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Fotos: Ralf Stierlen

Comets On Fire
Berlin, Golden Gate Club, 14.01.2005

Comets On Fire Golden Gate Club hört sich irgendwie nicht schlecht an. Zumindest "Golden" klingt doch irgendwie mondän, hell, glänzend. Das Gegenteil ist der Fall. Die Location ("Gate" bezieht sich auf die darüberliegende Jannowitzbrücke) ist klein, eng, muffig und trotzdem kalt und scheint dem Berliner als solchem ziemlich unbekannt (was unsere "Umfragewerte" auf der Suche nach der Location ergaben). Obwohl - ein paar Leute haben schon den Weg her gefunden, schließlich hatten sich mit den COMETS ON FIRE eine der interessantesten Bands des letzten Jahres angesagt, die auf ihrem Longplayer "Blue Cathedral" (siehe unser Review) dem Genre Psychedelic Rock zu neuer Frische verholfen hatten.

Comets On Fire Angesichts unserer längeren Suche mehr oder weniger entlang der nächtlichen Dircksenstraße waren wir eigentlich ganz froh, daß das für 22.00 Uhr avisierte Konzert mit mehr als deutlicher Verspätung begann. Denn bis die fünf Jungs aus Santa Cruz auf die Bühne schlurften, hatten sich beide Zeiger der Uhr schon bedrohlich nahe der 12 genähert. Aber da es keine Support Band zu überstehen galt, konnten COMETS ON FIRE gleich in die Vollen gehen.

Comets On Fire Das Ganze glich dann allerdings eher einer gigantischen Fuzz-Jam-Session, da die Stücke ineinander übergingen, oder auch von Drummer Utrillo Kushner miteinander verknüpft wurden und ansonsten entweder Gitarrenwände von Ben Chasny und Ethan Miller aufgeschichtet wurden oder Noel Harmonson mit seinem Echoplex für starre Strukturen aufbrechende Loops sorgte. Irgendwie war alles ständig im Fluß, was aber auf Dauer nicht nur anstrengend, sondern irgendwie sogar ein Stück weit beliebig wirkte.
Free-Jazz-Attitüde, zappaesker Ansatz oder schlichtweg das Um-Sich-Selbst-Kreisen einer eigentlich vielversprechenden Band: eine kommunikative Ebene zum Publikum wurde so jedenfalls nicht aufgebaut, die sicherlich vorhanden starken Momente versackten alsbald wieder in der Ursuppe, das wirklich ansehnliche Songmaterial mit Blue Tomb, The Bee And The Cracking Egg, Wild Whiskey oder Graverobbers verkam zum Zitat in selbstreflexiven Klangkaskaden.

Comets On Fire COMETS ON FIRE versuchen sicherlich, herkömmliche Formschablonen aufzubrechen und über den vertonten Kollektivgedanken zu neuen musikalischen Ebenen zu gelangen, aber zum einen ist das nicht unbedingt weltbewegend neu und zum anderen wird dies, wenn man die Zuhörer nicht mitnimmt, in einer Sackgasse enden. Schade drum.

Jedenfalls war ein nicht unbeträchtlicher Teil des Publikums nach etwas mehr als einer Stunde teilweise heftiger Kost im Kontext von BLUE CHEER, JON SPENCER BLUES EXPLOSION, MC 5 oder FUGAZI, die man entweder Modern Psychedelia, Proto-Punk, Post-Rock oder einfach nur Laut nennen mag, reichlich erschöpft, ein wenig ratlos und vielleicht auch ein bißchen desillusioniert.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 21.01.2005