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Aschaffenburg, Colos-Saal, 21.02.2001

Hier sind sie endlich wieder: Die wahren Whitesnake!
Oder zumindest 50% von ihnen. David Coverdale hat sich ja mal irgendwann für den kommerzielleren Weg entschieden. Der Weg von Jon Lord und Ian Paice ist bekannt.

Aber zunächst unterhalten Mob Rules aus Wilhelmshafen mit 80er Jahre-Metal der Schiene Iron Maiden, bzw., was näherliegend scheint, Helloween.
Ausschließlich eigene Songs ihrer 2 veröffentlichten CD's packen die Norddeutschen in ihr ca. 40 minütiges Set. 2 Gitarren, Bass, Schlagzeug, Sänger und ein auf relativ verlorenen Posten stehender Keyboarder. Allesamt nicht sonderlich spektakulär spielend, aber gut und unterhaltsam. Von den Songs ist leider nichts bei mir hängengeblieben, was aber auch nicht sonderlich verwunderlich ist bei dem was danach kam.......

Das Colos-Saal ist mittlerweile gut gefüllt und nach einer erträglichen Umbaupause schlendert Micky Moody als erster auf die Bühne. Heutzutage mit Kopftuch statt dem früher obligatorischen Hut. Ihm auf den Fersen: Neil Murray, inzwischen ergraut und ein ganzes Stück älter als Micky aussehend. Hinter den Drums platziert sich John Lingwood und an den Keyboards noch ein alter Bekannter: Don Airey (u. a. Rainbow). Und natürlich, Urgestein Bernie Marsden an der zweiten Gitarre. Vielleicht als einziger, trotz seiner inzwischen erstaunlichen Leibesfülle, vom Publikum sofort identifiziert.

Und schon geht's los: Kurzes Intermezzo und rein in COME ON. Wie erwartet der Opener und jetzt kommt auch Sänger Stefan Berggren auf die Bühne. Da ist optisch schon ein gewaltiger Unterschied zum Rest der 'Snakes'. Mit kurzen Haaren, schlank und wahrscheinlich 25 Jahre jünger als seine Mitmusiker.
ABER: Eine Stimme!! Man könnte wirklich meinen, wenn man die Augen zumacht, Coverdale himself wäre auf der Bühne und zwar in der Form von 1980!
WALKING IN THE SHADOW OF THE BLUES ist der zweite Song, schon eh und je einer meiner Favoriten.
So geht's denn auch weiter: Ziemlich das Programm der aktuellen Live-CD. TROUBLE, KINDA WISH YOU WOULD (von der Moody/Marsden Band, und auch gesungen von Bernie Marsden). DON'T BREAK MY HEART AGAIN (war Number fünf in Deutschland -Ansage Bernie-).
Micky Moody bekommt seinen Slide Solo-Spot. Erstaunlich wie der Kerl noch immer in der Lage ist hier und da einen zusätzlichen Trick (Lick?) auszupacken ohne einfach sein wohl bekanntes Solo von 1978 zu wiederholen.
Das Solo mündet direkt in SLOW AN' EASY. Und wieder: Diese Stimme! Schon ist man mittendrin im ersten längeren Mitklatsch-/Mitsingteil: "Take me down - SLOW AN' EASY! Make love to me - SLOW AN' EASY!..." Stampf, Klatsch, erste Gänsehäute kündigen sich an. SWEET TALKER, READY AND WILLING, FOOL FOR YOU LOVING....

Für AIN'T GONNA CRY NO MORE schnallen sich Bernie Marsden und Micky Moody die Akustik-Gitarren um. In Bernies Fall eine Zwölfsaitige. Es ist einfach begeisternd wie diese beiden Jungs (Jungs? Fred wundert sich; HoR) zusammenspielen: Immer mit dem Gespür, auch für den anderen Platz zu lassen und an den entscheidenden Momenten, auf den Punkt, zusammen zu kommen. Das zeichnet überhaupt, neben dem Supersound (wenn auch laut, aber wir sind schließlich auf einem Rockkonzert), den Abend aus: Eine Spitzen-Gitarrenarbeit, ohne einfach die alten Sachen zu reproduzieren (das hätte mir auch schon gereicht!). So setzen Moody/Marsden, völlig locker, kleine Licks dazwischen, pushen sich gegenseitig und haben, nach all den Jahren, ganz offensichtlich immer noch einen 'Heidenspaß' am Zusammenspiel.

Noch was erfreuliches: 'Is This Love' und 'Since You've Been Gone' bleiben aus dem Set.

Dafür: AIN'T NO LOVE IN THE HEART OF THE CITY!!! So wollte ich das haben!!! Natürlich wieder mit langem Mitsingteil (willkommen im Jahr 1980) und kurzem angefunktem Jam-Outro.

Das Keyboard-Solo von Don Airey startet mit 'Green Onions' und fegt dann durch die Rock- und Klassikgeschichte. WINE, WOMEN AN' SONG folgt.

Zur ersten Zugabe kommt HERE I GO AGAIN, im Moody/Marsden Arrangement. Für mich das zweitbeste nach der Originalversion von 'Saints and Sinners'.

Zur zweiten Zugabe knallen sie uns ROUGH AN' READY um die Ohren (es ist inzwischen merklich lauter).

Und das war's dann auch schon. Ein Klasse-Konzert! Ich muss noch erwähnen, das mich Bernie Marsdens Stimme beeindruckt hat. Sowohl beim Lead- wie auch beim Backgroundgesang, immer einwandfrei.

Mir bleibt zu hoffen, das Bernie sein Versprechen hält und im Sommer wieder mit seiner 'Company Of Snakes' in Deutschland unterwegs ist. Denn dann bin ich wieder dabei:
-Ready an' Willing-!!!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 21.02.2001