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The Bottle Rockets
"Tonight we're gonna party like it's tonight", Interview

Ein wunderbarer Sommer-Sonntagabend ist dieser 17. Juli und bei meinem Eintreffen sitzt die Band auf der Terrasse des Bürgerhauses Böckingen noch beim Abendessen. Zusammen mit dem Initiator des an diesem Abend anstehenden Konzertes, Blue Rose Records Chef Edgar Heckmann, dem an dieser Stelle für Vermittlung des Interviews gedankt sei.
Eine halbe Stunde vor geplantem Showbeginn wird's knapp, die Band bessert noch etwas an der Setlist herum und der Termin scheint schon ans andere Ende dieses Abends zu wandern, da findet der sehr freundliche Brian Henneman, Sänger, Gitarrist, Haupt-Songschreiber und Mastermind der BOTTLE ROCKETS doch noch Zeit, sich mit mir in der Garderobe auf zwei Stühle niederzulassen und ein paar Fragen zu beantworten. Brian ist im Vergleich zum letzten Deutschlandbesuch ein richtiges "Hemd" geworden und auf meine Bemerkung dazu meint er, er wäre inzwischen verheiratet. Meiner Erfahrung nach läuft das ja meistens eher umgekehrt, aber wenn er meint...

Hooked on Music: Hallo Brian, schön Euch wieder mal hier in Europa und vor allem in Deutschland zu haben. Wie kommt es denn dazu?

Brian Henneman: Oh, ja das war irgendwie eine verrückte Zeit, denn ich hatte mich entschieden, nicht mehr mit dem Flugzeug zu reisen, was ich immer noch nicht gerne mache. Aber dann haben wir mitgekriegt, dass Lucinda Williams hier herüben gespielt hat und da dachten wir, wenn sie es schafft, dann können wir es doch auch wieder tun. Wir waren wirklich viel zu lange nicht mehr hier, aber jetzt sind wir da und Angst zu fliegen habe ich jetzt nicht mehr.

HOM: Was geht also ab mit den BOTTLE ROCKETS? Es ist keine offizielle Homepage mehr im Internet zu finden und...

B.H.: Tatsächlich haben wir eine jetzt. Sie ist brandneu und zu finden unter www.bottlerocketsmusic.com, das konntest Du noch nicht wissen, sie ist ganz neu und jetzt zu finden.
Außerdem, seit wir das letzte Mal hier waren haben wir zwei neue Bandmitglieder, einer an der Gitarre...

HOM: Ich weiß, ich habe gehört dass Tom Parr nicht mehr in der Band ist. Mit dem hast Du ja lange zusammengespielt. Schon zu Zeiten von CHICKEN TRUCK (Anm. Vorläufer der BOTTLE ROCKETS).

B.H.: Richtig, richtig, aber er ist nicht mehr dabei. Er hat sich entschieden, ein ganz normaler Bürger zu werden, einen Job anzunehmen...

HOM: Keine Musik mehr zu machen?

B.H.: Nein, keine Musik mehr. Also haben wir ihn durch John Horton ersetzt. John ist also unser neuer Gitarrist... und dann haben wir auch einen neuen Bassisten!

HOM: Oh...

B.H.: Er ist brandneu und in der Band seit weniger als drei Monaten.

HOM: Wie kam es denn dazu?

B.H.: Ah, unser letzter Bassist lebte in Austin, Texas und wir leben in St. Louis, Missouri und so war irgendwie die Entfernung zwischen uns zu groß und er hat Jobs bei anderen Bands bekommen und sich schließlich entschlossen, sein Ding mit denen durchzuziehen. Da ist eigentlich alles.

HOM: Was würdest dD sagen, ist der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Gitarristen?

B.H.: Ich würde sagen, unser neuer Gitarrist in ein viel, viel besserer Spieler. Es macht also auch viel mehr Spaß und es ist natürlich toll, so ein Ass neben sich auf der Bühne zu haben.

HOM: Na, da bin ich ja mal gespannt.
Wie kam es denn zu der Zusammenarbeit mit Warren Haynes auf Eurem letzten Album "Blue Sky"?

