Fotos: Jörg Litges

Der Klick auf ein Bildchen zeigt es in voller Größe in einem neuen Browserfenster.

Saxon Saxon
Saxon
Saxon
Doro Doro
Doro
Doro
Doro
Doro
Düsseldorf, Philipshalle, 13.12.2003
Besetzung Doro:
Doro Pesch Vocals
Joe Taylor Guitar
Oliver Palotai Guitar
Nick Douglas Bass
Johnny Dee Drums

Doro lädt zum 20-jährigen Bühnenjubiläum und der Andrang der Presse & Fans ist groß. 20 Minuten vor Konzertbeginn laufe ich immer noch rum und suche den Presseeingang, die Ordner wissen nicht wo er ist, und nein, reinlassen können sie mich auch nicht... irgendwann hämmerte ich dann gegen eine Türe und der nette Herr dahinter lies mich, nachdem ich brav den Fotopass aufgeklebt hatte (der sofort wieder abging), rein. CIRCLEIICIRCLE spielten zu diesem Zeitpunkt auch schon seit gut 20 Minuten, und der Platz vor der Philipshalle war noch sehr gut gefüllt. Eigentlich ist so eine Organisation eine Frechheit.
CIRCLEIICIRCLE spielten vor fast leerer Halle, auch bei SAXON war die Halle noch nicht voll.
Leider durfte ich auch bei CIIC keine Fotos machen, da ich zu spät war. Lieber Organisator, man kann keine ausverkaufte Philipshalle durch zwei mannsbreite Türen in 60 min füllen.
Geht nicht gibt es!

Saxon Was ich von CIIC noch mitbekam war jedoch geil! Das Album selbst ist seltsamerweise etwas an mir vorbeigerauscht, live legten die Jungs um Ex-SAVATAGE Sänger Zak Stevens sich ganz schön ins Zeug. Schade, dass die gesamte Band (außer Zak natürlich) kollektiv gekündigt hat und das somit die letzte Tour in dieser Besetzung war. Ich kam grade rechtzeitig, als Zak verkündete, dass Savatage "Back for one time only" wären! Leider war es nicht die Reunion mit Jon Oliva (der unentschuldigt fehlte!)sondern "nur" eine Mörderversion von SAVATAGE's Nothing Going On. Mir wurde aber versichert, dass auf dem zweiten Longplayer der Band auch Songs co-written by Jon Oliva draufwären, man hat sich anscheinend wieder lieb. Weiter ging es mit Sea Of White, Watching In Silence sowie einigen neuen(?) Songs Don't Think about you anymore und Don't Take It Over.

Nach kurzer Umbaupause (CIRCLEIICIRCLE spielten auf dem Equipment von SAXON) kamen sie endlich, die Helden meiner Jugend... SAXON! Vollgas geht's los mit Heavy Metal Thunder und nahtlos weiter mit (meinem absoluten All-Time-Ever-Fave) Princess Of The Night und eins ist klar, SAXON (bzw. Biff Byford) haben in den letzten 20 Jahren nix verlernt. Wer guten, harten, straighten Heavy Metal will, kommt an den Jungs nicht vorbei. Klar, Biff steckt sich nicht mehr 2 Paar Socken in den Schritt, auch ist die silberne Spandex einer lockeren Lederhose gewichen, und wenn der lange Ledermantel fällt, offenbart sich auch ein kleiner Bierbauch. Stimmlich ist Mr. NWOBHM immer noch top, was er bei den folgenden Rock The Nation oder Court Of The Crimson King unter Beweis stellt.

Saxon Auch den berühmten Pfiff bei Motorcycle Man hat er immer noch perfekt und trommelfelltötend drauf! Einen neuen Song gab's auch, Travellers in Time, der allerdings etwas langatmig ausfiel, aber eventuell brauchten die Jungs 'ne Pause um Kräfte für das folgende Dragons Lair zu sammeln, welches sowas von aus den Boxen knallte, dass es eine wahre Freude war!
Das darauffolgende Drumsolo mit Jonglage war zwar nett, aber - wie alle Drumsolos für mich bei einer Spielzeit von 60 Minuten - überflüssig. Crusader brachte dann die Halle zum ersten mal an diesem Abend zum totalen ausflippen. Ein kurzes Gitarrensolo mündet in Wheels of Steel (mit großem Mitsingteil). Als Zugabe wurde Denim & Leather der tobenden Meute präsentiert, und das war's schon... vorbei... geniales Konzert meiner alten Heroen.
Einziger Wehrmutstropfen ist, dass Never Surrender oder 747 nicht gespielt wurden...

Ratespiel: Wer ist das ? Während der längeren Umbaupause trifft man einige Prominenz im Publikum, z.B. Kati Karrenbauer (Hinter Gittern), Bandmitglieder von Running Wild, fast die gesamte RockHard Redaktion oder auch Tom Angelripper (Sodom). Die angereiste Presse reicht von Japan über England bis Prag. Die Mitglieder von Warlock geben Autogramme und sind sichtlich erfreut über die Aufmerksamkeit die ihnen zukommt (und später sollten sie noch mehr davon bekommen).

Als alle Kameras in Position sind (das Konzert wird wohl für einen DVD Release mitgeschnitten) geht endlich die Hallenbeleuchtung aus und nach kurzem Intro und infernalischen Pyros betritt die Jubilarin zu höllischem Applaus die Bühne. Die fast 40 sieht man ihr definitiv nicht an, so manche 20-jährige Schlagerpuppe hat da sicherlich reichlich mehr Probleme die Gesichtszüge und Figur im Griff zu halten.
(So mancher mittelalte HoM-Schreiberling auch...)

