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Fotos: Peter Tenzler
Porcupine Tree
Porcupine Tree
Porcupine Tree
Berlin, Columbia Club, 13.04.2005

Ziemlich genau ein Jahr nach dem letzten Besuch in Berlin mit seiner Band PORCUPINE TREE (zwischendurch war er ja mit BLACKFIELD hier gewesen) sollte Steve Wilson der Hauptstadt wieder seine Aufwartung machen. Diesmal war wieder der Columbia Club angesagt, eine mittlere Location, die sich in der Folgezeit als zu klein erweisen sollte. Denn im Gegensatz zu den vorherigen Konzerten, hatten PORCUPINE TREE diesmal eine hochkarätige Support Band mit ANATHEMA. Möglicherweise waren einige Leute sogar in erster Linie wegen der Liverpooler Band um die Gebrüder Cavanagh gekommen; wie öfters in Berlin waren auch sehr viele polnische Fans unter den Zuschauern auszumachen.
ANATHEMA haben sich ja in ihrer wechselvollen Geschichte von einer Growl-Metal-Band über Gothicrocker hin zu düsteren Progrockern im Stile der frühen bis mittleren PINK FLOYD entwickelt (und sind damit natürlich PORCUPINE TREE seelenverwandt). Trotz deutlicher Probleme mit der Technik (die Drums fielen stellenweise komplett aus, Gitarre war recht leise und Bass ziemlich undifferenziert), legte man ein vielumjubeltes Set hin, mit Songs wie Closer, One Last Goodbye oder Flying und präsentierte sich dabei sowohl von der akustischen Seite, mit hoher Intensität, als auch als formidable Rocker.
Sowohl die Band als auch das Publikum hatten spürbar ihren Spass, eine sehr gelungene Einstimmung für den weiteren Abend.

Porcupine Tree Als dann PORCUPINE TREE auf der Bühne standen, waren auch alle Soundprobleme überwunden: Man legte mit dem Opener Deadwing, vom gleichnamigen aktuellen Album, sofort mächtig los, der von Colin Edwin druckvoll unterlegte Sound kam wirklich sehr ordentlich aus den Boxen. Wie immer live verstärkt durch John Wesley als zusätzlichen Gitarristen und Sänger, boten die Briten ein überraschend vielseitiges Programm, nachdem vorher kolportiert worden war, Wilson wolle nur neue Sachen spielen.
Als zweites folgte The Sound Of Muzak vom "In Absentia"-Album, von "Deadwing" gab es dann noch die meines Erachtens nach etwas farblose Single Lazarus, das deutlich spannendere Halo, das sich mit dem überzogenen Sendungsbewusstsein und der Abgehobenheit mancher Christen auseinandersetzt und vor allem das mit Abstand als Höhepunkt von "Deadwing" zu bezeichnende Arriving Somewhere But Not Here. Aber es gab eben auch A Smart Kid, natürlich den Hatesong und, die große Überraschung: Es gab umfangreich Material aus "Up The Downstairs", der zweiten Veröffentlichung von Porcupine Tree aus dem Jahre 1993.

Porcupine Tree Dies aber natürlich nicht ganz ohne Hintergedanken, wirft man "Up The Downstairs" doch gerade (Veröffentlichungstermin soll der 23.05. sein) in einer remasterten Fassung wieder neu unters Volk, damit die damaligen PORCUPINE TREE-Stücke, die noch deutlich psychedelischer gefärbt waren, endlich in zeitgemäßem Sound erklingen. Jedenfalls gab es Fadeaway und Burning Skies und der ohnehin proppenvolle Columbia Club wurde endgültig zur Sauna.
Egal, die Band war richtig in Spiellaune, Wilson wirkte entspannt, Wesley taute richtig auf und Colin Edwin war wie immer Mr. Megacool, während Gavin Harrison tüchtig einheizte. Ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack, sein ziemlich vordergründiges Spiel, Chris Maitland war vielleicht um einiges subtiler, aber zu den neueren, etwas direkteren Songs und insbesondere live passt das schon. Dazu noch Soundkünstler Barbieri und eine ansprechende Lightshow samt Videobeamer mit düster-geheimnisvollem Material... Ohren und Augen bekamen wirklich überreich Futter.
Von "In Absentia" gab es dann noch den Smasher Blackest Eyes, bevor nach etwa 90 Minuten, die Publikum und Band gleichermaßen begeistert hatten, erstmal Schicht im Schacht war. Aber natürlich nur kurz, die frenetisch geforderte Zugabe folgte mit Even Less und zum guten Abschluß dem "neuen Klassiker" der Band, Trains, auf dem Fuße.

Porcupine Tree Fazit: Ein wirklich überragendes Konzert einer Band, die nach mehr als 13 Jahren Bestehens (wobei die Frühwerke oftmals Wilson-Solotrips waren) noch mal so richtig Gas gibt und zeigt, dass sie in der Lage ist sich weiterzuentwickeln. Die Songs sind, spätestens seit "In Absentia", kompakter, zugänglicher, härter geworden, ohne auch nur im Entferntesten auf Kommerz ausgerichtet zu sein.
Da man die alten Fans mitnimmt (zum einen durch die ständigen Remixes der alten Scheiben, ein sicherlich nicht uncleverer Zug, zumal die alten Sachen auch schwer erhältlich sind, zum andern durch Songs wie Arriving Somewhere But Not Here, ein ausladender ProgRockFels mit zahlreichen Wendungen und damit den "alten" PORCUPINE TREE nahe kommend), wird eine mittlere Location in absehbarer Zeit nicht mehr ausreichen - der Columbia Club war, wie ausgeführt, schon diesmal zu klein und in kürzester Zeit klimatisch ziemlich unerträglich.

Porcupine Tree Noch ein Wort zu den Bildern: Leider war bei PORCUPINE TREE nur während der ersten drei Stücke das Fotografieren erlaubt. Eine Auflage, die man ja öfters erlebt (zum Teil in noch krasserer Form, siehe den Bericht unseres Kollegen Martin zu NIGHTWISH), die sich mir aber nicht erschließen will: Sind den Konzertbilder wirklich ein so lukratives Geschäft? Und macht man diese "Ware" durch die Limitierungen nicht noch begehrenswerter? Zumeist sind es doch Fans der Musiker, die sich eben eine bleibende Erinnerung verschaffen wollen oder Fotografen, die über das Konzert berichten. Beide sorgen dafür, dass diese Musiker weiterhin Musik machen können, indem sie entweder Geld in deren Musik investieren oder mit ihren Berichten andere auf die Musik aufmerksam machen. Also warum die Hand beißen, die dich füttert?

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 29.04.2005