Berlin, Mad'n'Crazy, 04.06.2004

Oh je, erst was Peinliches vorneweg. Ausgerechnet zum Konzert von CAKECUTTER habe ich die Kamera zuhause vergessen, das ganze natürlich erst in Berlin bemerkt. Und da war es zum Umdrehen nach Cottbus schon zu spät... dabei hätte es einiges gegeben, das man eigentlich nur glaubt, wenn man es mit eigenen Augen gehsehen hat.

Gaby Godhead Aber der Reihe nach. Selten hat der Name der Location wohl besser zur auftretenden Band gepasst wie in diesem Fall. Beim Soundcheck sahen alle noch ganz normal aus und bestachen schon da durch die donnernden Twin-Drums, eine gute Portion Gitarrendruck und groovige Hooklines.
Als es dann losging, traute man (wenn man CAKECUTTER nicht schon kannte) seinen Augen kaum. Die Drummer JP Blackmoon und John Montgomery mit wild hochgesteckten Haaren und ebenso wie der neue Frontmann und Sänger Newt Di Fazio mit einer Art Stammesbemalung, waren optisch schon recht außergewöhnlich.
Den Vogel schoß aber Gaby Godhead ab. Ausgerechnet die E-Gitarre, d a s Macho-Instrument in der Rockmusik wird bedient von einer Tunte. Brünette Pippi-Langstrumpf-Frisur, Rock und High Heels, eher weniger dezent Schminke aufgelegt, war das schon eine visuelle Herausforderung. Verschärfend kam noch dazu, dass die von Sänger Newt so bezeichnete Queen of Guitar, entschuldigung, sabberte wie eine Bordeaux Dogge (wer schon einmal den Film "Scott & Huutsch" gesehen hat, weiß Bescheid).
Newt Di Fazio Trotzdem (oder deswegen?) machte das Ganze mächtig Laune: die großartigen, präzise und irrsinnig druckvoll gespielten Drums, der groovend pumpende Bass von Paul Reyes und die Rock- und Metalspuren von Gaby Godhead ergaben zusammen mit dem quirligen und charismatischen Sänger Newt eine pulverisierende Mischung aus Rock'n'Roll, Groove, Crunch, Punk und Hard Rock, die doch etliche Zuhörer im mittlerweile recht ordentlich gefüllten Mad'n'Crazy zum Tanzen animierte.

John Montgomery Die Truppe aus Los Angeles, die auch schon für "Jackass - The Movie" den Song Nude country eingspielt hat, verstand sich auf die großen, wenn auch reichlich schrägen Showgesten, so ein effektvolles, wenn auch (zu) kurzes Double-Drumsolo, wechselnde Outfits und natürlich ein Kreischgitarrensolo von Gaby Godhead, deren unvergeßliche Erscheinung TURBONEGRO veranlasste sie bzw. ihn in ihrem neuesten Video mitwirken zu lassen.
Aber dass wir uns recht verstehen: diese Freaks verstehen ihr Handwerk, das war richtig klasse pumpende, treibende, rockige Livemucke.

JP Blackmoon Nach einer schweißtreibenden Stunde konnte man in der Gewißheit, eines der spannendsten und durchgeknalltesten Konzerte seit langem erlebt zu haben, in die zu kühle Sommernacht entschwinden.




Ralf Stierlen, (Artikelliste), 07.06.2004