten.
Aber auch bei den ruhigeren Momenten wie Normal und Lazarus schwangen
die Hanseaten ihr Tanzbein oder wackelten zumindest mit der Hüfte.
Traditionalisten sind hingegen an diesem Abend eher nicht glücklich geworden. Wie
Gavin Harrison bereits in unserem Interview erwähnte, beschränkt sich die Band
auf diesem Abschnitt der Tour darauf, nur einen Song der Vor-"In Absentia"-Aera zu
spielen.
Während in den U.S.A. und im ersten Abschnitt der Europa-Tour die Leute meistens
in den Genuss von Russia On Ice oder Stars Die kamen, wurde
in Hamburg stattdessen Buying New Soul vom Album "Recordings" vorgetragen.
Nach knapp zwei Stunden verließ die Band dann zum ersten Mal die Bühne, um zum Abschluss
die Menge noch einmal mit den "In Absentia"-Klassikern Sound Of Muzak und
Trains zu verabschieden.
Obwohl man der Band natürlich nach 135 Minuten Gesamtspielzeit nicht vorwerfen kann,
zu wenige Songs gespielt zu haben, wollten die inzwischen frenetischen Hamburger
noch mit minutenlangen Zugaberufen eine Verlängerung des Konzertes erreichen.
Doch Steven Wilson und seine Begleiter ließen sich nicht erweichen. Kurz vor Mitternacht
signalisierte das stärker werdende Hallenlicht den Leuten, endlich nachhause zu gehen.
Seit den "Lightbulb Sun"-Zeiten war dies nun mein fünftes PORCUPINE TREE-Konzert. Und es
war eines der besseren.
Obwohl ich mir natürlich den ein oder anderen älteren Song noch gewünscht hätte, war
es schon spannend zu erleben, wie das britische Quintett "The Incident" live aufführen
würde.
Mit den noch weiter auf die Musik abgestimmten Projektionen ist das Gesamtbild der
Band live noch etwas komplexer und aufregender geworden.
Dazu haben die Techniker von Porcupine Tree an diesem Abend ein tollen Sound
hingezaubert, was in der Vergangenheit auch hier und da mal in die Hose gegangen ist.
Nach meiner dreijährigen PORCUPINE TREE - Live - Abstinenz hat dieses Konzert wieder einmal
Hunger auf weitere Gigs der Band gemacht. Hoffen wir also auf eine Wiederkehr der
Prog-Könige Mitte nächsten Jahres, wenn sie Europa - umrahmt von zahlreichen
Festivals - wiederbeehren werden.
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