Fotos: Jörg Litges
Rock Hard Festival
Gelsenkirchen, Amphitheater, 29.05.2009 - 31.05.2009

Schon wieder ein Jahr um?
Tatsächlich. Pfingsten 2009 und das Rock Hard steht auf dem Zettel. Diesmal mit einem mir sehr angenehmen Billing, spielen doch viele Hard Rock/Metal/Trash Bands.

Also: Foto-Sachen eingepackt, die Sonnencreme vergessen, und auf in den staubigen Hexenkessel der sich Amphitheater Gelsenkirchen nennt. Tag 1 war mal wieder ein großes Hallo. Viele Bekannte der lokalen Szene aber auch Freunde die man nur per Mail oder Myspace kennt treiben sich rum, man lernt sich endlich persönlich kennen, oder sieht sich wieder. Das Wetter sollte wieder halten, es war heiß mit einer leichten Brise vom Kanal, aber nicht so heiß wie 2008. Meinen Sonnenbrand konnte ich jedoch wieder nicht verhindern.

Eingeläutet wurde das Festival von


Tag 1, Freitag, 29.05.2009:

die audiovisuell extrem oldschoolig los legten, und den ersten Festivalbesuchern schon mal 'nen ordentlichen Arschtritt verpassten. Guter Opener.

legten dann einen genialen Set hin, trotz der frühen Zeit war das Rund schon recht gut gefüllt. Zumeist wird die Band um Kevin Heybourne auf einen Song reduziert: Angel Witch, der als letzter Song des Sets auch die größte Zuschauer Reaktion hervorrief. Aber auch der Einstieg mit Sweet Danger oder das geniale White Witch hatte seine Momente. Sehr geil, ich habe mich wie Bolle auf die Band gefreut, und wurde trotz der langen Pause, die die Band eingelegt hatte, nicht enttäuscht. Ich hoffe man wird in Zukunft wieder mehr von den Jungs hören!

Die legitimen Erben von SLAYER, würden DESTRÖYER 666 heißen. Das behauptet zumindest Götz. Unrecht hat er nicht. Optisch und akkustisch kommts schon hin, aber den Hype um die Band sehe ich jetzt auch nicht. Geboten wird 80s Thrash Metal, zwar gut gespielt, mehr aber auch nicht. Hat mich jetzt nich sooo umgehauen.

Gar nicht meine Baustelle. Nicht Fisch, nicht Fleisch, schön Zähnefletschen kann Tommy Victor ja, aber nee. Die Mukke spricht mich überhaupt nicht an. Auch von Fans der Band höre ich später das der Gig für die Verhältnisse der Band wohl recht lustlos, gewesen sein soll. Vor der Bühne geht's aber gewaltig ab. Mir muss ja auch nicht alles gefallen, also mach ich da lieber mal 'nen Break und dreh ein Ründchen um's Gelände mal schauen wer schon alles aufgeschlagen ist...

Zu den alten Helden bin ich natürlich wieder pünktlich im Graben. "The Tyrant" sorgt mit seinem Outfit zwar erstmal für Grinsen, aber Rob Halford sieht ja sooo anders auch nicht aus, und Harry Conklin (wie Tyrant bürgerlich heißt) überzeugt neben den großen Posen auf jedenfall auch stimmlich! Chain Of Command, Tyranny oder Future Shock zeigen gleich zum Einstieg, das die Zeit musikalisch spurlos an der Band vorüber geglitten ist. Sicherlich eine der besten Performances des Wochenendes.

Der Headliner des Abends sind dann OPETH, mit einer Lightshow und Rückprojektionen bei einbrechender Dunkelheit sorgen sie für das erste optische Highlight, des Festivals. Sänger Mikael wechselt von Grunts in cleane Vocals, wobei mir persönlich die cleanen Parts besser gefallen. Auch sind die progressiven Songelemente zum Teil schwer verdaulich, Irgendwie düngt mich das OPETH eventuell nicht die beste Wahl als letzte Band eines Festivals sind. Diesen "Soundskulpturen" lauscht man besser ausgeruht bei einem normalen Gig der Band. Nichtsdestotrotz eine gelungene Performance, die das Amphitheater bis zum Rand füllt.

Ganz klarer Gewinner heute: ANGEL WITCH, aber der für mich schwächste Tag des ganzen Festivals..


