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Feuilleton
Fotos: Ralf Stierlen
Stuttgart, Feuilleton, 01.10.2008

Ja, die Schwaben sind schon ein ganz eigenes Völkchen. Überall als sparsam verschrieen, müssten sei ja eigentlich alle angerannt kommen, wenn es etwas für umsonst gibt, wie in der Feuilleton Bar in der Haussmannstrasse im Stuttgarter Osten, wo es an fast der Hälfte der Tage des Monats Live-Music bei freiem Eintritt gibt. Aber was nichts kostet, kann ja auch nicht viel wert sein denkt sich wohl der Schwabe, weshalb es an diesem Mittwoch Abend beim Auftritt von FITZCARRALDO und AYEFORE mehr als leer bleibt. Lieber geben die ortsansässigen Heranwachsenden ihren Kröten auf dem nahen Cannstatter Volksfest aus um dort mit musikalischen Leckerbissen wie Händer zum Himmel oder Das rote Pferd beglückt zu werden. Was soll aus dieser Generation noch werden?

Ok, die beiden Bands aus Aschaffenburg bzw. Frankfurt sind keine Lokalmatadoren, aber ein bisschen mehr Experimentierfreude sollte der homo bausparensis schon entwickeln können, schließlich kann man im Feuilleton einfach mal ein Bierchen trinken (zu fairen Preisen), sich dabei unverbindlich junge, neue Bands anschauen und bei Nichtgefallen einfach wieder gehen.Aber was hilft es zu Meckern, gegen die Bequemlichkeit der Leute ist eben kein Kraut gewachsen. Da will ich lieber zur Sache kommen: Den Anfang machten FITZCARRALDO mit ihren vorwiegend instrumentalen Klanggebilden zwischen Postrock und leicht progressiv-psychedelischem Wall Of Sound, gerne auch mit dem Begriff Shoegaze belegt. Trotz kompaktem Gitarrenoutput war der Sound überraschend klar und gut abgemischt für die doch recht überschaubare Location. Irgendwo in den Spannungsfeldern zwischen MOGWAI, ISIS, JESU oder NEUROSIS tobten sich Jan, Uli, Daniel und Heiko aus und machten ihre Sache sehr ordentlich. Nach einer guten halben Stunde ließ man es auspluckern und konnte zufrieden die Instrumente in die Ecke stellen. Ein mehr als ordentlicher Auftakt.

Fitzcarraldo Fitzcarraldo

In erster Linie war ich aber natürlich wegen AYEFORE gekommen, deren vorzügliches Debütalbum "Smoking Gum Evidence"mir nachhaltig in Erinnerung geblieben war. Gespannt war ich insbesondere darauf, wie die komplexen Songstrukturen live umgesetzt werden würden und wie sich Daniel Boersch schlagen würde, der neben der Gitarre mitunter recht exaltierte Gesangslinien zu meistern hat. Um es vorweg zu nehmen: Auch live können AYEFORE durchweg überzeugen. Eingeleitet von einem atmosphärisch stimmigen Intro von Bassist Tunc Yomolcay legten die Hessen gleich ein paar ordentliche Schippen auf. Verstärkt durch Klaus, einen zusätzlichen Gitarristen, was dem Gesamtklang noch ein mächtiges Brett unterlegte, meisterten sie im Laufe das Abends ihr gesamtes Repertoire, darunter auch die Sahnestückchen Dry Too Long, Spreda Life, Smoking Gum Evidence und natürlich auch das auf You Tube zu betrachtende My Diamond.

Ayefore Ayefore

Ayefore Ayefore

Schön verquer und doch irre groovend, verspielt und doch mit hartem Biss, zwischen folkig (Tunc Yomolcay!, auch mit seinem Outro), jazzrockig und schweren Gitarrenkanten war alles dabei, was das Herz des aufgeschlossenen Progrockers begehrt, der nicht nach den Siebzigern seine Ohren versiegelt hat. Da trifft SYSTEM OF A DOWN auf THE MARS VOLTA, DREDG und FAITH NO MORE auf das vergessene Notizbuch von Steve Wilson - und doch ist alles ganz originär AYEFORE. Und Daniel Boersch ist zwar nicht der klassische Prog-Rock-Stimmakrobat, aber mit viel Enthusiasmus und Herzblut bei der Sache, was sich perfekt ins Gesamtbild einfügt. Überhaupt lässt die Spielfreude und das frische, kernige Teamplay fast vergessen, was für hervorragende Individualisten hier an den Instrumenten tätig sind, so fügen sich die Rädchen ineinander.

Nachdem die Jungs so oft nicht zu fünft zu Gange sind, wurde die Gelegenheit genutzt, um wirklich alle Stücke anzutesten, wobei Floaters auch richtig gut zündete. Auch wenn dann zum guten Schluss die Spannung etwas abfiel war das ganze (insbesondere wenn man die Gesamtumstände respektive die mehr als magere Zuhörerzahl berücksichtigt) ein rundum überzeugender Auftritt einer Band, von der man ganz sicher noch eine Menge hören wird. Und das ausschließlich im positiven Sinne.

Ayefore Ayefore

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 01.10.2008