Fotos: Klaus Lachenmaier
Miller Anderson,
Stuttgart, Laboratorium, 18.02.2010

Na so etwas. Mitten in der Woche, eine Stunde vor Konzertbeginn und das Stuttgarter Laboratorium (zugegeben natürlich keine Riesen-Location sondern ein gemütlicher kleinerer Laden mit 68er-Charme) ist schon mehr als gut gefüllt und das Wort "Ausverkauft" macht schnell die Runde. Also nichts wie rein und Plätze sichern, so lange es noch welche gibt. Ok, direkt neben in der Bühne mit dem Rücken vom Keyboarder direkt vor der Nase, aber was Besseres gibt es schon nicht mehr. Immerhin, wann bekommt der durchschnittliche Stuttgarter schon noch einmal einen Musiker zu sehen, der bei Woodstock auf der Bühne stand? Dazu hat MILLER ANDERSON ja im Laufe seiner über 40 Jahre andauernden Karriere in zahlreichen Bands gespielt, die nicht nur Rock- und Blues-Nostalgikern feuchte Augen vor Freude bereiten: KEEF HARTLEY BAND (mit der eben auch in Woodstock), SAVOY BROWN, SPENCER DAVIS GROUP, MOUNTAIN, T. REX. Darüber hinaus arbeitete er mit CHRIS FARLOWE, PETE YORK, IAN HUNTER, JON LORD oder ROGER CHAPMAN zusammen. Es gibt wahrlich langweiligere Biographien.

Für seine aktuelle Tour hat er neben dem alten Hasen Kris Gray am Bass(u.a. ex-EDGAR BROUGHTON BAND) zwei junge Musiker aus Fulda mit dabei, die nicht nur den Altersdurchschnitt drücken sondern sich auch als fabelhafte Sidemen entpuppen sollten, die dafür sorgten, dass der Abend nicht gar zu nostalgisch-betulich wird. Zum einen Frank Tischer am Keyboard (und bei der RAY-CHARLES-Nummer Let's Have A Ball auch am Gesang) und dazu Tommy Fischer (sonst auch ab und zu mit GUILDO HORN unterwegs) am Schlagzeug. Mit High Tide And High Water aus dem Album "Bluesheart" ging es gleich einmal mit recht knackigem Blues-Rock los. Und in der Folgezeit bot der Schotte einen breiten Querschnitt durch seine bunte musikalische Vita, wobei recht viele KEEF HARTLEY-Songs dabei waren, insbesondere vom ersten Album "Halfbreed", wie zum Beispiel der Gänsehaut erzeugende Slow Blues Just To Cry.


Überhaupt war die Setlist schön ausgewogen zwischen langsam und dann wieder zupackender. Und ANDERSON hatte sein Publikum prima im Griff, mit kleinen Späßchen und launigen, brit-humorigen Ansagen. Als Sänger ist er ohnehin noch voll im Saft und auf der Gitarre beweist er neben klassische britischer Blues-Schule auch immer mal wieder ein Faible für JIMI HENDRIX (Leavin' Trunk). Natürlich darf auch Boogie Brothers, der Vorzeigesong von SAVOY BROWN, als ANDERSON mit Kim Simmonds und Stan Webb ein Gitarren-Trio der Extraklasse bildete, nicht fehlen. Zwischendurch kam dann auch einmal eine Art Singer-/Songwriter-Atmosphäre auf, als ANDERSON solo den WILLIE NELSON-Klassiker Across The Borderline (auch auf ANDERSONs 1998er Album "Celtic Moon" enthalten) zum Besten gibt. Bevor es dann zu besinnlich wird, wirft man mit Little Man Dancing vom Album "Bluesheart" ein bisschen funkigen Stoff in den Ring. Besonders der großartige Frank Tischer kann hier tüchtig Gas geben und Kris Gray, nach ANDERSONs Aussage nur wegen dieser Qualitäten mit in der Band, gibt den Tanzbären.


Nach der Pause wird es dann wieder klassisch bluesig mit ROBERT JOHNSONs Ramblin' On My Mind. Anschließend bekommen auch die Jungspunde in der Band ihre Spielwiese: frank Tischer im schon erwähnten Let's Have A Ball und Tommy Fischer mit einem Schlagzeugsolo samt Jonglage-Einlage mit den Drumsticks. Die Band präsentierte sich gut eingespielt, insbesondere ANDERSON und Tischer warfen sich die Bälle zu und es herrschte einfach eine entspannt gute Stimmung, die den ganzen Abend andauerte. Jedenfalls schlug die Abgeklärtheit ANDERSONs nie in Routine um, er wirkte spielfreudig und mit sich im Reinen. Dazu tat, wie erwähnt, die Integrierung der beiden jungen Musiker aus Fulda ("Tischer und Fischer - nicht verwandt", so ANDERSON) dem Bandgefüge und der Balance zwischen Souveränität und Euphorie spürbar gut. Zum Abschluss des zweiten Sets gab es dann, immer wieder gerne von ANDERSON genommen, den ANIMALS-Welthit (zumindest ist die erfolgreichste Version des Songs von dieser Band) The House Of The Rising Sun.

Natürlich war eine Zugabe fällig (am Ende wurden es zwei), vom durchaus nicht mehr ganz jungen Publikum (logisch, bei dieser Musik, die in den Sechzigern und Siebzigern fusst) lautstark gefordert. Die Hommage an seine schottische Heimatstadt Houston, auch entsprechend lautmalerisch dargeboten, ist nochmals eine richtig schöne Abgeh-Nummer mit Rock N' Roll-Feeling, bevor dann mit Eye On The Prize

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 18.02.2010