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Fotos: Ralf Stierlen
Coppelius,
Stuttgart, LKA Longhorn, 28.03.2009

Inzwischen sind sie ja schon fast eine Art HoM Haus- und Hofkapelle, so sehr sind uns COPPELIUS mittlerweile ans Herz gewachsen. Ein Jahr ohne eine Liveauftritt der hochwohlgeborenen Herren ist definitiv ein verlorenes Jahr. Also eilte der Rezensent, als in die Kunde eines Auftritts ganz in seiner Nähe erreichte, frohen Mutes nach Stuttgart ins eher alte denn ehrwürdige LKA Longhorn. Es gab ja auch hinreichend Anlass, hatte zuletzt eine recht neumodisch anmutender Tonträger namens "Tumult" das gemeine Volk erreicht und war für den heutigen Abend auch die Weltpremiere neuer bewegter Bilder zum Titel Habgier angekündigt worden.

Ein recht ungewohnter Anblick bot sich im Inneren der Räumlichkeiten, waren doch erhebliche Teile des Longhorns mit schwarzem Tuch bedeckt um die Zahl der Unerschrockenen vor de Bühne nicht gar zu bescheiden erscheinen zu lassen. Die Herren von COPPELIUS sind in der Öffentlichkeit eben noch nicht in dem Maße zu Anerkennung gelangt, wie sie es denn verdient hätten, was möglicherweise mit ihrer Instrumentierung, ihrer Art sich zu kleiden und ihrem Alter von durchschnittlich 200 Jahren zu tun hat. Derlei Dinge sind einfach mit den heutigen kommerzialisierten Medien, die auf jugendlichen Gleichklang aus sind, unvereinbar. Dennoch ist zu verzeichnen, dass sich die Zahl der Sympathisanten seit dem letzten Besuch der schwäbischen Metropole (damals im Bürgerhaus Botnang) deutlich vervielfacht hat, was auch der ergebene Diener Bastille mit Freuden vermerkte.
Mit einem durchaus repräsentativen Querschnitt durch das Schaffen des Sextetts zauberte man schnell ein zufriedenes Lächeln auf die Gesichter der Anwesenden, dass sich nach und nach zum Grinsen manifestierte: Natürlich die neuen Stücke von "Tumult" wie Zu Dir, Schöne Augen oder der Moritat über den Diebstahl geistigen Eigentums in Komposition - passenderweise eine Neuauflage von Operation des Vorgänger-Silberlings "Zeit", aber auch die Bandklassiker früherer Tage wie Urinstinkt oder To My Creator. Man nenne es Kammercore oder Heavy Wood, jedenfalls hat diese Musik inzwischen ihre eigene Nische zwischen Folk, Metal, Klassik und Gothic gefunden.

Max Copella und Comte Caspar duellierten sich unentwegt an der Klarinette, so dass man die Erfindung elektrischen Instrumentariums als neumodisches Teufelszeug abtun konnte und Graf Lindorf am Cello sowie Sissy Voss am Kontrabass setzen die passenden tieftönenden Fundamente. Schlagzeuger Nobusama, optisch etwas aus dem Rahmen fallend, begeisterte nicht nur mit seiner die Felle gerbenden Schlagkraft sondern auch mit einer weitgehend sinnfreien Gesangseinlage. Und Sänger, Butler, Conferencier und ergebener Diener Bastille hat nicht einmal etwas verschüttet. Allerdings erweist sich seine gestutzte Lockenpracht als etwas kümmerlich beim Versuch des rhythmischen Kopfkreisen (neuerdings auch "Headbanging" genannt).

Ein weiterer Höhepunkt war dann natürlich die Uraufführung des bezeichnenderweise in einer Kerkeranlage spielenden Filmchens zu Habgier, das auf einer eigens bereitgestellten großen Leinwand dem Publikum zum Pläsier dargereicht wurde. Nach der erschöpfenden Danksagung bei den Mitwirkenden wurde das Stück dann gleich noch einmal live gespielt. Angesichts des fortgeschrittenen Alters der Herrschaften musste Bastille, gemeinsam mit dem Publikum, doch einige Anstrengungen unternehmen, um das Da Capo zu gewährleisten, Dies viel dann aber in zweifacher Ausführung noch einmal erfreulich umfangreich aus. Alles in allem konnte das Auditorium nach guten zwei Stunden frohen Mutes die Kutsche besteigen, um die heimischen Gestade anzusteuern. Das Fazit konnte nur lauten: "COPPELIUS hilft!"

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 28.03.2009