Fotos:Epi Schmidt
Ticket 2006
Jimmy Barnes
Jimmy Barnes
Setlist
Aschaffenburg, Colos-Saal, 17.08.2006

Anscheinend sorgt Jimmy Barnes immer dafür, dass sich seine raren Besuche in Europa möglichst zu unserer wärmsten Jahreszeit abspielen. Kann man dem Mann von Down Under auch nicht verdenken. Soweit ich mich erinnere, fand sein Gastspiel vor ein paar Jahren im Nürnberger Hirsch auch im August statt und entsprechend tropfnass kam ich aus dem Club am Ende heraus.
Diesmal hat er ja unsere Höchsttemperaturen etwas verpasst, aber es bestand wohl bei kaum einem ein Zweifel, dass auch an diesem Abend im Aschaffenburger Colos-Saal die Temperaturen schnell nach oben schießen werden.
Pünktlich um 21 Uhr wird's immer dunkler im Saal und Rip This Joint von den ROLLING STONES dröhnt aus der P.A., um das kommende passend anzukündigen.

Jimmy Barnes Mittlerweile hat sich der Club auch gut gefüllt und schon schlendert die Band unter lautstarkem Beifall auf die Bühne. Jimmy reist mit kleiner Besetzung: Gitarre, Bass, Schlagzeug. Der Gitarrist Davey Lane schlägt in die Saiten und der erste Akkord von No Second Prize ertönt. Allerdings lässt er die Rhythmusabteilung dann erst mal alleine, denn schon verstummt seine Gitarre wieder. Kaum irritiert spielt die Band einfach weiter und kurz darauf ist auch der Gitarrensound wieder da. Der kommt wunderbar angezerrt in bester STONES-Manier. Davey Lane, der sonst in der australischen Band YOU AM I spielt, sieht dazu noch aus wie Keith Richards Anfang der 70er.
Love And Hate war ja in Europa sogar mal ein kleiner Hit und folgt unmittelbar danach. Was soll ich sagen, Jimmy Barnes ist einfach ein absoluter Power-Mann und wenn er auch etwas in die Jahre gekommen ist, so hat er immer noch eine Stimme, die geeignet ist Wände einzureißen. Und sie wird mit jedem Lied besser. Wie er selber verkündet, spielen sie seit ein paar Tagen ohne Pause, aber er brüllt sich recht bald in Form.
Aus all seinen Karrierephasen will er etwas präsentieren, aber anscheinend hat er und die Band heute auch viel Lust auf Coverversionen. Mit dem Resurrection Shuffle geht es auch gleich weiter. Ja das bringt die Stimmung weiter voran und beim folgenden Ride The Night Away scheint mir schon der ganze Saal beim Refrain mitzusingen.

Jimmy Barnes Die Temperaturen steigen, ja, ja... und Jimmy gibt keine Gnade: "The Rising Sun just stole my girl away" kreischt er uns entgegen. Diesen alten COLD CHISEL-Hit hat er als Rockabilly angekündigt. High Energy Rock'n'Roll wäre wohl passender gewesen.
Für den gehörigen Dampf sitzt hinter dem Schlagzeug Jimmys Sohn Jackie. Tja, mit der Zeit und dem Alter kann man seine Nachkommen in seine Bands integrieren, wie das ja z.B. Ronnie Wood auch schon seit geraumer Zeit macht. Zusammen mit Davey Lane und Bassist Peter Lawler am Bass liefert Jackie zudem einen ganz hervorragenden Background-Gesang. Hut ab.
Natürlich sind bei aller Power auch ein paar Balladen dabei, wie Still On Your Side, aber bei Jimmy kommt so ein Song nie richtig ruhig. Unmöglich bei diesem Gesangsorgan.
Nach dem heftig rockenden, fast schon metal-mäßigen Lay Down Your Guns überrascht die Band mit der alten YARDBIRDS-Nummer Shapes Of Things, das auch recht gut ankommt und bei "come tomorrow" ist wieder reichlich Mitgesang im Publikum da.
Used To The Truth powert hinterher, bald darauf rockt You Got Nothing I Want, dass die Wände wackeln müssen.
Jimmy Barnes Jimmys schwarzes Hemd ist bald durchgeschwitzt, aber bei einem Großteil des Publikums sieht es nicht viel besser aus und Chuck Berrys Sweet Little Rock'n'Roller sorgt nicht unbedingt für Abhilfe. Da ist Gitarrist Davey Lane natürlich in seinem besten Element und neben Rock'n'Roll-Riffs und -Licks macht er die 'Windmühle' wie weiland Pete Townshend oder hoppelt im Duckwalk über die Bühne wie Chuck himself.
Flame Tree begeistert vor allem ein paar junge hübsche Mädels, während mir bei Johnny Cashs Big River die Kinnlade runterklappt. Ebenso überraschend wie erfreulich!
Ein kleines Keyboard neben dem Schlagzeug liefert Jackie Barnes die Möglichkeit für das Intro zu Khe Sanh, in das die Band bald wie gewohnt einsteigt, allerdings wohl in dieser Besetzung etwas rauer als sonst. Macht nix, kommt gut und die Euphorie bei den Besuchern wird gerade noch so vom an- und abschließenden Working Class Man übertroffen.

Jimmy Barnes In der Zugabe teilt sich Jimmy den Gesang für When The War Is Over mit seinem Bassisten, der aber natürlich, trotz guter Leistung, da auf schlechtem Posten steht. Bevor die Band erneut die Bühne verlässt lockert Davey Lane während des Schlusses seine Gitarrensaiten, um sie dann allesamt mit der bloßen Hand herunterzureißen.
Er hat ja noch ein paar weitere auf der Bühne stehen und eine Les Paul kommt ihm für den EASYBEATS-Hit Good Time gerade recht. Und weil das Publikum immer noch mehr will, fetzen die vier auf der Bühne gleich noch durch eine Highspeed-Version von Goodbye Astrid.
Unsere Ohren und Schädel werden noch eine Weile nachvibrieren, aber weit länger wird die Erinnerung an dieses Konzert währen und die erneute Erkenntnis, dass Jimmy Barnes auch mit 50 Jahren noch eine der beeindruckendsten Bühnen-Säue ist, die man sich vorstellen kann.
Leider waren es, zusammen mit Köln, nur zwei Termine in Deutschland und Zahllose werden (und sollten!) sich ärgern es verpasst zu haben. Ich hoffe auf eine baldige Rückkehr des Australiers. Angeblich verfolgt er demnächst ja wieder sein LIVING LOUD Projekt. Von mir aus darf er auch gerne mit denen kommen.
Ich werde da sein!

Jimmy Barnes

Epi Schmidt, (Artikelliste), 19.08.2006