Tag 2, Samstag, 30.05.2008:

Der Lorenz brennt auf mein Hirn, ich habe mein Frühstücksbier noch nicht und ich denke ich habe Halos. was läuft da auf der Bühne rum? Ein lustig aussehender Brüllwürfel namens Tjombe der mit einem Stock rumfuchtelt und dazu Grimassen zieht als ob er grade ne Darmspiegelung bekommt? Ich denk ich guck nicht richtig. Ok. Iss noch zu früh. Kein Death Metal vor 14 Uhr hat der Arzt gesagt. Die Band hat generell nur gute Kritiken für ihre Albem eingeheimst, die Menge mag's. ich geh in den Schatten. Frühstück trinken. muss ja fit sein für

Welch undankbarer Platz auf dem Billing. Noch immer trudeln die Fans ein. Aber erstaunlich wie schnell sich das Rund füllt nachdem GRAND MAGUS mit Like the Oar Strikes the Water, Blood Oath oder Iron Will lospeitschen. Ich hatte gestern schon jedem der es hören wollte (oder auch nicht) gesagt wie geil die Band sei, und nach diesem Gig wurde mir größtenteils beigepflichtet. Stoner Doom mit einem Schuß klassischem Hardrock. Absolut genial. Die Band weiß live zu überzeugen, da sitzt jeder Ton und jedes Riff wo es sein soll. Wollen wir mal hoffen, dass die nächste Deutschlandtour nicht wieder mangels Kartenvorverkäufen ins Wasser fällt.

Ich kannte das Album der Band vom einmaligen hören, bin mir aber nicht sicher wie ich die Band einordnen soll, Stoner Prog? Melodic Prog Metal? Zumindest eine Band, die schon einige Fans hat, vor der Bühne ist es gut voll, und eventuell finden ja auch einige Gelegenheitshörer Spaß an der Band. Mir hat's gefallen.

Und jetzt entert der sympathischste Frontmann im Death Metal, Martin Van Drunen, mit seiner neuen Band die Bühne. Grandioser Gig der Todesmetaller, die das Rund des Amphitheaters gut füllen. Gespielt wurde quasi das gesamte Album "Of Frost And War", lustige Ansagen (in deutsch!) und ein bärenharter Sound sorgen dafür das die Fans mächtig abmoshen.

Der Knaller. Mit Trampolinen als kleine (Sprung-)Hilfe zeigen DRAGONFORCE was Bewegung auf der Bühne heißt. Von Ton eins an gibt es den Metal Zirkus pur, die Jungs permanent in Bewegung, hohe Sprünge machend, allen voran Keyboader Vadim (Luftspagat!), der glaube ich mehr in der Luft war als am Boden. Ansonsten treibt die Multikulti Truppe um die Ausnahmegitarristen Herman Li und Sam Totman sogar erklärte Power Metal Hasser vor die Bühne. Songtexte aus dem Power Metal-Setzkasten, aberwitzige Solis, Grimassen en Masse und jede Menge Spaß an der Freud sorgen für einen ausgelassenen Gig. Hermann Li malträtiert seine Gitarre mit der Zunge, mit Bierflaschen, mit den Fingern. Sagenhaft. Shouter ZP läuft gar einmal ums Rund durch die Menge. Sehr geil.

Gegen die kleinen, leichten, wie Flummis rumtuppenden DRAGONFORCEler wirken die Stämmigen FORBIDDEN irgendwie recht statisch. Ich muss auch mal aus der Sonne, und schaue mir den Gig von weiter oben an. Schönes Moshpit, massig Stagediver. Die Security hat alle Hände voll zu tun die Fans aufzufangen. Trotzdem geht's mir da wie bei Exodus letztes Jahr, Thrash kommt irgendwie im kleinen Club besser.

Der Co-Headliner! Absolut geiler Gig. Mit altem Piano auf der Bühne zeigte der Altmeister mal wieder was ne Harke ist. Ein wunderbares Konzert, was hauptsächlich aus alten SAVATAGE Stücken bestand. Als das ganze Rund
I am the way
I am the light
I am the dark inside the night
I hear your hopes
I feel your dreams
And in the dark
I hear your screams
Don't turn away
Just take my hand
And when you make your final stand
I'll be right there
I'll never leave
All I ask of you
Believe
singt stehen mir die Nackenhaare hoch und ich habe eine Gänsehaut, die ein Dieter Bohlen bei allen seinen Dilettanten NIEMALS bekommen wird. Sagenhaft. SAVATAGE wird es wahrscheinklich nie mehr Live auf die Bühne schaffen. Wie gut das wir JON OLIVA's PAIN haben!

haben es jetzt schwer bei mir. Erstmal mag ich die Band nicht sonderlich, allerdings spielt Frontsau Alexi mit gebrochener Schulter. Respekt für den Einsatz, den sollte man auch würdigen, aber als er dann der geneigten Menge erzählt das der fucking Bus, ihn aus seinem fucking Bunk ihn fucking auf den verfuckten Boden geschmissen hat, wobei er sich die fucking Schulter gebrochen hat: muss der Mann den 17 mal Fuck in jedem Satz unterbringen? Das hilft nicht grade, ihn mir sympathischer zu machen! Morgen liegt noch ein ganzer langer Tag vor uns, das heiße Wetter wird halten, und somit beenden wir den heutigen Abend frühzeitig.

Ganz klare Gewinner heute GRAND MAGUS und JON OLIVAS PAIN. Der Aerobic-Sonderpreis geht an DRAGONFORCE!


