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Lauchhammer, Friedensgedächtniskirche, 13.11.2004

Endlich mal wieder in Lauchhammer, zur von Real Music zurecht angekündigten Rockshow des Jahres. Bei den zu erwartenden Acts - THE GREAT CRUSADES und DAN BAIRD - möchte man fast sagen: natürlich proppenvoll und alle bester Stimmung und freudiger Erwartung. Trotzdem ist nicht genug zu würdigen, was Ralf Rischke mit seiner Mannschaft hier in der doch - Verzeihung, ziemlich tiefen östlichen Provinz - wieder auf die Beine gestellt hat und viele Leute, teilweise auch von weit her angereist, nach Lauchhammer gelockt hat.

Zunächst gab es per DVD ein wenig T.REX zur Einstimmung, dann legten absolut pünktlich (der streng eingehaltene Zeitplan in Lauchhammer ist sowieso immer wieder ein kleines Wunder, wenn man an andere Konzerte denkt) THE GREAT CRUSADES aus Chicago/Illinois mächtig los.
Eigentlich könnte die Band auch "The Life Of Brian" heißen, denn immerhin hören die Herrn Krumm, Leach und Hunt auf diesen Vornamen, nur Schlagzeuger Christian Moder fällt da etwas aus dem Rahmen.
Bei der Beschreibung der Musik der GREAT CRUSADES fallen oft so unterschiedliche Vergleiche wie THE BAND, Tom Waits, THE JAYHAWKS, Neil Young, Nick Cave aber auch MORPHINE oder gar Kurt Weill. Live fehlen vielleicht etwas die ruhigeren Momente, die lyrischen Barballaden die oftmals auch vom hier fehlenden Piano akzentuiert werden, dafür gibt es nietenscharfen Rock'n'Roll der Jungs, die nicht nur optisch sehr viel wert auf Stil legen. Diese schwarzen Anzüge hätte auch der Maßschneider von Al Capone nicht besser hingekriegt.
Zu hören gibt es vorwiegend Titel des neuesten Albums "Welcome to Hiawatha Inn" - famos zum Beispiel der angeschrägt groovende Rocker Drunkard On A Drunkard's Grave, aber natürlich auch etwas ältere Sachen von Never Go Home und Damaged Goods. Eine absolut authentische und mit viel Spielfreude rockende Band, mit dem charismatischen Frontmann Brian Krumm als hervorragendem Sänger und Gitarristen.
Ein paar Coverversionen gibt es denn zur Freude des Publikums auch noch, so wird Roy Orbison mit Only The Lonely zitiert und es wird an Warren Zevon mit mit Werewolves Of London erinnert, das wirklich ganz schön nach Sweet Home Alabama klingt, nichts für ungut Warren und r.i.p.
Mit diesem fantastischen Auftritt haben die GREAT CRUSADES bewiesen, dass sie das "Great" zurecht im Namen tragen: Eine großartige und schlichtweg große Band.

Und dann kam natürlich der Mr. Goodtime-Party-Abgeh-Rocker himself, Dan Baird, begleitet vom rhythmischen Herzstück der GEORGIA SATELLITES, Mauro Magellan (vergleiche auch die sehr schöne GEORGIA SATELLITES-History unseres Gastautoren Jürgen Ruland) und natürlich von seinen langjährigen Kumpels Keith Christopher am Bass und Ken McMahan an der Leadgitarre.

Gleich zu Beginn legte man für die folgenden mehr als zwei Stunden Maßstäbe mit Dixie Beauxderaunt und machte klar, was hier folgen sollte: straighter, southern-infizierter Gute-Laune-Kick-Ass-Rock mit vier Jungs, die ihre Musik nicht spielen, sondern leben.
Auf dem soliden Fundament von Christopher ("Has anyone scissors? I can't see anything." kommentierte er seine Langhaarfrisur) und den exakten Powerdrums von Magellan, legte McMahan immer wieder fulminante und doch scheinbar lässig aus dem Ärmel geschüttelte Soli hin, die hatten, was ein mancher noch berühmterer Name nie erwerben wird: Ein unglaubliches Timing und Gespür für Stimmungen und Dynamik, sowie ein sagenhaftes Rock-Feeling. Wirkte er auf der Bühne eher wie ein freundlicher großer Grizzly, konnte er im entscheidenden Moment genauso wie dieser blitzschnell zupacken und flink agieren, nur dass es hier nicht um das Fangen von Lachsen sondern das Glühen der Gitarrensaiten ging. Und Dan Baird ist einfach der geborene Rocker. Alles wird der Musik und dem Spaß daran untergeordnet, Äußerlichkeiten, Showgehabe oder gar die Regularien des Musikbusiness sind dem Mann in etwa so wichtig wie der sprichwörtliche Sack Reis in China.
Stattdessen gibt er einfach Gas auf der Bühne und ackert sich durch eigenes Material und natürlich auch ein Sack voll Songs der GEORGIA SATELLITES, um immer auch mal wieder gute Vorbilder zu zitieren. So wird Get It On mit Little Queenie verquickt oder es gibt Gimme Some Lovin'von der SPENCER DAVIS GROUP. Natürlich fehlen auch die selbstgemachten Klassiker nicht, wie Railroad Steel, Open All Night oder auch das Man-kann-es-kaum-mehr-hören-deshalb-nur-kurz-aber-wir müssen-es-spielen Keep Your Hands To Yourself.

Eine Heavy-Southern-Version von Hellride Train führt dann allmählich zum lautstark geforderten Zugabenteil, bei dem nochmal kräftig Rockklassiker zitiert werden: It's All Over Now, Helpless von Neil Young, das Dan dem Wahlausgang in den USA "widmet" und auch noch Twistin' The Night Away.
Nach mehr als 120 Minuten Vollbedienung in Sachen Abgeh-Mucke geht ein rundum gelungener Rock-Party-Abend in Lauchhammer zu Ende, bei dem alles gestimmt hat: gut gelauntes Publikum, spielfreudige Bands, kompetente Veranstalter und nicht zu vergessen eine perfekte Soundabstimmung. Alle Beteiligten werden gerne wiederkommen.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 15.11.2004