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Universum, Stuttgart
Fotos: Epi Schmidt
Ticket
The Kelvins Setlist
Setlist The Kelvins
Stuttgart, Universum, 10.12.2005

Warum setzt man sich am Samstagnachmittag in den Zug, um 200 km nach Stuttgart zu düsen, zumal einem der Schädel von der Weihnachtsfeier am Vorabend noch reichlich wummert?
Außer mir tun das wohl nicht viele, aber trotzdem ist das Universum an diesem Abend gut gefüllt. Anlass dafür dürfte die Hauptband NASHVILLE PUSSY sein. Vielleicht hatten ein paar auch auf die sich zwischenzeitlich im Package befindlichen TOKYO DRAGONS gehofft.
Anlass für mich waren - neben dem Zusammentreffen mit HoM-Kollegen Ralf Stierlen - ganz klar die DIAMOND DOGS aus Schweden, die bereits im Sommer hier einen hervorragenden Eindruck hinterließen.
Da waren zwar weit weniger Besucher anwesend, aber von denen waren offensichtlich wieder einige hier.

The Kelvins Die Eröffnung des Abends übernahm die italienische Punk-Formation THE KELVINS (hat also nix mit der amerikanischen Rockband gleichen Namens zu tun).
Für diese Musik muss man nicht übermäßig filigran spielen, sondern in erster Linie powern und Spaß verbreiten. Und genau das haben die vier "kleinen Italiener" gemacht: "One, two, three, four", in bester RAMONES-Manier vorgezählt und abgerockt. In höllischem Tempo fegten sie ihr, von zahlreichen Coverversionen durchsetztes, Repertoire herunter. Die Grenzen zum Schwermetallbereich wurden hier und da touchiert, wiewohl Schlagzeuger Raffo mich stellenweise an Slim Jim Phantom von den STRAY CATS erinnert hat.
Bei peitschenden Versionen von Dead Flowers (STONES), Twistin' The Night Away (Sam Cooke/Rod Stewart) und That's All Right, Mama (Elvis) kam jedenfalls frühzeitig Stimmung auf und die ersten Leiber zuckten über die Tanzfläche.

Das straffe Programm des Abends bescherte uns eine kurze Umbaupause und leider auch einen zu kurzen Set der DIAMOND DOGS. Für mich jedenfalls.
Diamond Dogs Na ja, es war schon über eine Stunde und während dieser Zeit war wieder mal bester Unterhaltung geboten. Im Interview vor der Show hat mir Sänger Sulo noch seine Auffassung von Entertainment erläutert und so wurd's jetzt auch gemacht: Mit Partylaune und immer darauf aus, das Publikum zum Mitmachen zu bewegen. Dabei kommt die gesamte Band dermaßen locker und sympathisch rüber, dass einem das Grinsen im Gesicht festfriert.
Wie gehabt drischt Fredrik Fagerlund mühelos ein Rock'n'Roll-Riff nach dem anderen aus seiner Gitarre und Sulo schreit sich die Seele aus dem Leib. Ja der Vergleich an großartige Duos wie Stewart/Wood, Jagger/Richards, Idol/Stevens muss wieder mal herhalten.

Diamond Dogs Ein paar Mitgrölnummern wie Mighty, Mighty Mountain und From Now On fehlen im Gegensatz zum Kölner Konzert, aber wer wollte da maulen, wenn solche Kracher wie Bound To Ravage und Hand On Heart erschallen?
Schon beim zweiten Titel, Autopilot - vom aktuellen Killeralbum "Black River Road" - geht's vor der Bühne gut gelaunt zu und die Good-Time-Rock'n'Roll-Süchtigen werden mit den weiter aufpeitschenden Sad To Say I'm Sorry und Off The Record gefüttert. Gerade letzterer Song erinnert stark an den ersten Titel von Rod Stewarts "Foolish Behaviour" LP von 1980.
Diamond Dogs Man tut den DIAMOND DOGS aber Unrecht, würde man sie als Kopien betrachten, denn da steckt jede Menge Eigenständigkeit drin. Die Wurzeln sind natürlich deutlich.
Wie der Saxofonist mit seiner Kanne eine ganze Bläsersektion ersetzt ist richtig klasse und ebenfalls wie der "Duke Of Honk" aus seinen Tasten wahlweise Piano oder Hammondorgel presst.
Natürlich stehen Sulo auch bei nur einem Meter Abstand noch immer ein paar Besucher zu weit weg von der Bühne und so erfolgt auch wieder der Ausflug mitten unter die Leute, um dort einen Song zu spielen.

Diamond Dogs Welchen Titel soll man hervorheben? Die grandiose Ballade Build For Comfort? Oder den gnadenlosen Rocker Goodbye, Miss Jill? Das mitreißende Hardhitter, zu dem man die Lippen bewegt, auch wenn man den Text nicht kennt?
Apropos Text. Zu einigen Titeln ist der manchen im Publikum durchaus geläufig, was Sulo mit breitem Grinsen quittiert.

Diamond Dogs Die Zeit vergeht wie nix und schon sind wir in der Zugabe und Wild Side Of Life sorgt für endgültiges Abtanzen, erst recht, wenn es noch in Let It Bleed übergeht. Wahnsinn, was für eine Band!!!
Noch anzufügen wäre, dass der Sound ebenfalls hervorragend war.

An den Vorraussetzungen kann es also nicht gelegen haben, dass die anschließenden NASHVILLE PUSSY in erster Linie einen höllischen Lärm verursachten.
Ich war ja doch etwas gespannt, denn auf ihren Alben klingen die mitunter gar nicht übel. Gleich zwei Girls, an Bass und an der Leadgitarre, finden sich auch nicht in jeder Rockband und dürften ein Grund gewesen sein, dass sich trotz aller Lautstärke der Großteil der Anwesenden so weit wie möglich nach vorne quetschte.
Mir hat der "Gesang" von Blaine Cartwright auch von weiter hinten noch genügt und die Musik kam eh undifferenziert rüber. Irgendwo zwischen AC/DC und MOTÖRHEAD lärmen NASHVILLE PUSSY im Prinzip ordentlich rum, aber wenn man vorher einen sympathischen Showman erster Güte gesehen hat, nervt einen ein Rumpelstilzchen wie der Pussy-Frontmann doch gehörig.
Schön, Rock'n'Roll Outlaw von ROSE TATTOO zu bringen war nett, aber das entschuldigt nicht für alles.

Für die DIAMOND DOGS würde ich den Trip jederzeit wieder unternehmen, auch wenn der Auftritt eindeutig zu kurz war. 2 - 3 Stunden wäre recht.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 15.12.2005