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Maschinenhaus (in der Kulturbrauerei), Berlin
Fotos: Peter Tenzler

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Die Grundguten
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Botanica
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Botanica
Berlin, Maschinenhaus, 23.05.2006 Bildergalerie

In den schmucken Räumen der Kulturbrauerei luden BOTANICA zu einer Art Heimspiel, ist Berlin doch mittlerweile ein kreativer Rückzugsort für Paul Wallfisch geworden. Somit ist BOTANICA inzwischen schon so etwas wie eine amerikanisch-deutsche Band, zumal jetzt Christian Bongers Bass spielt und Gitarrist John Andrews schon seit längerer Zeit eine Freundin aus Greifswald hat und daher auch ganz gut mit dem östlichen Teil der Republik vertraut ist.
Nachdem das letzte Album "Berlin Hi-Fi" gemeinsam mit Moses Schneider unter anderem in den Studios von MAMASWEED fertiggestellt worden war, ist man gewissermaßen schon fester Bestandteil der Berliner Szene. Folglich tummeln sich einige Leute im Backstagebereich des Maschinenhauses in Erwartung des Konzerts, darunter Diane Weigmann, früher LEMONBABIES, die Berliner Musikerin mit dem sicherlich nettesten Lächeln (oder geht das schon als Grinsen durch?). Alle sind locker und entspannt, die Vorband DIE GRUNDGUTEN sind vielleicht einen Tick nervöser und Gitarrist John werden noch mal die Ohren durchgepustet. Zum Interview fehlt zwar noch die Hauptperson, nämlich Paul, aber der trifft auch rechtzeitig ein als das Konzert losgeht.

Die Grundguten Zunächst schlagen DIE GRUNDGUTEN deutlich leisere Töne an. Johanna Müller am Gesang und den Keyboards, Willi Witte am Schlagzeug und Markus Runzheimer am Bass und Gesang tröpfeln kleine vertonte Alltagsgedanken in den Raum, immer sehr subjektiv und ehrlich. Die Arrangements sind chansonartig spartanisch, wenn es doch einmal etwas lauter und krachender wird, geschieht dies mit einem deutlichen Augenzwinkern. Alles wirkt direkt und persönlich, eigentlich eine ideale Band für ein Gartenfest unter Freunden, zumal sich da kaum die Nachbarn beschweren können. Und als Support hervorragend geeignet, um die Stimmung freundlich aufzulockern.
Nach den guten vierzig Minuten auf der wie ein Wohnzimmer gestalteten Bühne (dazu unten noch mehr) entkommen DIE GRUNDGUTEN jedenfalls nicht ohne Zugabe einem entspannten Publikum.

Botanica Nach einigen Handgriffen auf der Bühne sind dann die Jungs um den musikalischen Bohemien Paul Wallfisch an der Reihe. Zu Beginn gibt es gleich ein schmachtendes I Desire vom neuen Album "Berlin Hi-Fi" als stimmungsvollen Auftakt. Dabei setzt, wie in der Folgezeit auch, Gitarrist John kernig rockende Farbtupfer in die dunkel schillernden Songs. Auch im Anschluss wird vorwiegend die vorzügliche, in sich runde "Berlin Hi-Fi" mit Not A Bear, Concrete Shoes, I'm Lifting, Fame und dem Titelstück, zu dem sich Paul Wallfisch ein Megaphon schnappt um die Refrainzeilen zu skandieren, präsentiert.
Die Band ist gut in Schuss, insbesondere Keith Crupis Spiel ist für Augen und Ohren spektakulär, Christian Bongers hält den Laden zusammen und John Andrews rockt mit bewundernswerter Effizienz. Und Paul Wallfisch ist natürlich ein Ausbund von Charisma, der durch seine schiere Präsenz schon zu fesseln vermag. Darüber hinaus spielt er natürlich vorzüglich Orgel und ist ein wunderbar knarzig-ausdrucksstarker Sänger.

Botanica Zwischendurch packt sich Paul Wallfisch das Akkordeon, um sich unter die Leute zu mischen, und Keith Crupi bedient neben seinem Drumkit auch mal Glockenspiel oder Kastagnetten. Vorwiegend gibt es neues Material, wie die Geschichte von Hedy und George in A Freestyle Kiss To Hedy Lamarr, einem Schlüsselstück von "Berlin Hi-Fi", oder auch den scheppernden Alternative-Rocker Someone Else Again. Aber es wird natürlich auch aus "Vs. The Truth Fish" mit Billboard Jesus oder Lost zitiert.
Mit goldmatt funkelnden Songs wie (And Then) Palermo und Eleganza & Wines bekommt diese herrlich burlesk funkelnde Indierockshow einen glänzenden Anstrich mit einem Hauch von Patina.
Botanica Apropos: ich wollte ja noch die Dekoration erklären. BOTANICA hat über ihre Website www.botanicaisaband.com den "Großmutters Wohnzimmer Wettbewerb" ausgerufen. Dort wird (in übrigens sehr charmantem Denglish) dazu aufgerufen, zum Konzert oder schon vorher ein altes Möbelstück mitzubringen, um die Bühne entsprechend gemütlich-wohnlich einzurichten: Tische, Stühle, Lampen, Teppiche etc. Jeder, der etwas mitbringt, gewinnt etwas (CD, Poster oder ähnliches) und als Hauptpreis zum Ende der Tour winkt ein Privatkonzert von BOTANICA in den eigenen Räumlichkeiten oder im eigenen Garten. Wenn das mal nichts ist.
So schmücken also unter anderem eine herrlich altmodische Wohnzimmerlampe und andere gutbürgerliche Accessoires die Bühne des Maschinenhauses und tragen ihren Teil zu einem gelungenen Konzert bei.

Botanica Nach satten zwei Stunden Spielzeit bleiben keine Wünsche mehr offen, alle gehen glücklich beseelt nachhause und der Autor kann noch sein Interview mit einem ebenfalls recht aufgeräumten Paul Wallfisch machen.
Ein Konzert mit BOTANICA ist also in jedem Falle einen Besuch wert. Eine Band, die vor Musikalität, schrägen Ideen und erfrischend kreativen Querschüssen nur so überschäumt.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 30.05.2006

Bilder: Peter Tenzler, (Artikelliste), 23.05.2006