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Kato, Berlin
Fotos: Peter Tenzler
Pure Reason Revolution
Pure Reason Revolution
Blackfield
Blackfield
Blackfield
Berlin, Kato, 21.02.2007

Ganz schön mutig, dieses Konzert ins Kato zu verlegen, erfreuen sich BLACKFIELD doch einer wachsenden Fangemeinde, zumal seit "II", das eigentlich überall positive Kritiken einstreichen konnte. Der selbsternannte Kreuzberger Kulturbahnhof unter der legendären U-Bahn-Linie 1 bietet zwar maximal 800 Leuten Platz, aber dann hat man wirklich kaum mehr Luft zum Atmen. Und sehr viel weniger werden es an diesem Abend auch nicht gewesen sein, umfallen konnte man jedenfalls nirgends mehr.

Pure Reason Revolution
Pure Reason Revolution

Die Rolle der Supporter fiel diesmal den Londoner Youngstern von PURE REASON REVOLUTION zu, die einen Querschnitt aus ihrem letzten, gerade eben erst erschienen Album "The Dark Third" auf die Bühne brachten. Das geschah leider auf eine etwas ruppige, ungestüme Art und Weise, so dass die schönen subtilen Momente, wie zum Beispiel im Kernstück The Bright Ambassadors Of Morning auf Platte schön nachzuempfinden, etwas zu kurz kamen. Alles war doch ein wenig laut, roh und fast hektisch. Die Bandmitglieder verstärkten optisch auch diesen Eindruck, da andauernd Instrumente gewechselt oder an den Effektgeräten herumgepfriemelt wurde (wozu man sich hinkauern musste).
Pure Reason Revolution So erinnerte vieles an die lautesten Stellen bei OCEANSIZE auf Speed, die spacigen und psychedelischen Phasen blieben weitestgehend ausgespart. Trotzdem hat diese noch sehr junge Band spürbar Potential und Experimentierfreude, um wirklich großartige Musik zu erschaffen. Wenn es gelingt, die manchmal überbordenden Ideen etwas zu kanalisieren, ohne sich zu sehr einzuschränken, wenn noch eine gewisse Abgeklärtheit hinzukommt und die Nervosität abgebaut werden kann, darf man von PURE REASON REVOLUTION in Zukunft noch einiges erwarten.

Blackfield
Blackfield

Obwohl schon vorher gut gefüllt, stießen zu BLACKFIELD doch noch einige Zuschauer hinzu, so dass im Kato nun wirklich tropische Temperaturen herrschten. Die britisch-israelische Kooperation zwischen Steven Wilson und Aviv Geffen ist ja mittlerweile zu einer festen Band mutiert (das letzte Mal hatte man ja noch Richard Barbieri als Leihgabe von PORCUPINE TREE an den Keyboards, von den Anfängen 2003 ganz zu schweigen) und hat längst den Status eines Geheimtipps, quasi als die weiche Seite von PORCUPINE TREE, überwunden. Das verwundert nicht, haben sich hier doch zwei großartige Songwriter zusammengefunden, die sich nicht nur musikalisch hervorragend ergänzen, sondern auch menschlich auf einer Linie zu liegen scheinen. Dazu bieten sie auch eine hervorragende Identifikationsfläche für das Publikum: hier der immer etwas verklärt intellektuell wirkende, musikalisch geniale Wilson und dort der emotionale, warmherzige Frauenschwarm Geffen.

Zum Thema weiblicher Publikumsanteil ist noch anzumerken, dass dieser natürlich wieder recht hoch war, aber diesmal durch sämtliche Altersschichten ging, also nicht mehr so ausschließlich junge Damen vor der Bühne. Das verwundert ebenso wenig, ist doch die Musik von BLACKFIELD zwar anspruchsvoller Pop, aber doch mit einer deutlich ernsthaften, ja düsteren Note, auch textlich versehen. Also nix für Teenies.
Los ging es, natürlich, wie man das klassischerweise macht, wenn man ein neues Album im Gepäck hat, mit dem Eröffnungssong eben dieses Albums: Once, das ja mit seiner rockigen Note auch gleich richtig Stimmung bringt. Aviv Geffen hatte sich dazu seine hübsche Rickenbacker-Gitarre umgeschnallt, hielt sich aber gesanglich noch etwas zurück, was sich natürlich kurz darauf änderte. Es folgte Miss You, anschließend das grandios geheimnisvolle Blackfield vom Debütalbum.
Mit Daniel Salomon an den Keyboards, Tomer Z an den Drums und Samy Efrati am Bass hat man eine richtig gut aufeinander eingestimmte Mannschaft, im Mittelpunkt stehen aber natürlich die beiden Sänger, Gitarristen und Songschreiber Wilson und Geffen.
Tatsächlich wird das zweite Album komplett gespielt, das insgesamt vielleicht geschlossener als das Debüt ausgefallen ist. Bei 1.000 People, My Gift Of Silence oder dem genial-einfachen Epidemic kann man nur staunen, wie BLACKFIELD es schaffen, so viel Emotionen und Pathos in die Musik zupacken, ohne dass es kitschig wird. Die Antwort liegt natürlich im unvergleichlichen Gespür für Songwriting und Arrangement insbesondere von Wilson, der immer wieder mit schlafwandlerischer Sicherheit diese Gratwanderung schafft.

Blackfield
Blackfield

Das Publikum ist entsprechend mitgerissen von den strahlend schönen Melodien und den fast überbordenden Gefühlen, wobei ich erstaunlich finde, wie textsicher viele der Zuhörer mit den doch noch recht neuen Stücken sind (der offizielle Veröffentlichungstermin des zweiten Albums liegt ja zum Zeitpunkt des Konzertes noch nicht einmal eine Woche zurück).
Mit Pain, Glow und Open Mind gibt es noch ein paar Songs aus dem Debüt, bis schließlich mit ganz großer Geste und Where Is My Love? sowie End Of The World die Setlist ihr umjubeltes Ende findet. Als Zugabe gibt es dann noch die beiden packendsten Titel vom Debüt, das grandiose Hello und das BLACKFIELD-Schlüsselstück Cloudy Now mit einem dazwischengeschobenen, angerissenen Once.
Nachdem Aviv Geffen veprochen hat, dass man im Sommer wieder auf Tour und auch in Berlin sein wird, begeben sich zahlreiche glückliche Menschen in die klimatisch ungemütliche Februarnacht, an Herz und Seele erwärmt durch ein beeindruckendes Konzert.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 23.02.2007

Bilder: Peter Tenzler, (Artikelliste), 21.02.2007