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Fotos: Ralf Stierlen
Berlin, Columbia Fritz, 11.04.2003

Porcupine Tree Tja, ganz schön was los beim Flughafen Tempelhof: Während im etwas kleineren Columbia Fritz der Stachelschweinbaum mal wieder seine Aufwartung gibt und dank der doch recht erfolgreichen "In Absentia" auch deutlich mehr Zuschauer anlockt, sind die schwarzen bis bunten Massen auf dem Weg zur benachbarten Columbiahalle und SUBWAY TO SALLY.

Warum nur muß ich immer pünktlich bei den Konzerten sein? Ok, wäre ich später gekommen, hätte ich deutlich weniger gesehen, aber dafür wäre mir ein gewisser Jeff Tarlton erspart geblieben, der das Vorprogramm "gestaltet". Der Typ sieht so aus, als hätte er mehr als ein Dutzend schlechter Joints geraucht, nuschelt etwas davon, daß er eigentlich aus Detroit stammt und jetzt im Prenzlauer Berg wohnt und qäult dann seine Gitarre, die Stimmbänder und das Publikum. Wäre in etwa so, wie wenn der in der Cottbuser Fußgängerzone sitzende Russlanddeutsche (bewaffnet mit Akkordeon) als Support von den demnächst in der Stadthalle gastierenden Status Quo aufspielen würde.
Nach immer stärker werdenden "Aufhören"-Rufen hat die gegen die Genfer Menschenrechtskonvention verstoßende Darbietung nach ca. 20 (viel zu langen) Minuten ihr Ende.

Als es dann endlich mit Porcupine Tree losgeht, ist das Ganze zum Glück schnell vergessen.
Nachdem Steve Wilson sich noch vergewissert hat, daß ihnen nicht allzuviele Fans auf der Tour nachreisen und sie dementsprechend wieder "some old shit" spielen können, legt die Band gleich mit drei "In Absentia"-Stücken los: Blackest eyes, The sound of Muzak und Gravity eyelids, das live noch einige Zacken härter kommt, pushen das Publikum sofort auf Betriebstemperatur.
Porcupine Tree Danach kommen auch die langjährigen und treuen PT-Fans auf ihre Kosten: Mit Even less, Slave called shiver, Last chance to evacuate planet earth before it is recycled und dem genialen Russia on ice unterstreichen PT ihren Ruf als phänomenale Liveband und lassen durchaus erkennen, weshalb sie früher in die Nähe von Pink Floyd gerückt wurden. Allerdings würden die, na sagen wir mal, älteren Herren von Pink Floyd einiges dafür geben, wenn sie noch so eine Performance auf die Matte legen könnten.
Und dazu ist Colin Edwin um einiges pflegeleichter als Roger Waters: Er grinst sich während des gesamten Konzerts einen ab, während er den Bass bedient. Steve Wilson geht optisch als Spät-Hippie durch, verfügt aber über ein natürliches Charisma, das deutlich macht, dass hier jemand seine Musik nicht nur interpretiert, sondern richtig lebt.

Von der "In Ábsentia" folgen dann noch Wedding nails, Heartattack in a layby und The creator has a mastertape, außerdem noch die älteren Stücke Waiting Pt. 1, und Hatesong.
Mich überzeugen live die älteren Stücke mehr als die ganz neuen Sachen, da dort mehr herumexpermentiert wird, während die neuen Sachen bis auf Wedding nails und Gravity eyelids fast deckungsgleich zur Studioversion sind. Das wird sich aber sicherlich mit der Zeit und dem weiteren Touren legen, insbesondere Sound of Muzak und Gravity eyelids, sowie das als letzte Zugabe folgende Trains sind als potentielle zukünftige PT-Klassiker live noch ausbaufähig.

Nach über 105 Minuten Netto-Spielzeit sind die Band, deren letzter Deutschland-Auftritt dies war, und das Publikum vollkommen glücklich und bedient und verabreden sich bereits jetzt zum nächsten Mal.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 25.04.2003