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Epi Schmidt
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Dr. Feelgood
Dr. Feelgood
Aschaffenburg, Colos-Saal, 26.09.2002

Dr. Feelgood

Viele Fans hatten ja Zweifel, ob nach dem Tode von Lee Brilleaux (7. April 1994, R.I.P), überhaupt noch ein Fortbestehen von DR. FEELGOOD möglich sein konnte. Zu sehr war Brilleaux der Doctor. Dem muss man natürlich dagegen halten, dass auch 1977, nach dem Ausstieg von Wilko Johnson, das Ende der Band prophezeit wurde.
Wie auch immer: Mittlerweile hat man, nach dem Gastspiel von Larry Wallis, mit Robert Kane einen Nachfolger gefunden der auf seine eigene Art und Weise das Publikum begeistern kann.

Heute Abend gibt's, wie schnell am Bühnenaufbau zu erkennen, keine Vorgruppe. Und das bisschen Equipment, das da oben steht, scheint auch sehr spartanisch für den Colos-Saal. Zumal die Bühne auch noch (nach vorne) vergrößert wurde.
Ich hatte ja anfangs bedenken ob der Club nicht etwas überdimensioniert für die Feelgood's ist, aber im Laufe des Abends füllt sich der Zuschauerraum doch zur Hälfte. Für einen Donnerstagabend und eine "absolut unmoderne" Band beachtlich.

Recht bald kommen vier ältere Herren auf die Bühne, die man, würde man ihnen auf der Straße begegnen, heute Abend eher zu Hause auf dem Sofa sitzend oder bestenfalls noch im Pub an der Ecke ein Bier schlürfend vermuten würde.
Aber der Eindruck täuscht. Bei weitem!
Vom ersten Ton von Best In The World brennen die vier ein Feuerwerk von Rhythm'n'Blues und Pub-Rock ab, dass einem die Ohren wackeln. Vor allem dann, wenn man vor Steve Walwyns Gitarrenverstärker steht. Im Gegensatz zu früher kein Fender mehr, sondern ein Ashdown-Top mit Box. Klingt zwar nicht mehr ganz so "scharf", aber kein Deut leiser!

Einige Songs vom 2000er "Chess Masters" Album werden angekündigt (und auch gespielt). So richtig Stimmung (und Erinnerungen) kommt, natürlich, bei den alten Reißern wie My Baby Quits Me auf. Auch das Publikum steigert sich zusammen mit der Band immer mehr.
She's A Windup lässt kaum noch jemand im Saal ruhig stehen.
Don't Start Me Talkin', The Walk und You Gotta Help Me sind ebenfalls vom letzten Album.

An Bass und Schlagzeug verrichten Phil Mitchell und Kevin Morris, quasi schon Ur-Gesteine in der Band, einen absolut perfekten Job. Dermaßen tight spielen die Beiden zusammen - der "Tritt in den Arsch" ist fast spürbar! Vor allem Phil Mitchell hat auch noch einen Riesenspaß dabei, während Sänger Robert Kane nie müde wird das Publikum anzufeuern, mit Spagat und Karate-Tritten anheizt und sich zusammen mit dem abrockenden Gitarristen Steve Walwyn immer mal wieder auf die Knie begiebt.

Dr. Feelgood's größter Hit dürfte wohl Milk & Alcohol sein, und mit diesem Pub-Rock-Klassiker beenden sie den ersten Teil ihres Sets.
She Does It Right eröffnet die zweite Runde und Steve hat seine Gitarre, erwartungsgemäß, noch ein Stück lauter gedreht. Da wird's zwar geteilte Meinungen geben, aber FÜR MICH ist er der Master Of The Telecaster. Ohne irgendwelche Effekte - pur in den Amp - bringt er eine Power und einen Sound rüber, der einen einfach mitreißt. Ganz zu Schweigen von seiner eigenen Begeisterung.

Dr. Feelgood

"We carry on with a Wilko Johnson number called: Going Back Home" leitet der Sänger den nächsten Klassiker ein. Es folgen Nadine und der Down By The Jetty Blues, bei dem Robert Kane unter Beweis stellt, dass er die Blues Harp bestens beherrscht. Während des Songs verabschieden sich fast alle von der Bühne - bis auf Steve Walwyn, der allein immer noch den Blues spielt, mal ruhiger und sanfter - mal hart und rockig, auf jeden Fall hält er die Spannung und die Begeisterung auf höchstem Level.

Back In The Night und Roxette sind weitere Favoriten. Bei ersterem will das Publikum mit dem Singen des Refrains fast gar nicht aufhören. Ebenso bei der Feelgood-Hymne Down At The Doctors.
Gimme One More Shot blasen uns die vier um die Ohren und beenden damit den Auftritt.

Die Stimmung im Colos-Saal fordert natürlich Zugaben und schon bald erscheint Gitarrist Steve Walwyn um den Mad Man Blues einzugrooven. Das ihm dabei eine Saite reißt beeindruckt ihn nur wenig - Robert Kane übernimmt einfach an der Mundharmonika und liefert ein "Herzinfarkt"-Solo. Wahnsinn was der für eine Power hat.
Steve schnappt sich eine Ersatzgitarre und weiter geht's.

See You Later Alligator treibt nochmal die Stimmung bei den Zuschauern UND bei der Band an die oberen Grenzen. Ich meine: Wann hat man schon mal Bassist Phil Mitchell auf seinen Bassboxen stehen und rocken sehen?
Dafür darf er sich beim letzten Song Route 66 auch ausruhen, Bier auf die Bühne holen und gelegentlich mitsingen. Für ihn spielt ein glatzköpfiger Typ namens Paul ... (mehr konnte ich nicht verstehen) der mal mit Steve Walwyn in einer Band gespielt haben soll. Glaubt man sofort, bei dem Drive den er hier reinbringt.

War also ein klasse Abend in Aschaffenburg und lässt hoffen, dass die Band im nächsten Jahr wieder kommt.
Ich hab's wohl schon öfter erwähnt, aber trotzdem: Der Sound der P.A. im Colos-Saal war wieder mal spitzenmäßig. Von den Eintrittspreisen (meistens), übers Personal bis zum Programm, fällt mir eigentlich sowieso nur positives zu diesem Club ein. Also auf jeden Fall ein Tipp für Live-Fans.
Ach ja...
Da fällt mir noch was Positives ein: Ich hab nur 'ne halbe Stunde zu fahren bis dahin!
Und beim nächsten Dr. Feelgood - Konzert bin ich sogar noch schneller dort!!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 27.09.2002