Link Veranstalter & mehr Info:
Deutschrock.com
Link Club:
JWD, Berlin
Fotos: Ralf Stierlen
Poster Berliner Ring
Verspielte Zeit
Verspielte Zeit
Verspielte Zeit
Verspielte Zeit
Eigensinn
Eigensinn
Berlin, JWD, 01.10.2004

Angeleiert von dem Internetprotal für deutsche Rockmusik, Deutschrock.com (siehe www.deutschrock.com), fand im Rahmen der Popkomm ein dreitägiges Deutschrockfestival im JWD statt.
Das JWD trägt seinen Namen wahrlich zu recht, befindet es sich doch auf der Insel Eiswerder im Bezirk Spandau (der ja schon für sich genommen westlichste Randlage darstellt). Aber als Rockdiskothek ist man perfekt ausgestattet: vernünftige, kleine Bühne, alles fein beleuchtet, im Zuschauerraum kann man abtanzen oder auf Barhockern beim Bier sitzen, es gibt eine Cocktailbar auf der Empore und vor allem keine nervenden Nachbarn, die wegen zu lauter Mucke die Oberförster anrufen.

Leider war ich an den ersten beiden Tagen anderweitig unterwegs, so dass mir z.B. OHRENFEINDT (siehe unsere Reviews) oder die ÖTTEBAND (siehe unser Review) durch die Lappen gegangen sind. Aber am letzten Tag war ich dann dabei, genauso wie ÖTTE, für den es natürlich Ehrensache sein mußte, die erste Band RUMBLEFISH zu supporten, schließlich kommen die auch aus Neuss.
Die Jungs boten eine Mischung aus allem was die Fans an Deutschrock lieben und die Feinde am Deutschrock hassen: vorwiegend Midtempo Rocker, ab und zu ein wenig verschärftere Gangart, aber höchstens so im Stile der aktuellen TOTEN HOSEN, Texte die um Aussage bemüht sind, solides rockmusikalisches Handwerk zum durchaus gepflegten Abhotten. Nicht so ganz mein Fall, aber das Publikum ging größtenteils gut mit (vor allem die Neuss-Connection) und die Stimmung war damit schon prächtig, zumal man Sänger Andy veritable Frontsau-Qualitäten bescheinigen kann, außerdem scheint er ein echt netter Kerl und ein richtiges Partytier zu sein.
Also, auch wenn's nicht so ganz meine Baustelle war: ein sehr gelungener Auftakt des Abends.

Offizielle Rumblefish Homepage

Phonhaus Als nächstes waren dann die Darmstädter von PHONHAUS an der Reihe. Das knackte schon bedeutend heftiger. Hardcore und moderner Metal und Crossover, irgendwo zwischen PRONG, HELMET, KORN und RAGE AGAINST THE MACHINE (das eingedeutschte Cover Arrogantes Arschloch ist wirklich klasse).
Das ging richtig verschärft zur Sache, live mit noch deutlich mehr Wumm als bei den Studioaufnahmen, dabei durchaus mit Sinn und Verstand. Gitarrist Geyer knallte einem die Riffs um die Ohren, dass es eine Pracht war, Bollos Bass knüppelte gemeinsam mit den Drums von Toni ein ordentliches Fundament zurecht und Holly erwies sich als prächtiger Metalcore-Shouter.
PHONHAUS rockten wirklich ordentlich die Hütte und ÖTTE, quasi als Mutter der Kompanie, war immer noch da. Demnächst gibt es auch ein neues Album von PHONHAUS, dürfte sich lohnen. Alle Hessen, die auf härtere Musik stehen, sollten also zur Record Release Party am 15.10. in die Goldene Krone nach Darmstadt kommen.

Offizielle Phonhaus Homepage

Poolparty Dann waren die Local Heroes am Start, POOLPARTY aus Berlin. Recht ungewöhnliches Line-up: Sänger Pedro würden man optisch als Spanier eher in eine Lation-Band (okay, dazu sind die Haare auch wieder zu lang) oder in eine Hip-Hop-Combo einsortieren, eine eher zart gebaute Gitarristin wie Baumeista S. ist im Punkrock auch eher ungewöhnlich.
Insgesamt gab es äußerst partytauglichen Punk, wäre ideal für eine Abifete oder ähnliches. Tut nicht so richtig weh, es darf getanzt werden, textlich ab und an eine kleine Provokation, aber irgendwie bin ich wohl schon zu alt für so was. Die Zielgruppe hat sich jedenfalls bestens unterhalten gefühlt und handwerklich kann man den Jungs und Mädels eh nix vorwerfen (der eine oder andere Verspieler gehört zum Punk schließlich dazu).

Offizielle Poolparty Homepage

Verspielte Zeit Man wird als regelmäßiger Hooked on Music Leser wissen, weshalb ich in erster Linie bei diesem Festival als Besucher aufgelaufen bin: VERSPIELTE ZEIT. Mit neuem Drummer versehen (hmm, scheint ansteckend zu sein, war bei POOLPARTY auch der Fall) hatte ich das erste Mal das Vernügen, das Frankfurter Trio mit seiner psychedelischen, geradezu hypnotischen Musik live zu erleben.
Den Anfang machte der Titeltrack des neuen Albums, Das Ist Die Frage. Irgendwie passte diese eindringliche, ihre intensive Wirkung auf ständig sich wiederholenden Phrasen (ein Politiker würde von Nachdrücklichkeit sprechen) basierende vorwiegend isntrumentale Musik nicht ganz in den Party-Kontext, aber das war eigentlich schon vorher klar.
Wer die Ohren nicht nur zum Einhängen der Brille hat, konnte dennoch, auch beim ersten Hören, ausmachen, dass diese Band etwas Besonderes ist. Nach den neuen Stücken Verstehen und Schau hin gab es dann auch etwas älteres Material, das sanft groovende Nordwind und, nach einem furiosen 8 Uhr 17, als Abschluß des Sets Unterwegs.
Ein prima Auftritt der Band, gerade auch in Anbetracht dessen, dass man erst zum zweiten Mal mit dem neuen Drummer spielte.

Offizielle Verspielte Zeit Homepage
Verspielte Zeit im Hooked on Music

Eigensinn Zum Abschluß gab es die Band EIGENSINN aus Heilbronn. Lustig finde ich ja die Satanisten-Vorwürfe aus der örtlichen Presse gegen die Band, nachzulesen auf deren Website. Tatsächlich und livehaftig stellen sich EIGENSINN als optisch düster eingefärbte Gruppe dar, die aber relativ konventionellen Abgeh-Rock'n'Roll mit wavigen Einsprengseln und eingängigen Hard Rock bietet, dem nun wirklich nichts Verbotenes anhaftet und der recht partytauglich ist.
Auch habe ich nicht mitbekommen, dass live ein Huhn, eine Fledermaus oder ein kleines Kind geopfert oder verspeist wurde, vielmehr waren die Animationsversuche von Sängerin Biggi dem Publikum gegenüber durchaus Rockkonzert-typisch.
Alles in allem ein gelungener Abschluß eines gelungenen Festivals, das einige Facetten der Rockmusik in deutschen Landen aufzeigen konnte.

Offizielle Eigensinn Homepage

Im übrigen wird das Festival von einigen Bands (darunter RUMBLEFISH, ÖTTEBAND, PHONHAUS) im Rahmen eine Clubtour, insbesondere durch den Westen und Süden des Landes fortgeführt. Nähere Informationen dazu gibt es auf den jeweiligen Bandwebsites und auf Deutschrock.com.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 07.10.2004