Fotos: Epi Schmidt
Dana Fuchs,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 15.03.2010

Das dritte Mal sollte es an diesem Montagabend sein, dass ich dieses Mädel live auf der Bühne erleben darf. Und so langsam scheint es sich in Deutschland herumzusprechen, welche Ausnahmesängerin hier zu erleben ist, denn konnte man bei den ersten Malen noch vom "kleinen Kreis" sprechen, stehen die Besucher schon Schlange vor dem Aschaffenburger Colos-Saal und im Endeffekt ist der Zuschauerraum doch locker gefüllt. Naturgemäß wird's nach vorne hin enger, aber genau da zieht es mich bald hin, denn Dana Fuchs muss man hautnah erleben.
Wie schon ihre Live-CD/-DVD eröffnet sie auch den heutigen Abend mit dem dynamischen Almost Home und schmirgelt sich da langsam warm. Desgleichen die Band die einen druckvollen, wenn's sein muss auch verspielten, Klangteppich webt. Besonders sticht natürlich Gitarrist Jon Diamond hervor, der mühelos zwischen treibenden Rhythmen und energetischen Soli wechselt. Hiding From Your Love folgt und nimmt den Dampf nur wenig heraus, dafür verbreitet sich ein Tito & Tarantula-Desert-Feeling. Nachdem keine Vorgruppe war, sind Zuhörer und auch Band jetzt richtig angewärmt und mit Lonely For A Lifetime geht es für mich so richtig los. Die Band powert, Jon macht den Chuck Berry und Dana röhrt, was ihre Stimme hält. Die ist nämlich tatsächlich durch eine Grippeinfektion angegriffen, aber da muss man schon sehr genau hinhören, um davon etwas zu merken.
Das etwas ruhigere und, wie immer, ihrer verstorbenen Schwester gewidmete, Songbird (Fly Me To Sleep) nutze ich für den Weg zum Bühnenrand. Auch heute bringt Dana das Publikum, fast mühelos, dazu mitzusingen. Allerdings habe ich die Aschaffenburger Zuhörerschaft schon mal sangesfreudiger erlebt. Trotzdem macht es Spaß, wie immer.

Einen Song vom anstehenden neuen Album gibt's und der lässt - sofern repräsentativ - auf ein recht rockiges Werk schließen.
Mittelpunkt des Geschehens ist natürlich die Sängerin und die zieht wie gewohnt alle Register. Es macht so richtig Spaß, wenn sie zum Beginn eines Songs ihren Körper strafft, ein angriffslustiges, nahezu teuflisches, Grinsen aufsetzt und sich, einem jungen Pony gleich, darauf vorbereitet loszugaloppieren. Oft meine ich, ihre Stiefel aufstampfen zu sehen.
Bald ist ihr der Mikrofonständer zu lästig und sie feuert ihn zum Bühnenrand und das In-Ear-Monitoring System ist auch bald aus Ohren und Bluse gezerrt und verbannt. Die hält nix auf!
Jon Diamond hängt sich für das ohrwurmverdächtige Misery die Mundharmonika um und glänzt in Drive mit ideenreichem Gitarrenspiel.
Ich kann mich nur wiederholen: die Frau ist der Wahnsinn! 95% der Sänger verziehen sich während des Schlagzeugsolos von der Bühne, zumal wenn sie gesundheitlich angeschlagen sind. Mrs. Fuchs steht stattdessen noch auf dem Schlagzeugpodest dabei und feuert Carter McLean noch zusätzlich an. Desgleichen beim bald folgenden Bass-Solo, wo sie sich vor Bassist Walter Latupeirissa kniet und auf den Boden legt, sich das Tambourine gegen Beine, Bauch und Brust donnert und den Bassisten zu einem wirklich tollen Solo treibt.
Immer wieder sucht sie auch die Nähe zum Publikum, ruft die "Church of Love" aus, und mit feurigem Rockabilly liefert Jon Diamond den Background zu Bible Baby. Eines meiner Favoriten in einer von Highlights gesegneten Show.

Zu den Favoriten von Dana gehören die ROLLING STONES und deren Gimme Shelter folgt als nächstes und reißt das Publikum mit. Ihrer Aufforderung das jeder seinem Nächsten - ob Mann oder Frau - einen Kuss geben soll, kommt keiner so wirklich nach, aber sie geht mit gutem Beispiel voran und knutsch so die halbe erste Reihe ab. Grippeviren hin oder her...
Die Show endet, wohl krankheitsbedingt, nach knapp 1 Stunden, aber eine Zugabe ist natürlich noch drin und bei Helter Skelter geht's nochmals richtig ab. Inkl. Mitsingteil für die Besucher.
Klar, etwas länger hätte es schon dauern dürfen, aber was man in dieser Zeit geboten bekommt, da würden manche Künstler tagelang spielen müssen. Nach wie vor ist Dana Fuchs und ihre Band ein absoluter Tipp für jeden Rock- und Blues-Rock Fan. Und beim nächsten Mal wird die Schlange vor dem Colos-Saal bestimmt noch länger. Ich reihe mich wieder ein!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 15.03.2010