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Kesselhaus, Berlin
Fotos: Peter Tenzler

Cake
Cake
Berlin, Kesselhaus, 08.11.2004

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. In diesem Fall bestand die Strafe in einem proppevollen Kesselhaus. Die Anfangszeit von 20.00 Uhr hatten wir nicht so recht ernst genommen, aus der anvisierten Ankunftszeit von 20.30 Uhr wurde aus verschiedentlichen Gründen 20.50 Uhr und schwuppdiwupp bekamen wir von der Vorband THE DECEMBERISTS gerade noch ein paar Takte mit, die nach ernsthaftem, irgendwie anstrengendem Folk klangen. Schlimmer noch war allerdings, dass schon so viele Leute im Kesselhaus waren, das nurmehr der optische Katzentisch übrigblieb, das heisst an den hinteren Reihen entlanggedrückt (da man von ganz hinten absolut gar nichts mitbekommt) über irgendwie dort versammelte Leiber die Treppe zur Empore erklommen - um dort festzustellen, dass auch da sämtliche Plätze mit halbwegs freier Sicht belegt waren. Aber zurück ging nicht mehr, der Aufstieg war Kampf genug - also dort verharren, um ab und zu über eine Schulter einen Blick zu erhaschen. Irgendwie hätte man ruhig eine größere Location wählen dürfen, das Kesselhaus war mit dem Andrang eigentlich überfordert und nicht nur wir bekamen vom Auftritt von CAKE praktisch nur den akustischen Part serviert.

Cake Musikalisch ist CAKE ja ein Fall für sich: einerseits mit einer ganz eigenen und eigenartigen Mischung aus Countryeinflüssen, Soul, Blues, Hip Hop und Independent mit seltenen Rockeinsprengseln steht man doch andererseits mit beiden Beinen im Pop und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Die Akzente setzt selten Gitarrist Xan McMurdy, viel häufiger jedoch die Trompete von Vince Di Fiore, die für einen leichten Tex-Mex-Touch sorgt und vor allem auch der grummelnd-groovende Bass von Gabriel Nelson. Darüber die lakonisch-lässigen Vocals von dem eher als Geschichtenerzähler denn als Sänger zu bezeichnenden John McCrea, der auch zwischendurch eifrig mit dem Publikum kommunizierte (brockenweise sogar auf Deutsch).

Cake Mit der letzten Veröffentlichung "Pressure Chief", die natürlich entsprechend großen Anteil an der Setliste hatte, sind die Jungs aus Sacramento vielleicht sogar noch mehr in Richtung Pop gedriftet, wie z.B. Wheels oder das sich textlich mit der zunehmenden Umweltverschmutzung beschäftigende Carbon Monoxide verdeutlichen. Dabei sind auch vermehrt Keyboardklänge zu hören, ebenfalls beigesteuert von Vince Di Fiore, was von manchen als einkehrende Beliebigkeit bei CAKE gedeutet wird. Zumindest live empfand ich dies größtenteils als weiteren, durchaus wohltuenden Fabrtupfer in der Palette der Musik von CAKE.

Cake Trotz dem äußerst bescheidenen Raumangebot für jeden einzelnen Zuhörer war die Stimmung recht gut, stellenweise sogar ausgelassen, wenn es tanzbar wurde wie bei den abgefeierten älteren Sachen wie Sad Songs And Waltzes, Nugget oder The Distance. Ansonsten sind auch CAKE nach den US-Wahlen leicht angeschlagen, nachdem sie sich hier doch erstmals ziemlich deutlich aufs politische Parkett begeben haben (na, wer war wohl mit "Pressure Chief" gemeint ?).

Cake Nach etwas mehr als einer Stunde (tja, die Amis sind da doch etwas knauserig, was die Spielzeit anbelangt) verließen CAKE die Bühne um zu den vielumjubelten Zugabestücken zurückzukommen, die nach dem Motto "Das Beste zum Schluß" (oder zumindest das Populärste) ausgewählt waren. Zunächst die aktuelle Single No Phone über den Fluch der Handys und dann zum Abschluß, natürlich, I Will Survive das wohl einzig stimmige Cover dieses Songs von Gloria Gaynor in den CAKE das Solo von Neil Young's Down By The River einmontierten und somit im Jahre 1997 weltweit die Charts enterten. Live zwar nicht ganz so schön verschleppt, aber dennoch stark.
Ein insgesamt doch recht kurzes Konzert unter schwierigen Rahmenbedingungen hatte seine Höhepunkte am Ende. Mal schauen, wie es mit CAKE weitergehen wird. Die Fans haben sie jedenfalls nicht vergessen.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 09.11.2004