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Das im Rahmen ihrer 40-jährigen Bandjubiläumstour anberaumte DEEP PURPLE-Konzert in der KöPi-Arena in Oberhausen hat mich erneut in
meiner Meinung, Großhallenkonzerte seien meist ihr Geld nicht wert, bestätigt. Ich habe so einige Dutzende Konzerte in großen Hallen und Arenen
erlebt und ging nie hundertprozentig überzeugt nach Hause. So sprang auch der Funke den es braucht, um einen Zuschauer/Zuhörer zu beeindrucken
bzw. zu berühren, am Donnerstag in der zu etwa Dreiviertel gefüllten KöPi-Arena nicht über. Glücklicherweise musste ich als
Berichterstatter für's Hooked On Music kein teures Geld auf den Tresen legen und wie man an den feinen Fotos des Kollegen Litges erkennt, war
es zumindest optischerseits kein Fiasko.
Interessanterweise hat mich die Supporting Band aus der Schweiz, die unverwüstlichen GOTTHARD, die mit ihrem Happy-Go-Lucky Mainstream Metal für gute Laune sorgten, weniger gelangweilt als die offenbar
etwas (tour-)müden, irgendwie demotiviert wirkenden DEEP PURPLE.
GOTTHARD ließen zwar keine der üblichen Publikumsanmachparolen aus, was mitunter etwas anbiedernd und aufgesetzt wirkte, brachten aber ein
ordentliches Pfund donnernder Rockmusik über die Rampe, wobei der formidable Sänger Steve Lee seine Truppe intonationssicher und äußerst
kraftvoll zwischen BON JOVI verdächtigen Kuschelsongs und deftigen Riff-Rockern mit satten Twin-Lead-Guitars hin und her dirigierte. Langeweile
kam während der immerhin 60 Minuten nicht auf. Hätte ich so nicht erwartet, Männer. Gute Show, trotz meiner miesen Sicht (Seitenrang, ca. auf
Höhe der Bühne, schätzungsweise 70 bis 80 Meter Luftlinie bis zur Bühne)) und des teilweise mangelhaften Sounds!
Dachte ich bei GOTTHARD noch, der Sound könne ruhig etwas differenzierter, transparenter und echter klingen, wurde ich während der ersten
DEEP PURPLE Songs eines besseren belehrt. Es mag durchaus daran gelegen haben, dass Kollege Litges und ich generell eine ungünstige
Position innehatten, doch die angebotene Lautstärke war einfach kontraproduktiv und, mit Verlaub, nach über 30 Jahren Rock'n'Roll darf ich mir
dieses Urteil wohl erlauben, die Orgelriffs des Hammond-Wizards und Jon Lord Nachfolgers Don Airey, haben mir zeitweise in den Ohren
geschmerzt. Kollege Litges stand auch für die üblichen 3 Songs im Fotopit und ließ sich von Steve Morses Gitarrenkaskaden die Trommelfelle
durchbürsten. Wow! Hard-Rock muss laut sein, Leute, aber nicht so matschig laut. Bleibt zu hoffen, dass die Fans im Innenraum es besser trafen.
Wie bereits angedeutet, spulten PURPLE ihr 90-minütiges Programm ohne großartige Höhepunkte routiniert herunter, wobei der in Ehren ergraute
und momentan recht schlank daherkommende Ian Gillan kaum Esprit oder Charisma zu versprühen verstand und auch Schwächen bei der
Treffsicherheit schwieriger Töne offenbarte. Okay, mit 63 Lebensjahren und 40 Profi-Bühnenjahren auf dem Buckel darf man auf eine gewisse
Portion Verständnis hoffen, doch die Art und weise wie Gillan sein Programm abzuarbeiten schien, war nicht gerade von prickelnder Spannung
geprägt.
Möglicherweise war meine Erwartungshaltung einfach zu hoch. Ich hatte DEEP PURPLE niemals zuvor live erlebt, kenne ihre Platten aber seit
meinen frühesten Jahren (Black Night z.B. war eine meiner ersten Singles), kenne einige Live-DVD's der Herren und weiß ihre Fähigkeiten
durchaus zu schätzen, mag vor allen Dingen auch den imposant spielenden Drummer Ian Paice, doch der Donnerstagabend in Oberhausen war
nicht dazu angetan, den PURPLE'schen Legendenstatus bei mir zu manifestieren. Vielleicht haben sie einfach auch zu wenig Gassenhauer im
Gepäck gehabt. Wo waren unvergessene Perlen wie Fireball, Woman from Tokyo, Maybe I'm a Leo, Bloodsucker, When a blind man cries
oder Never before? Oder haben sie diese Songs etwa alle im Zugabenblock gebracht, den wir während des ersten Encores (Hush) schließlich
Richtung Parkhaus verließen? Wohl kaum.
Immerhin gab's einige fette Songs wie das unkaputtbare Highway star oder das furiose Space truckin', ein fröhliches Strange kind
of woman und das unvermeidliche Smoke on the water, bei dem natürlich das Publikum in die Pflicht genommen wurde, das zwar
bereitwillig, aber keineswegs enthusiastisch mitging.
Okay, PURPLE wollen sich wahrscheinlich nicht als tumbe Oldieband verstanden wissen, insofern kann man die mit publikumswirksamen
Glanzlichtern eher ärmlich ausgestattete Setlist möglicherweise noch nachvollziehen. Aber, Leute, ein wenig mehr Lust, Enthusiasmus und
Leidenschaft darf man doch wohl von ein paar gestandenen britischen Legenden wie PURPLE erwarten? Oder liegt alles doch nur an meiner
Antipathie gegenüber großen Hallen und Arenen?
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