Fotos: Uli Rösch
Dana Fuchs,
Wiesbaden, Walhalla Spiegelsaal, 10.05.2009

Sonntagabend in der Landeshauptstadt Hessens. Was kann da schon geboten sein? Michael Steinbrecher schlurft durch die Innenstadt, wovon immerhin wir mittels präziser Wegbeschreibung profitieren. Das altehrwürdige Walhalla-Theater hätten wir sonst wohl noch eine Weile gesucht. Der dicke Teppich auf den Treppenstufen hat, ebenso wie der Rest des Inventars schon besser Zeiten gesehen. Viel Bessere als den heutigen Abend indes wohl kaum, denn mit Dana Fuchs und ihrer Band sind ein ganz heißer Blues-Act angekündigt.

Die Band kommt zwar, staubedingt, ein paar Stunden zu spät, sodass das Konzert eine gute Stunde später anfängt, aber dem überwiegend älteren Publikum ist keine Unruhe anzumerken. Und die meisten scheinen sich auch nicht daran zu stören, dass sie bei so einem Powermädel wie Dana Fuchs im bestuhlten Saal sitzen müssen.
Obwohl meine Begleiter und ich die Plätze direkt vor der Bühne ergattern, würden wir lieber stehen und ordentlich mitrocken. Aber ähnlich ging's mir ja schon einmal bei einem Konzert von Candye Kane.

Kurz nach neun Uhr betreten Gitarrist und Songschreibpartner Jon Diamond, sowie Bassist und Drummer die Bühne. Im Blues ein gängiges Schema, dass der Star die Bühne betritt, nachdem die Begleitmusiker den Abend eröffnet haben.

Die hoch aufgeschossene Dana bekommt denn auch den leicht frenetischen Applaus als Begrüßung, den sie zweifellos verdient hat. Einen Keyboarder, wie auf dem Album "Live in NYC", hat die Band nicht in ihren Reihen, aber daran denken wir nur zu Beginn des Konzertes. Die Präsenz von Dana Fuchs auf der Bühne ist so faszinierend wie einnehmend, dass ihrer Bandkollegen Mühe haben sich zu profilieren.
Jon Diamond spielt die Eröffnungsakkorde von Almost Home und umgehend ist der "Spiegelsaal" von kräftigster Blues-Rock Musik gefüllt. Im Gegensatz zum Auftritt in Voccawind, wo Jon einzigster Instrumentalist neben Dana war, hat er hier die Möglichkeit zu längeren Soli und bereits in dieser ersten, powervollen, Nummer verblüfft er mich mit ungeahnten Fähigkeiten. Dass er ein hervorragender Rhythmiker ist, war mir klar, aber wieso Dickey Betts auf einer seiner letzten Amerikatourneen, nachdem der mit Jon auf der Bühne gejammt hatte, beeindruckt war, wird mir hier schnell klar.

Darüber thront natürlich die Stimme und die Power von Dana Fuchs. Nicht nur optisch ist sie der Mittelpunkt. Sobald sie die Stimme erhebt, bannt sie die Zuhörer mit ihrem Gesang. Vergleiche zu Janis Joplin fallen einem schnell ein, aber allein physisch ist Dana schon ein anderes Kaliber. Bei Lonely For A Lifetime nimmt sie erstmals ihre, nach hinten übergebeugte "Robert-Plant-Pose" ein und noch weitere "Anmacher" sollten folgen. Nachdem der Bassist das Krachen aus seinem Sound, mittels eines neuen Kabels, eliminiert hat, kommt das etwas ruhigere und Dana verstorbener Schwester gewidmete Songbird gewohnt emotional und mitreißend. Bereits mit diesem, vierten, Lied, schafft es Dana das Publikum zum Mitsingen zu bewegen.

Die Stimmung bekommt einen weiteren und großen Schub mit dem treibenden Rockabilly von Bible Baby, mit dem Dana Fuchs in ihre "Church of Love" einlädt. Auch hier läuft Jon Diamond zu großer Form auf und begeistert mit einfallsreichen Licks und Riffs auf seiner Telecaster. Für Misery hängt er sich die Blues-Harp um und verziert diesen "Love Song" mit heulenden Mundharmonika-Tönen.

Aber wenn Dana Fuchs sich in Szene setzt, treten selbst die einfallsreichen und tollen Soli, sowohl vom Bassisten als auch vom Schlagzeuger in den Hintergrund. Dieses Mädel singt, brüllt, schreit, stampft, trampelt auf dieser Bühne, donnert sich das Tambourine mit beängstigender Vehemenz an den Körper, mit einer Energie und einer "Röhre", die jeden mitreißt. Die auch vor keinem Equipment halt macht. Hier ist es das Gesangsmikro vom Bassisten, welches über die Monitorbox fliegt, dort das Bassdrum-Mikro, welches bald den "Kopf hängen lässt". Da mal eines von Jons "Bodentretern" oder gar das eigene Gesangsmikro, das bald kapituliert. So muss Jon Diamond sein Mikrofon hergeben, damit die Show weiter gehen kann.

Mal funky, mal mehr bluesig, aber immer mit Drive, wie die Nummer heißt, in die die Band flugs Papa Was A Rolling Stone einflechtet.
Als letzte Nummer kündigt Dana einen Song aus dem Soundtrack von Across The Universe, dem auf BEATLES-Songs basierenden Film, in dem sie mitspielt, an: Helter Skelter. Hier geht's nochmals richtig ab, bis die Sängerin rücklings auf dem Boden liegt. Klasse, wie Jon Diamond in diesen knallharten Rocker ein sehr bluesorientiertes Spiel einbringt. In der Zugabe bekommt das Publikum, welches sich zum letzten Lied endlich erhebt, u. a. eine berauschende Version von Gimme Shelter geboten. Richtig klasse!

Fast zwei Stunden dürften um sein und, bis auf die Tatsache, die meiste Zeit bei so einer Show sitzen zu müssen, bin ich - und meine Begleiter - absolut begeistert. Die Frau - und auch Jon Diamond - muss man wirklich gesehen haben. Es stehen dieses Jahr noch ein paar Konzerte an und ernst zu nehmende Blues- und Rockfreunde sollten sich das wirklich nicht entgehen lassen! Das neue Album wird erst für Ende dieses Jahres/Anfang nächstens Jahres erwartet. Das wahre Dana Fuchs - Feeling wird man aber auch dann nur im Konzert erleben können. Und müssen!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 10.05.2009