Tag 3, Sonntag, 31.05.2008:

So, Tag 3 und schon der letzte Tag des tollen Festivals. Schnell noch 3 Zehen verpflastert, die Akkus geladen und ab geht's um pünktlich bei

im Graben zu stehen. Blutjunge Finnen, von denen ich bis dato noch nichts gehört hatte verstecken sich hinter dem Namen. Nicht schlecht die Band, anständiger Metal mit Keyboards und einem sympathischen Sänger der schon jetzt die großen Posen drauf hat!

können mich dann begeistern, mit Head Up High starten die Griechen ein Klasse Melodic Metal Set. Der Gig heute gefällt mir wesentlich besser als der zweistündige Gig im Turock vor einiger Zeit, in der Kürze liegt die Würze, das Material der Band kann auf die Dauer doch recht eintönig wirken. Heute passt alles, nur das Maniac Cover hätte es wegen mir nicht gebraucht.

Anständig verkatert vom Vortag und den Alkoholspiegel im Blut weiterhin hochhaltend legen dann BULLET mit Pay The Price dermaßen geil los das sich das rund im Amphitheater schnell füllt. Zeitgleich während BULLET zocken, wird ein gigantischer Backdrop aufgebaut. muss so was während eine Band spielt sein? Die Metal Stangen verpassen den Kopf von Drummer Gustav einige Male nur knapp. Unbeirrt (aber nach dem Gig doch leicht angepisst) ziehet die Band ihre Show durch, und begeistert die immer zahlreicher werdenden Fans.

waren der Grund für die Umbauten während des BULLET Gigs wie ich später raus fand, die Band war aus Kopenhagen mit all ihrem Equipment angereist. und wollen es auch benutzen. Ob jetzt Pyros um 15 Uhr Sinn machen, sei mal dahingestellt, aber was DAD dann abziehen ist einfach nur genial. Stig Pederson wechselt seinen Instrument bei fast jedem Lied, sei es ein umgedrehter Bass, einer in Raketen Form, oder einen aus Plexiglas. mit einem Helm der Feuer sprüht, setzt der exzentrisch aussehende Basser weitere optische Akzente. Aber auch Musikalisch kann die Truppe einiges Vorweisen, sicherlich wird Sleeping My Day Away am meisten abgefeiert, aber auch Riskin' it all oder Jihad können mich begeistern, auch wenn die lustigen "Verkleidungen" der Band doch etwas Metal untypisch sind.

knallen dann den Thrash Metal Fans mal wieder das volle Rohr um und in die Ohren. Als Veteranen des Bay Area Thrash, weiß die Band was von ihr verlangt wird, spielt sich durch einen "Best Of" Set und sorgt für reichlich Moshpit Action vor der Bühne.

Die Veteranen das Hard Rocks sorgen dann für ein kurzes Kontrastprogramm zwischen 2 Thrash Bands. Musikalisch sicherlich auf höchstem Level und mit einem starken neuen Album ("The Visitor") im Gepäck, zocken sie sich durch einen Best Of Set, als Phil Mogg plötzlich von der Bühne verschwindet, und sie Vinnie Moore und Paul Raymond für ein ausgedehntes, fast 20 Minuten dauerndes, Gitarrenduell überlässt. Ich denke dass es nicht geplant war so lange zu jammen, sonder Phil Moog eher eine Pause brauchte, war der gute Mann doch schon beim zweiten Song stark am jappsen.

Mit dem Genre Klassiker "Surf Nicaragua" aus den 80ern in der Tasche sorgen SACRED REICH für Riesenbegeisterung und gefüllte Moshpits im Amphitheater. Nicht wenige Fans waren heute nur wegen dieser Band da. One Nation, Independent, Phil Rind grinst über beide Backen, interagiert mit dem Publikum, und sorgt kurz vor Schluss des Festivals noch mal für eine Superstimmung, die Security hat alle Hände voll zu tun, die Crowdsurfer aufzufangen.

beenden dann das Festival. Zwar als Special Classic Set angekündigt, spielen SAXON ihren ganz gewohnten Mix aus alt und neu. Wenige Tage später kam die gleiche Setlist beim Rock am Limes zum tragen. (warum Rock am Limes als einzige Open Air Show dieses Jahr der Sachsen beworben wurde entzieht sich mir allerdings, das Rock Hard ist nicht grade eine Hallenshow.).
Die Menge lässt das Amphitheater ein letztes Mal erbeben, SAXON sind Live immer ein Bank, souverän beenden sie das diesjährige Festival als würdiger Headliner.

Die Gewinner des letzten Tages lauten BULLET mit D-A-D als Gewinner des Special Effects Preises!


Fazit:
Und das war es schon wieder! 3 Tage Festival vergingen wie im Flug. Die Security war wie immer freundlich, das Bier war kalt, das Wetter heiß! Bangerherz was willste mehr! Bis zum nächsten Jahr!

Mein Dank gilt wie immer Sabine und Tanja von Bizzy Bee, Jenny und Götz vom Rock Hard, sowie Insa, Judith, Karsten und Marcus für den erstklassigen Fahrservice!

Jörg Litges, (Artikelliste), 11.07.2009