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Setlist
JUDAS PRIEST

The Hellion
Electric Eye
Metal Gods
Riding On The Wind
The Ripper
A Touch of Evil
Judas Rising
Revolution
Hot Rockin'
Breaking The Law
I'm A Rocker
Diamonds & Rust (acoustic)
Deal With The Devil
Beyond The Realms Of Death
Turbo Lover
Hellrider
Victim Of Changes
Green Manalishi
Painkiller
Zugabe:
Hell Bent For Leather
Living After Midnight
You've Got Another Thing Comin'
Judas Priest,
Essen, Gruga Halle, 10.03.2005

Logo Judas Priest

Tja Kinners, watt soll ich getz dafür sagen? ... würde ich jetzt fragen, wenn ich wie ich aus dem Ruhrpott käme.
Fakt ist, die Meinungen über den Gig sind geteilt bis gegensätzlich. Von himmelhoch jauchzend ("Der Rob kann es noch, als wenn er gerade geboren wäre") bis zu Tränen betrübt ("Was für ne Scheisse, absolut unterirdisch") sind alle Meinungen vertreten.

Judas Priest - Rob Halford "Gute Band, falscher Sänger", hört man auch häufig. Dass Ripper der bessere Sänger war/ist, wird von vielen, auch den früheren Skeptikern nicht mehr bestritten, aber ihm fehlte halt das Charisma, die Bühnenpräsenz eines Rob Halford.
Doch wer die erste halbe Stunde dieses Gigs Revue passieren lässt, wird auch da widersprechen. Ich war schlicht entsetzt. Halford schleppte sich wie ein alter Greis über die Bühne oder lies sich von diversen Lifts auf Podeste heben, tief vornüber gebeugt, eine Hand immer zur Sicherheit am Geländer oder sonst wo Halt suchend. Als er einmal ein paar Treppen herunter stieg, konnte er einem fast leid tun, vorsichtig einen Fuss vor, dann langsam den anderen hinterher, die Hand stützend im Rücken. Was war da los, Bandscheibenvorfall, Leistenbruch oder was?
Von der Stimme ganz zu schweigen. Da wo früher aus vollen Lungen mit Resonanz und Volumen in den höchsten Tönen "gesungen" wurde, jetzt nur noch atemloses, kehliges Gekrächze und Geschreie.

Oder war etwa alles nur Show, á la "Alter Quark früher" gegen "frisches Blut heute"?
Oder musste er sich gar vielleicht erst warm singen und bewegen, denn mit der Zeit wurde es (etwas) besser.

Judas Priest - Glen Tipton Doch reden wir nicht nur über Halford, denn ein PRIEST Konzert beinhaltet ja auch noch ein paar mehr Details, obwohl der Fokus natürlich auf ihm liegt.
Bühnenbild, Performance, Setlist etc. waren in etwa vergleichbar mit den Shows vom letzten Jahr, einziger Unterschied: die neuen Tracks und Backdrops vom nigelnagelneuen Album "Angel Of Retribution".
Um dieses zu promoten, waren die Priester gekommen und immerhin drei- bis viertausend Jünger wollten das sehen. Gegen 21:25 Uhr verlöschte das Hallenlicht und als Intro vom Band erklang das vertraute The Hellion, gefolgt wie immer von Electric Eye passend zum Backdrop. Der Sound recht brachial mit einer wummernden Bassdrum, die bis in die letzten Reihen gut spürbar war und die Klamotten zum Schwingen brachte. Das Gitarrentrio gewohnt simultan mit Ausfallschritt und ein Tier an der Schiessbude.
Zum Gesang habe ich mich oben ja schon genügend geäussert. Track 4 brachte die Defizite schonungslos ans Licht bzw. zu Gehör. Riding On The Wind ist an sich ja ein typisches Beispiel: Power Metal mit eingängigem Gesang und Ohrwurm Charakter, war aber leider kaum wieder zu erkennen. Das anfänglich gut gelaunte Publikum kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein paar Unentwegte feierten ihre Helden von einst zwar wie vor Jahr und Tag, aber das Gros wurde merklich ruhiger. Zwischen den Stücken war es zum Teil totenstill. Dazu kam noch, dass wohl auch K.K. Downing einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte, die sonst messerscharf und exakt gespielten Soli oder Twinsoli klangen häufig krumm und schief. Oder lags an der übersteuernden PA, an schlechter Akkustik?

Judas Priest Mit Judas Rising und Revolution wurden ab Track 7 zwei von insgesamt vier der neuen Stücke gebracht und die schienen von der Struktur her besser auf Rob's aktuelle Stimmlage angepasst zu sein und ihm somit besser zu Gesicht zu stehen. Nicht nur das, sie schienen ihn tatsächlich zu erfrischen, also doch "Judas is rising"?
Als Backdrop kam nun auch das neue Cover zum Zuge. "Revolutions"-Fahnen wurden in den Wind gehängt und Halford schien sich endgültig von dem "Nosferatu"-Image des ersten Viertels befreien zu können, aber letztendlich dann doch nicht wirklich.

Judas Priest - Rob Halford Nach respektablen 2 Stunden Spielzeit und 22 Tracks war dann gegen 23:20 Uhr Feierabend, inkl. Zugabe mit Harley und Hell bent... und dem übliche Pipapo. Halford fühlte sich noch zu einigen merkwürdigen Sangeseinlagen gemüssigt, für die er früher wohl vor Scham im Boden versunken wäre. Das Publikum zog sich anschliessend zur Beratung an die Tränken zurück und wie schon gesagt wurde heiss diskutiert. Für die einen war es "Judas Rising", für andere dagegen "Judas Last Stand". Eine Fortsetzung in naher Zukunft müssen die meisten sicherlich nicht gleich wieder haben, das Gesehene und Gehörte muss man erst mal sacken lassen.

Ralf Frank, (Artikelliste), 12.03.2005