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Nois-O-lution
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White Trash Fast Food
Fotos: Peter Tenzler

Berlin, White Trash Fast Food, 07.06.2007

Nachdem die Temperaturen schon ordentlich in die Höhe gestiegen waren (insbesondere auch in der Hauptstadt), schien es nicht verkehrt, dass sich die BUBONIX unter die Erde, sprich in das Kellergewölbe des White Trash Fast Food begeben sollten. Dieser Klub ist ja momentan recht angesagt, zum einen natürlich aufgrund der günstigen Lage in Mitte, zu Beginn der Schönhauser Allee und nahe am Rosa-Luxemburg-Platz, nicht nur zentral, sondern auch verkehrsgünstig positioniert. Und darüber hinaus ist die Mischung auch ganz witzig: Oben der große Saal in den Überresten eines China-Restaurants, wo man sich nicht nur die Küche des amerikanischen Kontinents schmecken lassen kann, sondern es öfter auch Livemusik zwischen Country, Rock 'N' Roll und Punkabilly gibt und eine Etage tiefer die leicht verwegene Konzerthöhle mit Bar.

Nicht nur Touristen aus aller Welt und Klubhopper kehren hier gerne ein, das White Trash, wie es kurz genannt wird, ist auch bei mehr oder weniger prominenten Leuten aus der Kunst- und Musikszene wohlgelitten. Sehen und gesehen werden, aber alles noch in einem angenehm bodenständigen Rahmen ohne die eineiigen Zwillinge Schicki und Micki. Doch zur Sache: Aus verschiedenen, hier nicht weiter interessanten Umständen mussten wir leider auf die Support Band THE HEARTBREAK MOTEL verzichten, da wir erst kurz vor Beginn des BUBONIX-Sets einliefen. So gibt es hier leider nichts über die Punkrocker aus Recklinghausen. Sorry, vielleicht ein anderes Mal. Dafür aber noch rechtzeitig für den Hauptact, die Hardcore-Institution aus Limburg an der Lahn, schließlich gibt es die BUBONIX mittlerweile auch schon 13 Jahre.

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Man kennt das ja immer wieder aus Konzertberichten. Da heißt es, diese und jene Band käme live viel roher, härter, kantiger, rockiger (zutreffendes bitte anmalen und ausschneiden) rüber als auf Platte. Tatsächlich bedeutet das doch meistens: Der Sänger trifft die Töne nicht so genau, die Einsätze hauen nicht so richtig hin, die Gitarre schraddelt daneben, aber es ist alles schön laut und damit natürlich viel intensiver. Aber bei den BUBONIX war das wirklich eine ganz andere Hausnummer, ja fast schon eine andere Band. Und dabei war das letzte Album "Please, Devil Send Me Golden Hair" nicht nur zurecht ausgiebig gelobt worden. Nein, es war ja zudem ein ordentliches Brett, das mit Hilfe von Kurt Ebelhäuser als Produzenten gezimmert worden war. Nur eben kein Vergleich zu dem riesengrossen Haus, das live gebaut wurde. Hier konnte man die drei Gitarren unmittelbar körperlich spüren, der Bass von Oliver Kunz und das Schlagzeug von Hermann Weier fuhren direkt in den Magen, der Gesang von Thorsten Polomski oder Sarah de Castro mitten ins Gesicht.

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Und das schöne dabei ist, dass es hier nicht nur Hardcorevollbedienung gibt, nein, die ganz unterschiedlichen Bandcharaktere mischen Punk, Noise, Metalcore mit melodischen Rockelementen aber auch elektronischen Sounds, einem lässigen Reggaegroove oder einem feisten, aber eingängigen tanzbaren Teil. Dabei politisch mit Klarsprache unterwegs (Heiligendamm war aktuell, dazu richtete man sich schon immer gegen Rassimus und Nationalismus) ist der Band die Interaktion mit dem Publikum äußerst wichtig, weshalb man sich auch immer unter die Menge mischt. BUBONIX machen klar, dass sie mit beiden Beinen im Untergrund verwurzelt sind, in erster Linie zählt das ehrliche Bekenntnis zur eigenen Identität und Herkunft und ein gesundes Misstrauen zum Business, was natürlich große Identifikation mit den Fans schafft, die die Band über die Jahre begleitet haben.

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Aber musikalisch sollte der Schritt aus dem Untergrund in ein etwas größeres Licht hinaus gelingen, auch dank dem neuen Label Nois-O-lution und dank einer Musik, die in der deutschen Hardcore- und Noiseszene relativ einzigartig da steht in ihrer aufregenden Vielseitigkeit, hitzigen Direktheit und so fein die Balance trifft zwischen Kopf und Bauch, zwischen anspruchsvoller, nicht immer leicht verdaulicher, noisiger Kost und unverschämt mitreißendem, rockigem Elan. Indem man sich einen kleinen Schritt öffnet und zugänglicher macht, ohne die eigenen Ideale zu verraten, gewinnt man mehr als nur einige neue Fans, die plötzlich aufhorchen werden. Und live alles noch mit zehn Mal mehr Wumms. Erstaunlich, welche Töne die so zerbrechlich wirkende Sarah de Castro absondern kann, von normal intoniertem Gesang über Screamo bis hin zu Growls. Und Polomski sorgt als singender Flummi auch für den einen oder anderen spacigen Effekt an den Keyboards. Die meterdicke Gitarrenwand habe ich ja schon gewürdigt.

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Mittlerweile hat es sich zumindest in der Blogger-Gemeinde herumgesprochen, dass Fashion Tattoo ein echter Knaller ist. Ich hoffe einfach, über diesen als Mp3 ordentlich verbreiteten Song und die überall zurückbleibenden offenen Münder, deren Besitzer dann, wenn sie wieder zur Besinnung gekommen sind, begeisterte Berichte abliefern, daß noch viel mehr Leute auf die BUBONIX aufmerksam werden. Wer sie einmal live gesehen hat, kommt sowieso wieder. Denn diese Truppe hätte das Potential zum ganz großen Ding, so weit dies ihre Unangepasstheit zulässt und sofern sie sich auf dieses Terrain aus dem selbstgewählten Untergrund heraus bewegen wollen.

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Ralf Stierlen, (Artikelliste), 19.06.2007