Fotos:
Ralf Stierlen
El Caco
Anders Gjesti von El Caco
Dresden, Titty Twister, 20.11.2003

Zunächst mal darf sich der Dresdner an sich freuen: Seit Ende September ist das Titty Twister wieder geöffnet, in der Prießnitzer Straße, gegenüber von (der ehemaligen) Pfunds Molkerei. Und wenn man Glück hat, findet man es sogar. Wäre nicht schlecht, mal zu beschildern, wo es dann in den Keller runter geht.
Im Innern ist es natürlich, dem Namen verpflichtet, eine schön schummerige Location im Tex-Mex-Stil, die sicherlich vor allem Freunden des härteren Stoffes (musikalisch wie auch alkoholisch) zusagen dürfte. Jedenfalls eine prima Auftrittsmöglichkeit auch für lokale Bands.

Iguana

Den Auftakt machen IGUANA, die sich gleich angemessen mit "wir sind IGUANA aus Gorl-Moargs-Schdadd" vorstellen.
Lange Haare, Jeans, Schlabberhemden oder T-Shirts: Klar, worauf das hinausläuft - klassischer Stonerrock in der Tradition von KYUSS, CATHEDRAL oder NEBULA. Das ist zwar nicht sonderlich innovativ, aber die Jungs gehen mit so viel Frische und Enthusiasmus ans Werk, das allenthalben Kopfnicken angesagt ist.

El Caco

Als dann endlich EL CACO aus der logischen Heimstätte des Wüstenrocks, also Norwegen, auf der Bühne im mittlerweile richtig gut gefüllten Titty Twister stehen, gibt es kein Halten mehr. Das Trio aus Oslo mixt seinen Stonerrock geschickt mit Metalelementen, ein wenig Post-Grunge und sogar ein bißchen Alternative und verpaßt ihm damit eine regelrechte Frischzellenkur. So verblüffte das 1999er Debüt "Viva" mit Zitaten der Musik von ALICE IN CHAINS, SOUNDGARDEN und sogar THE CURE.
Inzwischen ist der deutlich härter geratene Nachfolger "Solid rest" auf dem Markt, aber es bleibt immer noch dabei, trotz Powerriffing durch Gitarrist Anders Gjesti (der optisch Nick Oliveri von den QUEENS OF THE STONE AGE ähnelt, aber nicht ganz so bescheuert zu sein scheint), daß EL CACO einen Stoner-Doom zelebriert, der sich nicht in endlosen Gitarrenschleifen ergeht, da Mastermind Oyvind Osa, der neben Gesang und Bass auch das Komponieren und Texten übernommen hat, Wert auf ein schlüssiges Songwriting legt. Natürlich alles auf der Grundlage eines ausgesprochen muskulären Sounds, wofür auch schon das Ein-Mann-Schlagzeug-Kraftwerk Thomas Fredriksen sorgt.

El Caco

Die Stimmung bei den Stücken High on a low, She-man, Suffer, Oh yeah, A nice day oder Space station ist kaum zu toppen - wird aber dann doch: Bei I'll play übernimmt kurzzeitig das Publikum den Refrain. Die Band ist sichtlich angetan von dem Zuspruch und versichert mehrmals, daß sie viel länger spielen, als sie es eigentlich vorhatten.
Als Sahnehäubchen gibt es dann in der Zugabe noch eine angemessen heftige Version von MOTÖRHEADs Ace of spades und nach etwas mehr als neunzig Minuten schweißtreibendem Fjord-Rock sind alle Beteiligten glücklich und zufrieden.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 04.12.2003