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Fotos: Ralf Stierlen
Königshofen, Kulturschock, 17.04.2004

Athenais Ab in die Pampa um einen der wenigen Auftritte der französischen Gruppe ATHENAIS in deutschen Landen miterleben zu können, die mir mein Vertrauensmann Timo wärmstens anempfohlen hat.
Das Kulturschock weckt dann gleich Erinnerungen an selige Jugendzentrums-Tage in der Vergangenheit, die alternative Szene der mainfränkischen und taubertäler Bevölkerung sammelt sich beim Bier... aber nein!! Ein Aufschrei: Es gibt kein Hefe-Weizen!! Sowas war nicht zu erwarten (eher noch es gibt nur Hefe-Weizen). Ein erster tatsächlicher Kulturschock. Also stattdessen lauwarmes Distelhäuser (deswegen muss man nicht nach Mainfranken) und warten, warten, warten.

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Aber irgendwann hat alles ein Ende und langsam füllt sich das kleine Nebengebäude, in dem (in der ehemaligen Schule) die Konzerte stattfinden. Auf der kleinen Bühne haben doch tatsächlich alle fünf Mitglieder von ATHENAIS samt Instrumenten Platz gefunden und legen auch schon schön atmosphärisch los.
Die Musik von ATHENAIS ist schwer einzuordnen (was sie so faszinierend macht), es gibt mal etwas Rock Pop (nicht umgekehrt), ein wenig Nu Rock, einmal auch was Polkaartiges und reichlich Proggie-Sound (irgendwo zwischen GONG, CAMEL und RADIOHEAD).

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Der optisch auch etwas an Thom Yorke erinnernde Gitarrist Yann Cleophas, der für die Musik größtenteils verantwortlich ist, wirkt sehr konzentriert und ambitioniert, Keyboarder Guilhem Cleophas sorgt für die magischen Sounds, Bassist Laurent Sevezan für den stetigen Groove und Drummer Yoann Palacio, der vom Aussehen locker in eine Metalband passen würde, besticht nicht nur mit seinem furiosen Solo sondern auch mit bodenständigem, timingsicherem Spiel.
Die erst 17-jährige Sängerin Leila sorgt für reichlich Gesprächsstoff im Publikum, da ATHENAIS im Vorjahr noch mit der Vorgängerin Emilie aufgetreten war. Leider werden die Meinungen über die Unterschiede zwischen Stimmen un Bühnenpräsenz recht lautstark kundgetan ("Was moinsch du, die friehere hedd meh Ausstrahlung ghätt, odr?"). Überhaupt wird ganz schön viel gequatscht ("Die mached diesmol koi Paus?" - "Noi, die mached koi Paus"- was ja jeder sowieso mitbekommen hat), andererseits ist das Publikum dann aber auch begeistert bei der Sache und in dem ohnehin sehr kleinen Saal brennt bald die Luft (bzw. es würde brennen, wenn es noch Sauerstoff gäbe).

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Gegenüber den eher etwas handzahmen Studiosounds stellen ATHENAIS ihre außerordentlichen Livequalitäten unter Beweis und liefern ein furioses, vielseitiges und richtig schön rockiges Zweistundenset ab, das auch einige Überraschungen (z.B. ein knalliges Cover von Madonnas Music) beinhaltet.
Eine wirklich famose Band, die man unbedingt einmal live gesehen haben sollte - die nächste Gelegenheit bietet sich wohl aber erst wieder im nächsten Jahr, es sei denn man befindet sich am 8.05.2004 in Apt im Pub St. John's.

Ralf Stierlen, (Artikelliste), 27.04.2004