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Knaack, Berlin
Fotos: Ralf Stierlen


Sushimob
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Cloroform
Cloroform
Berlin, Knaack, 21.10.2006

Ein schöner Anlass, mal wieder ins altehrwürdige Knaack zu pilgern bot sich am heutigen Samstagabend (jawohl, altehrwürdig, hat es seine Wurzeln doch bereits in den Fünfziger Jahren, als hier 1952 das Jugendheim Ernst Knaack entstanden ist, benannt nach dem deutschen Kommunisten und Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten), gab es doch gewissermaßen eine WAGGLE DAGGLE RECORDS-Labelnacht. Die mittlerweile in der Hauptstadt angekommenen rührigen Wackeldackler beheimaten nämlich sowohl SUSHIMOB als auch CLORORFORM.

Sushimob Recht zügig ging es mit SUSHIMOB los, die ja die Veröffentlichung ihrer neuesten und besten, da auch ersten Longplay-Scheibe "The Controls And Their Function" zu feiern hatten.
Leider noch vor einem sehr überschaubaren Publikum zockten die drei Frankfurter ihren in den Neunzigern fußenden, gleichzeitig Kopf und Bauch bedienenden Alternative Rock, der geradlinig auf den Punkt kommt und mit einfachen, aber wirkungsvollen Mitteln auf der Klaviatur der Gefühle spielen will, dabei jedoch vor allem ordentlich rockt. Sicherlich nicht die Neuerfindung des Rades, aber solide, bodenständig und sympathisch legten sich die Jungs ins Zeug und überspielten tapfer die etwas maue Stimmung aufgrund des noch ziemlich leeren Saales.
Sushimob Mit mehr Resonanz (zum Beispiel auf heimischem Boden im Frankfurter Clubkeller, im Wiesbadener Schlachthof oder im Hofheimer Jazzkeller) stelle ich mir das Ganze jedenfalls als runde Sache vor, bei der sich Band und Publikum gegenseitig hochzuschaukeln vermögen. Dagegen ist die Hauptstadt an einem Samstag Abend doch etwas undankbar.

Cloroform Immerhin, zum Hauptact CLOROFORM füllte es sich dann doch noch einigermaßen, so dass das Knaack zum Auftritt der drei norwegischen Weirdos gut zur Hälfte gefüllt war. Immerhin war dies schon der dritte Besuch der Männer um John Kaada in Berlin für dieses Jahr, hatten sie doch nach dem Konzert im Januar auch zur Popkomm im September ihre Aufwartung gemacht. Diesmal ohne Verstärkung durch Raldo Useless an der Gitarre, probte das Trio neben einigen Nummern aus dem letzten Release "Cracked Wide Open" auch die Wirkung mancher neuen Stücke auf das Publikum, ist doch für 2007 eine neue Veröffentlichung geplant. So ging es zunächst mit einer Art Psychobilly los, natürlich in der gewohnt überdreht-wahnwitzigen Performance der Drei im Müllmänner-Outfit.

Cloroform Børge Fjordheim bearbeitete sein Schlagzeug zumeist mit der Zärtlichkeit eines amoklaufenden Serienmörders, übernahm daneben auch etliche Gesangsparts und bildete zusammen mit dem immer zwischen Jazz, Metal und Wahnsinn wandelnden Bassriesen (im wahrsten Wortsinne) Øyvind Storesund (auch bekannt von KAIZERS ORCHESTRA) das rhythmische Fundament dieser fulminanten Mischung aus Pop, Noise, Jazzcore, Metal, Trash und Electro. Dennoch ist John Kaada das Salz in der Suppe, mit seinen irrwitzigen Keyboardsounds zwischen funky, dröhnend und rockig durchgeknallt. Ein echter Hingucker, wenn er, dazu noch in einer Art Spagatschritt, gleichzeitig die beiden parallel stehenden Keyboards bearbeitete oder als ironisch angelegter Crooner glänzte. Zwar kommunizierte er diesmal nicht ganz so viel mit dem Publikum, aber seine Bühnenpräsenz ist einfach Rock-Entertainment, wenn auch der etwas schrägen Art.

Cloroform Kadaa, der ja auch häufig mit Ex-FAITH NO MORE Frontmann Mike Patton zusammenarbeitet und mit diesem ein Faible für eine spürbare Exaltiertheit besitzt, schreit, flüstert, schleimt oder blökt seine Gesangsparts (mitunter auch verfremdet) von der Bühne und gibt den Tasten-Derwisch. Der abgedrehte Soundmischmasch erinnert ein wenig an DEVO, ALEC EMPIRE, DRESDEN DOLLS, EAGLES OF DEATH METAL ohne Gitarren und reicht von Freejazz über noisigen Pop bis zu härtesten Tobak. Manchmal wirkte mir das am heutigen Abend im Knaack aber noch nicht ganz ausgefeilt, als ob an manchen Stellen noch etwas geschliffen werden müsste, da hatte ich das Konzert im Mudd Club etwas straffer in Erinnerung, auch wenn Kadaa damals ausgiebig über seine Erfindung des ultimativen Rockriffs philosophiert hatte.

Cloroform Die mitreißendsten Stellen waren eindeutig die Passagen, in denen das Trio gemeinsam Gas gab, wenn die Songs kompakt und kraftvoll dargeboten wurden. Da ging dann auch im Publikum die Post ab, schließlich rockt und groovt das Material der Norweger zum Teil wirklich auf geradezu unverschämte Weise. Dagegen sorgten die manchmal etwas langatmigen Bass- oder Schlagzeugsoli für einen Spannungsabfall und die eine oder andere Länge, bis dann endlich wieder Kadaa ins Spiel kam.
Auch wenn das Spiel mit den Erwartungen und ironische Brechungen von CLOROFORM gern genutzte Stilmittel sind, sollten sie in Zukunft noch für einen etwas strafferen Ablauf sorgen, um das Publikum noch besser in den Griff zu kriegen. Ich denke aber, wenn das neue Material endgültig steht, werden hier die Rädchen auch noch reibungsloser ineinander greifen und diese außergewöhnliche (Live-)Band ihr erstaunliches Potential vollständig abrufen kann. In jedem Falle war es wieder ein sehr unterhaltsamer Abend, bei dem die Zeit wie im Flug vergangen ist.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 25.10.2006