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Fotos: Peter Tenzler
Oceansize
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Porcupine Tree
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Berlin, Columbia Club, 18.11.2005

Das hat ja gewissermaßen schon Tradition, dass die Jungs um Steven Wilson von PORCUPINE TREE zweimal im Jahr auf Tour sind und entsprechend auch zweimal im Jahr in Berlin auftauchen. Im Gegensatz zum Auftritt im April zusammen mit ANATHEMA war diesmal kurz zuvor ein Auftritt in Lodz, so dass nicht ganz so viele der zahlreichen polnischen PORCUPINE-TREE-Fans im Columbia Club auftauchten. Reichlich voll war es natürlich trotzdem, was sicherlich auch bei einigen Zuschauern an der (wie ich finde) diesmal noch interessanteren Vorgruppe OCEANSIZE lag. Obwohl diese erst vor kurzem eine eigene Headliner-Tour in etwas kleineren Venues abgeschlossen hatten, freuten sich viele auf den erneuten Besuch dieses grandiosen Fünfers.

Oceansize
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Fünf Leute mit alleine drei Gitarristen darunter - es wurde fast ein wenig beengt auf der Bühne (zumal auch schon Equipment von PORCUPINE TREE abgedeckt bereitstand). Aber bei OCEANSIZE gibt es ja keine sonderlich bewegungsintensive Bühnenshow. Das würde auch gar nicht zu der Musik passen,denn die Jungs tragen ihren Namen wirklich nicht zu Unrecht: Mit meeresgleicher Gewalt türmen sich die immensen Tonkaskaden wie Flutwellen übereinander bis zur erlösenden Eruption. Vielleicht stellenweise etwas verkopft, aber beeindruckend und von gigantischer Kraft durchspült.

Oceansize
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In erster Linie stellten sie die Songs aus ihrem neuesten Album "Everyone Into Position" vor, die auf der Bühne noch epischer und brachialer wirkten. Die Kunst dabei ist, dass OCEANSIZE den Zuhörer dabei trotzdem nicht überrollen sondern mitnehmen, da die komplexen Riffgebilde dennoch versöhnlich eingängig ins Ohr gehen. Gewissermaßen die optimale Balance zwischen Anspruch und Zugänglichkeit. Mit zunehmender Dauer wird es sogar noch etwas spaciger, da sich Bassist Jon Ellis gelegentlich an die Keyboards verzieht. Die Gitarristen Mike Vennart (dessen Gesang manchmal etwas unterging), Steve Durose und Gambler feuerten sich weiterhin Breitseiten um die Ohren und klangen so gar nicht typisch nach Manchester.
Diese Band wird sicherlich noch größer werden, wer weiß, ob sie das nächste Mal nicht selbst als Headliner den Columbia Club füllen werden, obwohl diese Musik dank ihrer Intensität in nicht ganz so großen Clubs gut aufgehoben ist.

Oceansize
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Porcupine Tree Nach kurzer Umbaupause dann PORCUPINE TREE, für die "In Absentia" schon ein Schritt nach vorne in Sachen Popularität war und die sich zuletzt mit "Deadwing" endgültig in den, sagen wir mal UEFA-Cup-Rängen was Progressive Rock Bands anbelangt festgesetzt haben. Wenn man bedenkt, dass sie vor ein paar Jahren noch im Knaack-Club aufgetreten sind.
Gespannt war man auf die Setlist, wurde doch schon im Vorfeld von Steve Wilson lanciert, dass es auch einige ältere Sachen (wieder) zu hören gäbe, was ja auch durchaus Sinn macht, hatte man doch zuletzt das Frühwerk "Up The Downstair" neu eingespielt, abgemischt und aufgelegt und damit den auch die frühen, FLOYD-ähnlicheren Alben liebenden Fans eine Freude gemacht, wie ja ohnehin der Backkatalog der Band immer mal wieder aufpoliert wird. Etwas überraschend ging es dann allerdings mit Open Car los, einem, wie ich finde, eher etwas unspektakulären Song von der "Deadwing"-CD. Das Stückchen ist zwar mit einem hymnischen Refrain versehen, aber ansonsten doch etwas gleichförmig.

Porcupine Tree
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Anschließend gab es dann den Opener von "In Absentia", das druckvolle Blackest Eyes, bevor mit Lazarus das Tempo wieder herausgenommen wurde. Eine sicherlich schöne Ballade, aber irgendwie erwartet man von PORCUPINE TREE ein bisschen mehr als ein kleines Lied zum Feuerzeuge schwenken. Aber in der Folgezeit gab es natürlich ein abwechslungsreiches Programm mit Klassikern (Hatesong) und neuen Stücken (Mother And Child Divided oder das krachende Instrumental Futile), das sämtlich Facetten der Band auslotete.
Porcupine Tree Steven Wilson, dieser zunächst so schüchtern und introvertiert wirkende musikalische Tausendsassa (am Anfang war PORCUPINE TREE ja ein Ein-Mann-Projekt, bevor Keyboarder Richard Barbieri, Bassist Colin Edwin und der damalige Drummer Chris Maitland dazu stießen, um vor allem eine weitere Verbreitung der Musik via Liveauftritte zu ermöglichen), der ja auch als Produzent ungeheuer erfolgreich ist (FISH, OSI, OPETH, MARILLION oder PAATOS), wird auf der Bühne zum Wirbelwind, Entertainer und musikalischen Direktor in einem. Groovebringer Colin Edwin am Bass spielt wie immer seine Coolness aus und Ex-JAPAN Keyboarder Richard Barbieri ist ein Klangzauberer, wie man sie heutzutage an den Keyboards nur noch selten findet. Dazu der reichlich straighte Drummer Gavin Harrison und der immer wichtiger werdende John Wesley an Gitarre und Gesang zur Unterstützung Wilsons - das ist ein ungeheuer homogenes Team, das aber nicht in Routine erstarrt, sondern sich immer noch fortentwickelt, was die Hinwendung zu härteren Klängen ab "In Absentia" zu einer Art New Alternative Progressive Rock unterstreicht.

Porcupine Tree
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Mittel- und Höhepunkt des regulären Sets ist Arriving Somewhere But Not Here vom "Deadwing" Album (das Titelstück wurde diesmal etwas überraschend ausgespart), schon jetzt ein Klassiker des Bandrepertoires. Schön auch, dass mit So Called Friend, nur auf der Lazarus Single veröffentlicht, ein eher seltenes Stück zu gehör kam. Kurzum, es war für alle etwas dabei und durch den verstärkten Einsatz des Beamers wurde mithilfe des Artworks von Lasse Hoile das Ganze auch kongenial visuell unterstützt. Die frenetisch eingeforderte Zugabe bestand dann aus (endlich!) Radioactive Toy und einem weiteren "modernen Klassiker", Trains.
Wieder einmal ein fabelhaftes Konzert einer grandiosen Band, die trotz einer schon lange dauernden, viele Phasen durchlaufenden Karriere, noch längst nicht am Ende der Fahnenstange angelangt zu sein scheint.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 18.01.2006

Bilder: Peter Tenzler, (Artikelliste), 18.11.2005