Doro Los geht's, das am Ende 3 Stunden dauernde 20-jährige Bühnenjubiläum von Doro Pesch. I Rule The Ruins, Always Live To Win, Metal Racer peitschen aus den Boxen und Doro steht nicht ein mal still, bangend, rennend, springend fordert sie das Publikum zum Mitmachen auf...

Nach kurzer Begrüßung folgen Hellbound, True As Steel und Burning The Witches. Die Halle bebt und Band legt sich ins Zeug, dass es nur so dampft. Kurz danach ist auch der erste Gast zu begrüßen: Mit Udo Dirkschneider gibt Doro ein hammerhartes When East Meets West zum besten. Metal Tango und Out Of Control folgen und beschließen den ersten Teil vom Set.

Ein großer Kerzenleuchter kommt auf die Bühne, weiße Vorhänge tauchen auf und zu Wunderkerzen und Feuerzeugen werden Unholy Love, Whiter Shade Of Pale, Whenever I Think Of You und Für immer serviert.
Schmusig geht es auch weiter: Fall for me again in einer wunderschönen Fassung. Zu Streichern folgt dann der letzte Song der "Kuschelrock für Doro Fans" Abteilung 1000 mal gelebt. Meiner Meinung war das ein wenig viel langsame Nummern auf einmal, aber so hat man's dann hinter sich.

Die Streicher bleiben und der nächste Gast kommt auf die Bühne: Jean Beauvoir (Ex-PLASMATICS) und performt mit Doro ein peitschendes White Wedding. Absolut geil!
Das nun folgende Drumsolo nutze ich zur kurzen Pause am Bierstand und bin pünktlich wieder zurück als Blaze Bailey (richtig schnieke im Holzfällerkostüm mit Kopfsocke und Vollbart) die Bühne entert und Bad Blood aus den Boxen dröhnt. Der Sound ist klasse, laut aber nicht zu laut, und vor allen Dingen nicht übersteuert. Habe in der Philipshalle da schon ganz andere Konzerte erlebt. Die 6 Stunden Musik konnte man locker vor den Boxen verbringen, ohne anschließend ein defektes Radio im Gehörgang zu haben.

Lemmy Die "Love Me In Black"-Phase wird mit einem Medley aus Brutal & Effective, Dedication und Love Me In Black abgehakt, von "Machine II Machine" gab's leider gar nix zu hören. Schade, perönlich finde ich, sind diese beiden Alben die stärksten Doro Solo-Sachen.
Nach einem furiosen Earthshaker Rock folgt dann endlich der Moment wo ich und die zu hunderten anwesenden MOTÖRHEAD Fans schon drauf gewartet haben. Oberwarze Lemmy in Begleitung von Mickey Dee betreten die Bühne. Nach einigen technischen Schwierigkeiten (Lemmy's Bass wollte so gar keine Laute von sich geben) stimmen die beiden Love Me Forever an. Fight und Burn it up, begleitet von den Düsseldorf Rhein Fire-Cheerleaders beenden dann den regulären Set.

Nach sehr kurzer Pause beginnt der Zugabenteil mit einem Heavy Metal Klassiker: Another Thing Coming zusammen mit SAXON. Alles ist gut bedeutet die Ruhe vor dem Sturm: Nach diesem Song gibt es die von den Fans ungeduldig erwartete WARLOCK Reunion.
Michael Eurich (mit Kurzhaarschnitt), Frank Rittel (mit Kopfsocke) sowie die Gitarristen Peter Szigetti und Rudy Graf (beide noch mit Mähne) betreten zu tosendem Applaus die Bühne. Und Nachholbedarf haben die Jungs wohl auch. Die brettern All Night und Fight For Rock sowas von raus... Hammer! Auch das Publikum ist begeistert und fordert eine Zugabe. Die (nicht geplante) bekommt es auch: Evil, *der* WARLOCK Headbanger schlechthin von der "Zahnrad-EP".
Man kann nur hoffen das die Jungs Blut geleckt haben und eine Warlock Reunion auch CD mäßig ins Haus steht. Da DORO's Plattenoutputs ja seit einiger Zeit schon zu wünschen übrig lassen, wäre das sicher keine schlechte Idee. Verlernt haben die Jungs nichts in den Jahren, obwohl ich denke, dass seit der ersten UDO LP keiner von ihnen mehr groß in Bands gespielt hat (zumindest ist mir nichts bekannt).

Doro Zum Grande Finale bekommt Doro dann einen Strauß Rosen überreicht, und zwar von keinem geringeren als Claus Lessmann (seines Zeichens Sänger von BONFIRE). Zusammen performen die beiden Born To Be Wild. Na ja, für mich gibt es eigentlich nur zwei Bands die diesen Song spielen dürfen: einmal STEPPENWOLF (das Original) und dann noch BLUE ÖYSTER CULT. Aber mich fragt ja keiner... Dem Publikum gefällt's und geht ab wie Meiers Lumpi.

Bei der aller allerletzten Zugabe (wir sind jetzt bei Song Nummer 32 angelangt) kommen nochmal alle Akteure auf die Bühne und das unvermeidliche All We Are wird unter aktiver Publikumsbeteiligung abgefeiert. Doro bedankt sich nett beim Publikum für die Treue, hofft auf 20 weitere Jahre, und vorbei isses, 6 Stunden Vollbedienung. Klasse war's! DORO ist immer noch die Rampensau schlechthin, Sound war geil, die Vorbands und Gäste auch. Ich denke an diesem Abend ging wirklich jeder zufrieden nach Hause, zumal der Eintritt mit 25 Euro im Vergleich zu anderen (kürzeren) Veranstaltungen sehr human war.

Jörg Litges, (Artikelliste), 18.12.2003