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Fotos: Ralf Stierlen

Spookey Ruben
Spookey Ruben

Emirsian
Emirsian
Berlin, frannz-club, 01.11.2006

In der gediegenen Atmosphäre des frannz-clubs (heute Abend mit einem Vorhang abgeteilt und damit auch gegen die "Bargeräusche" geschützt, sowie bestuhlt) am Rande der Kulturbrauerei fand ein Konzert statt, das selbst mir als nicht gerade ausgewiesenem Singer/Songwriter-Fan Freude bereiten sollte, gaben hier doch Spookey Ruben und Aren Emirze aka EMIRSIAN ein Double Feature. Und das kann man hier durchaus wörtlich nehmen, teilten sich die beiden nicht nur die ab und an hinzukommenden Begleitmusiker (an Bass und Gitarre oder Piano), sondern stiegen auch immer wieder in das Set des jeweilig anderen ein, so dass man hier mit Fug und Recht von einem "gemeinsamen Konzert" sprechen konnte.
Eigentlich verbieten sich denn auch Begriffe wie Support oder Main Act, die eine Rangfolge oder gar Wertigkeit ausdrücken sollen (tatsächlich war in den Vorankündigungen wechselweise einmal Spookey Ruben und ein andermal EMIRSIAN als Support angegeben, je nach Geschmack des Veröffentlichers), dennoch gab es für mich eine klare Unterscheidung, aber dazu später mehr.

Spookey Ruben
Spookey Ruben

Den Anfang machte zunächst Spookey Ruben, von dem ich zunächst dachte, nichts zu kennen, was jedoch ein Irrtum sein sollte, aber auch dazu später mehr. Der in Zentimetern kleine Kanadier bietet entspannte aber durchdachte Singer/Songwriter-Kost mit einer wohltuend besänftigenden Stimme, die mich etwas an einen sehr relaxten Elvis Costello denken lässt. Dazu kommen immer wieder schräg-humorige Einfälle, wie das in Shauna integrierte Telefonat mit seiner vorgeblichen Angebeteten oder auch der Titel seiner aktuellen EP "Ausfahrt Walsrode" beweisen.
Spookey Ruben Aus seinen beiden CDs "Bed" und "Breakfast" wurde nun konsequenterweise eine Doppel-CD und er gab eine Hommage an Nastassja Kinski zum Besten, aber das mit Abstand bekannteste Stück stammt aus seiner Anfangszeit, von der ersten Veröffentlichung "Modes Of Transportation Vol. 1" aus dem Jahre 1995. Das Stück heißt These Days Are Old und beinhaltet die musikalische Eröffnungssequenz der überaus erfolgreichen WDR-Show "Zimmer Frei" - und das kannte dann selbst ich. Wie erwähnt schaute auch Aren Emirze immer mal wieder vorbei und unterstützte mit Gitarre und Gesang das locker-unterhaltsame Treiben.

Emirsian Irgendwann ging das Ganze dann wie von selbst in den Set von EMIRSIAN über, Spookey Ruben verließ (zunächst) die Bühne. Und: wahrhaft nichts gegen den originellen Entertainer Ruben, aber die Songs von EMIRSIAN haben meines Erachtens sehr viel mehr Tiefe, Emotionalität und Substanz, geben sie doch vorbehaltlos Einblick in die persönlichsten Empfindungen ihres Erschaffers und reflektieren dessen Selbstfindungsprozess. Wo Ruben durchaus gewitzt und fantasievoll Rollen spielt, kehrt EMIRSIAN sein Innerstes nach Außen und schafft es daher, noch viel stärker zu berühren, statt einfach "nur" zu unterhalten.
Das komplette Material der großartigen Scheibe "A Gentle Kind Of Disaster" kommt zur Aufführung und zum armenischen Liebeslied Achtschig Sirunag, von Arens Vater komponiert, ist prompt Spookey Ruben wieder zur Stelle um mit Aren im Duett zu singen (was hervorragend klappt).

Emirsian
Emirsian

Das für EMIRSIAN ebenso beispielhafte On The Run kommt in sparsamster Ausführung (nur Aren mit Gitarre) regelrecht zerbrechlich und damit noch intensiver zur Geltung, während Cut the Line ein ganz klein wenig jamartig ausgebaut wird. Auch das dräuende Nameless oder das unter der Oberfläche brodelnde Noisestückchen Satisfied funktionieren prächtig, am Ende sind noch mal alle vier Musiker auf der Bühne und der Abend bekommt einen sehr stimmungsvollen Ausklang.
Ein gelungener Auftakt für die anstehende Tour, der beweist, dass Spookey Ruben ausgezeichnet zu unterhalten weiß und die leise Nachdenklichkeit von EMIRSIAN auch auf der Bühne hervorragend funktioniert.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 07.11.2006