Frankfurt, Jahrhundertalle, 15.04.2002

Eine weitere Premiere für meine Konzertlaufbahn steht an: Bob DYlan!
EINMAL wenigstens sollte man ihn doch gesehen haben, denk ich mir. In der Jahrhunderthalle in Frankfurt/Höchst war ich auch noch nicht, also auf geht's!

Das Konzert ist mittlerweile ausverkauft, entsprechend bildet sich auch eine lange Schlange vor dem Einlass. Diese bewegt sich allerdings recht zügig vorwärts und unterwegs wird man auch noch mit Promo-CDs von Ryan Adams beschenkt, die ein freundlicher junger Mann aus einer Pappschachtel verteilt (wird dieser Adams nicht schon genug gehypt?).
Der Konzertsaal in dem Kuppelbau der Jahrhunderthalle liegt im 1. Stock, also noch ne Treppe hoch. Da sich die Konzertbesucher zum größten Teil aus über 40-Jährigen zusammensetzt, geht alles gemächlich und ohne Stress. Wie mir meine Begleiter, alles eingeschworene "Dylanologen", verraten, fängt der Herr Zimmermann immer recht pünktlich an.

Kurz vor Acht! Schnell noch ein Bier geholt und schon wird's dunkel im Saal.
Der Beifall ist natürlich jetzt schon frenetisch und Bob Dylan beginnt, zusammen mit seiner "Never Ending Tour Band", mit dem Country beeinflussten I Am The Man. Allesamt mit akustischen Instrumenten bewaffnet, und so bestreiten sie auch den Großteil des Abends, lassen sie schon gleich darauf einen seiner größten Hits folgen: The Times They Are A-Changin'. Ein süßlicher Duft zieht an meiner Nase vorbei. Die Zeiten mögen sich ändern, aber die Geschmäcker nicht unbedingt...
Bob Dylan trägt komplett Schwarz (vom weißen Hemd abgesehen), plus einen schwarzen Cowboyhut. Die Band, bestehend aus Tony Garnier - Bass, Larry Campbell - Gitarre, Charlie Sexton - Gitarre, dem neuen Schlagzeuger George Recile, sowie einem Percussionisten, in der aktuellen "Uniform": Graue Anzüge.

Über die Jahre hinweg hat Bob ja immer mehr Veränderungen an seinen Songs vorgenommen und sein Gesangsstil ist immer, ich will mal sagen: außergewöhnlicher, geworden. It's Alright, Ma (I'm Only Bleeding) erkenne ich erst am Refrain. Ähnlich geht es mir bei My Back Pages, bei dem Bob erstmals seine Mundharmonika zückt.
Für Stuck Inside Of Mobile With The Memphis Blues Again wird auf elektrisch umgerüstet. Lediglich Larry Campbell bleibt vorerst bei der akustischen Gitarre. Er ist auch derjenige, der sich am ehesten solistisch aus dem Bandsound heraus heben kann. Seine Soli und Einwürfe stechen aus dem "Geschrammel" heraus.
Versteht mich nicht falsch! Die Band spielt schon gut zusammen und "webt" einen schönen dichten Soundteppich (ich ertappe mich dabei, nach dem Keyboarder Ausschau zu halten...), trotzdem kommen Fans von virtuoser Spielweise heute wohl nicht auf ihr Kosten. Sofern denn welche da sind. It's the song - not the singer! Und die Songs haben auch nach Jahrzehnten nichts von ihrer Magie verloren. Sofern man sie denn erkennt, oder glaubt zu erkennen.
Die Anwesenden sind offensichtlich mit dem (Sprech-)Gesang von Dylans raspelnder Stimme vertraut und feiern den Meister entsprechend.
Moonlight, Solid Rock und Lonesome Day Blues (schöner Boogie mit Slide-Gitarre) beenden das elektrische Intermezzo.

Die Bühnenbeleuchtung ist spärlich und wechselt nur zwischen zwei, drei Farben mit den Songs. Nach jedem Lied wird es zunächst mal dunkel und so sieht man kaum das Wechseln der Instrumente. Jetzt sind's wieder akustische, die Mundharmonika ertönt, und... ja tatsächlich es ist: Mr. Tambourine Man.
Es bleibt akustisch. Mama, You Been On My Mind sowie Tangled Up In Blue, das bejubelt wird, kommen als nächstes.
Wieder kommen die E-Gitarren zum Einsatz. Es wird richtig rockig: Summer Days, ein swingender Rock'n'Roll, ufert schon fast zum "extented Jam" aus. Bob hat ja mit den Jahren immer mehr Freude an Soli gefunden, aber trotzdem sein (Lead-)Gitarrenspiel mit den Jahren immer besser geworden ist, kann man es kaum filigran nennen. Er spielt halt so wie er singt: Mit wenig Noten auskommend aber eindringlich.
Wie gesagt, die Akzente setzt Larry Campbell, der auch verschiedenste Instrumente, von Lap-Steel bis Geige, zum Einsatz bringt.

Shelter From The Storm und The Wicked Messenger sind die nächsten, bevor Rainy Day Women #12 & 35 den Set beschließt. Bei diesem Song richtet Mr. Dylan, erstmals an diesem Abend, seine Worte ans Publikum und stellt die Band vor. Jeder wird ordentlich beklatscht, am meisten Bassist Tony Garnier, der ja schließlich auch (seit 1989) das dienstälteste Mitglied der Never Ending Tour Band ist.

Erstes Lied der Zugabe ist Man Of Constant Sorrow.
Auch Like A Rolling Stone wird vom Meister in einem Sprechgesang zerhackt, der kaum eine Chance zum Mitsingen lässt. Das ändert sich, auch durch die Unterstützung von Larry und Charlie Sexton, bei Knockin' On Heaven's Door, doch auch hier werden die Strophen von Bob von fast "gerappt".
Honest With Me ist das vorletzte Stück. Dann wohl sein bekanntester Titel Blowin' In The Wind - und da... ganz am Schluss... die letzte Zeile "The answer is blowin' in the wind", singt er zusammen mit der Band tatsächlich so, wie sie in seinem Original ist! Das ist jedoch die einzige Ausnahme an diesem Tag.

Dass "His Bobness" keine Lust hat, seine Songs dreißig Jahre lang immer gleich zu spielen, ist verständlich und das hat er ja sowieso noch nie gemacht. Für mich als "Neueinsteiger" in seine Live-Shows war es trotzdem schwierig, mich mit den "etwas anderen" Versionen anzufreunden. Die ausverkaufte und begeisterte Jahrhunderthallenmenge war auf jeden Fall zufrieden.
Schau ich mir Bob Dylan beim nächsten mal wieder an?
The answer, my friend....

Epi Schmidt, (Artikelliste), 16.04.2002