B.H.: Ähm, sein Bruder, Warrens Bruder, der einen Plattenladen in Ashville, North Carolina, hat, war ein Fan von uns und er gab Warren eine von unseren CDs. Warren gefiel die CD sehr und als er mitbekam, dass wir auf der Suche nach einem Manager waren, schlug er uns seine Frau als Managerin vor. Und so kam es dann, dass uns Warrens Frau eine Weile managte. Warren war inzwischen auch ein Fan von uns, ohne dass wir es wussten, und als es an die letzte Platte ging, wollte er sie gern produzieren und knüpfte alle nötigen Kontakte.

HOM: Warum habt Ihr nicht auf Roscoe Ambel zurückgegriffen, wie bei den meisten Eurer Alben?

B.H.: Nun, ja, ich wollte einfach mal etwas anderes machen. Roscoe ist ein großartiger Typ und ein hervorragender Produzent, aber er hat auch seinen eigenen ganz bestimmten Stil zu arbeiten. Von dem geht er nicht ab. Wir wollten nur etwas anders an das Album herangehen, aber wir kennen Roscoe, und wissen, er macht es nur auf seine Art. Einen anderen Weg gibt es bei ihm nicht.

HOM: Aber er macht seinen Job gut.

B.H.: Ja, er macht ihn wirklich gut. Wir sind immer noch beste Freunde.

HOM: Ich finde "Blue Sky" ist wirklich ein fantastisches Album.

B.H.: Oh, danke.

HOM: Es knallt einem nicht gleich so ins Gesicht, wie manche Eurer früheren Alben.

B.H.: Richtig.

HOM:... aber mit der Zeit wird es immer besser. Anfangs fand ich es ein bisschen lahm und zu laid-back, aber je öfter ich es höre, desto mehr mag ich es. Songs wie Man Of Constant Anxiety oder Pretty Little Angie klingen sehr inspiriert von Eurem Vorgängeralbum "Songs Of Sahm".

B.H.: Ja, absolut. Diese Songs sind sehr davon inspiriert. "Songs Of Sahm" machte uns viel Spaß beim Aufnehmen und hinterher merkten wir, dass wir diese Art zu spielen sehr natürlich angenommen hatten und so kamen auch diese Songs auf ganz natürliche Weise zustande. Dieser Einfluss vermischte sich also mit unserem eigenen Stil.

HOM: Gibt es von den "Blue Sky" Sessions irgendwelche übriggebliebenen Songs ("Leftovers")?

B.H.: Nein. Alles was wir aufgenommen haben ist auf dieser CD.

HOM: Als Euer Album "Brand New Year" herauskam, sah es danach aus, und dachte ich, das wird der Durchbruch für die Bottle Rockets werden. Hast Du eine Vorstellung, warum es doch nicht weiter auf der Leiter nach oben ging?

B.H.: Hah, bei jedem Album dachte man, das wird der Durchbruch...

HOM: Was lief falsch? War "Songs Of Sahm" vielleicht nicht der richtige Nachfolger?

B.H.: Nein. Über all die Jahre hinweg gab es eine Kette von Problemen, die hauptsächlich mit dem Geschäftlichen zusammen hängen. Entweder hatten wir ein schlechtes Management oder die falsche Konzertagentur... nie schien mal alles wirklich zusammen zu arbeiten.
Und dann hatten wir Bandmitglieder die die Band verließen und zwar immer genau dann, wenn irgendwas wichtiges anstand, wenn wir gerade die Chance hatten voranzukommen. Genau dann verließ jemand die Band und wir mussten ihn ersetzen.
So zieht sich das über viele Jahre. Immer passierten die falschen Dinge zum falschen Zeitpunkt. Wir hatten nie die Möglichkeit auf etwas aufzubauen. Veröffentlichten etwa ein Album und der Manager hörte auf. Oder wir veröffentlichten ein Album und der Bassist verließ uns. Diese ganzen Geschichten haben uns bestimmt fünf oder sechs Jahre von unserer Zeit weggenommen.
So, hoffentlich, ich klopf auf Holz, kriegen wir es diesmal hin.

