Fotos: Peter Tenzler
Berlin, Duncker, 10.02.2005

Im Duncker, einem relativ kleinen Kiezschuppen nahe dem S-Bahnhof Prenzlauer Allee im Prenzlauer Berg, gibt es eine schöne Einrichtung: Donnerstags gibt es Live-Music für lau!
Am heutigen Abend waren EATEN BY SHEIKS angesagt, die Göttinger, die sich inzwischen in Hamburg niedergelassen haben und die der eine oder andere schon im Vorprogramm von WIR SIND HELDEN erlebt haben dürfte. Na, und wenn es schon etwas für umsonst gibt, ist die Hütte natürlich ganz gut gefüllt.

Eaten By Sheiks Zunächst muss ich ein wenig lästern: Optisch sind die Scheiche doch etwas verwegen, die Klamotten und Frisur von Sänger und Gitarrist Ricardo Cortez erinnern verdächtig an verdrängte Schlagersendungen der siebziger Jahre, Bassist Gomez hampelt und grimassiert wie verrückt und Drummer Helge Warnecke ist so verzückt darüber, dass er via Stimme das Licht beeinflussen kann, dass er dies in den Pausen ständig und relativ nervtötend praktiziert. Aber das sind Äußerlichkeiten, entscheidend ist natürlich auf dem Platz bzw. wie hier auf der Bühne.

Eaten By Sheiks Und da können die vier Jungs unter Beweis stellen, dass sie nicht nur blind eingespielt sind, sondern auch richtig gutes Songmaterial haben. Zu Adored, der Single I Like It oder dem monoton treibenden Disco 3000 geht das recht gut gelaunte Publikum ordentlich ab, zeitweise wird es richtig funky und erinnert mich ein wenig an eine andere Hamburger Band, die leider kein Mensch kennt, nämlich die LOVEKRAUTS.

Easten By Sheiks Die Ansagen von Ricardo Cortez wirken auf angenehme Art eher schüchtern und unterstreichen, dass hier Musiker auf der Bühne stehen, die in erster Linie Wert legen auf gute, handgemachte Musik, die sich aus dem Einheitsbrei abhebt, aber trotzdem möglichst vielen Leuten Spass bereiten kann und sich nicht in der alternativen Kuschelecke verkriecht (nach dem Motto eingängig ist kommerziell und Ausverkauf).

Eaten By Sheiks Manchmal wünsche ich mir allerdings, dass die Songs live noch etwas ausgebaut werden, hier und da noch eine Improvisation eingebaut wird oder noch ein paar Überraschungsmomente folgen, dann hätte man an Songs wie Perfectly noch länger Freude. So spielen die Scheiche das Material eher tight, ab und an gerät das Ende eines Songs sogar ein wenig abrupt. Aber maßgeblich für das Gelingen des Abends ist letztendlich die Freude bei allen Beteiligten, bei der Band, die mehrfach betont, wie sehr sie sich über die zahlreich Erschienenen freut und beim Publikum, das ein Konzert mit teils entspannter, teils zupackender, tanzbarer Alternativemucke erleben darf von einer Band, die Wert auf gute Songs statt cooler Posen legt.
Es muss nicht immer FRANZ FERDINAND, KASABIAN oder sonstige gehypte Britmusik sein, auch aus deutschen Landen gibt es gutgemachte, rockige Musik für Clubs.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 23.02.2005