Foto: Ruf Records
Samantha Fish, Cassie Taylor & Dani Wilde
Was? Ein Song der "Bitch" heißt?, Interview

Ruf's Blues Caravan ist im Aschaffenburger Colos-Saal angelangt und obwohl ich spät dran bin und der Kollege vom Break-Out noch beim Interview mit den drei Blues-Mädels Samantha Fish, Cassie Taylor und Dani Wilde sitzt, bekomme ich doch, noch kurz vor dem heutigen Konzert, die Gelegenheit auf ein kurzes Gespräch.
Die Drei räkeln sich auf der Polsterung im Backstage-Bereich und Samantha Fish und Dani Wilde klimpern sich auf ihren Fender Telecaster-Gitarren warm, was mich schon gleich zur ersten Frage bringt ...

Samantha_Fish_Cassie_Taylor_And_Dani_Wilde

Hooked On Music: Samantha, Du und Dani spielen Telecaster. Warum gerade diese Gitarre?

Samantha Fish: Warum ich Telecaster spiele? Weil diese Gitarre rockt!

HoM: Ist das für dich die Blues-Gitarre?

S.F.: Ähm, nein, weißt du, eine Gitarre ist eine sehr persönliche Angelegenheit und das ist einfach die Gitarre, die ich zu spielen mag. Manche mögen eine Strat, eine 335 oder eine Les Paul. Ich mag Telecaster. Diese bekam ich von Fender von denen wir auch unterstützt werden.

HoM: Ich spiele auch Telecaster Gitarren. Allerdings auch Gibson ES 335.

S.F.: Oh, wirklich? Meine erste Gitarre war eine Gibson Les Paul.

HoM: Wie kam es denn zu eurer "Zusammenarbeit" hier beim Blues Caravan?

S.F.: Das war Thomas' Idee. Er hat uns zusammengebracht. Mich hat er so vor ca. einem Jahr entdeckt. Und dann hat sich das so entwickelt.

HoM: Habt ihr euch vorher gegenseitig gekannt?

Alle Drei: Nein, gar nicht.

HoM: Gut, ihr habt ja ein Album zusammen gemacht. Wie lief das ab, waren die Songs dafür bereits vorher geschrieben, oder habt ihr die speziell für dieses Album geschrieben?

Kurzes Schweigen

Cassie Taylor: Die Songs, die ich zu dem Album beigetragen habe, hatte ich bereits im Sommer geschrieben. Also eigentlich, bevor dieses Projekt aufkam. Ich hatte dann eigentlich vor, extra für dieses Album noch ein paar Songs zu schreiben, aber es stellte sich heraus, als wir zusammen kamen, dass die vorhanden schon dir richtigen Songs dafür waren

Dani Wilde: Ja, wir mussten erst mal zusammen kommen, uns treffen. Das war in Kansas City, wo Samantha herkommt, eine Weile bevor wir das Album dann in Berlin aufnahmen. So konnten wir die Songs zusammen durchgehen, ausprobieren und herausfinden, wie wir am besten zusammen klingen.

HoM: Wessen Idee waren die Coverversionen? Der ROLLING STONES Song und der Steve Miller Song?

S.F.: Nun, tatsächlich hielten wir uns bei Jet Airliner mehr an die Originalversion. Steve Miller hat ja den Song auch nur gecovert. Wir hielten uns näher am Original. Und dann Bitch ...

C.T.: ... Bitch (Anm.: besagter ROLLING STONES Song) kannte ich vorher gar nicht. Ich dachte nur: "Was? Ein Song der Bitch heißt?!" Ich bin dabei!

HoM: Ist ja nicht der netteste Ausdruck, wie man ein Mädchen rufen kann ...

C.T.: Ja, aber weißt du was? Das Ding hat Power! Manchmal muss man sich auch mal zurücknehmen oder einfach den Spieß umdrehen. Und der Song tritt einfach richtig in den Arsch.

HoM: So, hier haben wir drei junge Blues-Ladies. Aber schwer vorstellbar, dass ihr schon immer Blues gehört habt. Wer hat euch denn so beeinflusst?

S.F.: Hm, also mein Start in den Blues war auf jeden Fall Bonnie Raitt. Ich liebe sie. Und auch Stevie Ray Vaughan in seiner frühen Zeit. Diese turnten mich an für den Blues. Von da arbeitete ich mich rückwärts durch. Erst hörte ich diese neueren Blues-Künstler und dann ging ich zurück und entdeckte Son House für mich, Charlie Patton. Wichtig waren aber auch Songwriter für mich, wie Tom Waits.

D.W.: Mein größter Einfluss war sicher John Lee Hooker, würde ich sagen. Bereits als ich sehr jung war. Als Teenager fing ich an zu Blues-Festivals zu gehen und so eine Art "Nachforschung" zu betreiben.

HoM: Und gerade bei dir: Wie sieht es aus, wenn es ums Singen geht?

D.W.: Wenn es ums Singen geht ... hm, tatsächlich war Sam Brown eine große Inspiration. Ansonsten hauptsächlich Soulsänger. Smokey Robinson, die JACKSON FIVE

HoM: Cassie, wie sah's bei dir aus? Wer hat dich denn am meisten beeinflusst?

C.T.: Tatsächlich wurde ich am meisten von Jazz-Sängern beeinflusst. Ich meine, Jazz und Blues sind natürlich sehr nahe Verwandte. Für mich waren Sängerinnen wie Billie Holiday und Nina Simone sehr wichtig. Aber natürlich auch verschiedene Blues- und auch Rocksängerinnen. Ich denke, mein Vater (Anm.: Blues-Star Otis Taylor) fasste es ganz gut in Worte. Er sagte: Die Einflüsse die du hast, kommen von außerhalb von dem, was du normalerweise machst. So war er selbst natürlich ein Einfluss, aber weil ich durch ihn so sehr in Kontakt mit dem Blues war, holte ich mir auch sehr viele andere Einflüsse.

HoM: Warum hast du eigentlich den Bass als dein Instrument gewählt?

C.T.: Mein Vater, hat mich dazu gebracht. (Lacht) Er hat mitbekommen, dass ich mit dem Bass etwas herumspielte, lernte Hey Joe zu spielen und so, und als er einen Bassisten für seine Band brauchte, sagte er: "Moment mal ... ich hab eine Tochter!" Tja, und so kam das. Das war auch interessant für mich, weil ich dadurch raus kam, die Welt sah und Geld fürs College verdiente. "Unglücklicherweise" wurde das wie eine Krankheit, die man nicht mehr los wird (Lacht). Es fing eigentlich als Sommerjob an, aber von da an wurde es immer mehr und ich kam nicht mehr davon los.

HoM: Ok, unsere Zeit ist leider schon herum, ihr müsst bald auf die Bühne. Vielen Dank und einen guten Auftritt heute Abend.

Alle: Danke. Bleibst du etwa nicht zum Auftritt?

HoM: Doch, selbstverständlich!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 10.03.2011