HOM: Das hoffe ich auch.
Du sagtest mal, bei Eurem Album "Brand New Year" hast Du dich von Shania Twain's Album "Come On Over" inspirieren lassen.

B.H.: Ja, absolut.

HOM: Was hat Dich bei "Blue Sky" inspiriert?

B.H.: Oh, bei dem? Ich sag dir genau, was mich dazu inspiriert hat. Tom Parr hatte die Band verlassen und wir waren auf Tour als Drei-Mann-Band. Und wir spielten sehr heavy, richtig harten Rock. Ich weiß auch nicht warum, aber unsere Musik wurde immer härter. Und wir dachten uns, wir wollten das nicht auf dem Album machen. Warum wir das dachten, kann ich nicht sagen, aber wollten einfach in die andere Richtung gehen und etwas machen, was wir noch nie vorher gemacht hatten. Als Gegensatz dazu eine krachende Rockband zu werden. Wir hatten das bei "Brand New Year" gemacht und wir wollten einfach etwas ruhigeres machen.

HOM: Habt Ihr zur Zeit einen Plattenvertrag?

B.H.: Ja, wir sind wieder zurück bei Bloodshot Records.

HOM: Also können wir neue Aufnahmen von Euch erwarten?

B.H.: Ja. Hoffentlich... Also der Plan ist, im Herbst ein neues Album aufzunehmen. So etwa im Oktober und es sollte dann im März erscheinen, so um die Zeit des "South By Southwest" Festivals.

HOM: Ah, das sind gute Neuigkeiten.

B.H.: Ja, und Bloodshot ist ebenfalls eine gute Neuigkeit, denn sie haben einen guten Vertrieb in Europa und es sollte recht einfach sein, das Album in Europa zu bekommen sobald es veröffentlicht ist.

HOM: Prima. Die Show heute Abend wird gefilmt und aufgenommen, also könnte da eine DVD oder CD dabei herauskommen...

B.H.: Möglicherweise, wäre gut möglich.

HOM: Eine Live-Aufnahme ist ja etwas das fehlt im Bottle Rockets Katalog.

B.H.: Ja, das stimmt wirklich. Wäre toll, wenn wir ein gutes Ergebnis heute Abend erzielen und es als Live-CD veröffentlichen könnten.

HOM: Du sagtest mal, Du wärest ein großer Fan von ABBA, der schwedischen Pop-Band.

B.H.: Oh ja, ja, das stimmt. Ich liebe die Sachen von denen.

HOM: Weißt Du, dass Dan Baird ein Cover von Dancing Queen mit den YAYHOOS aufgenommen hat?

B.H.: Ja, und es ist großartig! Ich habe es gehört.

HOM: Wäre es interessant für Dich, mal was ähnliches zu machen?

B.H.: Oh, warum nicht. Ich hätte nichts dagegen. Mal sehen...

HOM: Du spielst ja auch Solo-Shows, nicht?

B.H.: Ja, habe ich gemacht. Zwar schon lange nicht mehr, aber ich hab das schon gemacht.

HOM: Was für Songs spielst Du da? Ist das im Prinzip Bottle Rockets akustisch, oder was völlig anderes.

B.H.: Nein, im Prinzip ist das schon Bottle Rockets akustisch.

HOM: Das Motto der Bottle Rockets war immer: "Tonight we're gonna party like it's 1972."

B.H.: Ja, das war so.

HOM: Das war so? Bleibt Ihr noch dabei, oder hat sich das Jahr mittlerweile geändert?

B.H.: Nun, heute ist es das Motto: "Tonight we're gonna party like it's tonight." Denn jede Nacht könnte die letzte sein. (Lacht)

HOM: Wer weiß. Dann freu ich mich schon auf die Party heute Nacht. Vielen Dank für das Interview, habt eine gute Show.

B.H.: Danke, werden wir haben.

HOM: ... und kommt bald wieder nach Deutschland!

B.H.: Das werden wir. Viel früher als seit dem letzten Mal. Ich denke, wir werden nächstes Jahr mit einem guten neuen Album wieder hier sein.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 18.07.2005