Foto: Kay Markschies
Porcupine Tree
Wir möchten, dass niemand Aufnahmen von den Konzerten macht, Interview

PORCUPINE TREE haben mit ihrem aktuellen Album "The Incident" erneut überall großes Lob einheimsen kommen. HOOKED ON MUSIC unterhielt sich mit Schlagzeuger Gavin Harrison jedoch nicht nur über die neue Platte und die dazugehörige Tour, sondern erfuhr von ihm auch viel über seine muskalischen Einflüsse und über Drumming im allgemeinen.

gavinharrison

Die Struktur auf "The Incident" ist verglichen mit den letzten Alben ja ein bisschen anders - ein 55-minütiger Titeltrack mit nur 3 bis 4 Teilen, die das traditionelle Rocksong-Schema bedienen. War es alles ein großer Plan im Vorfeld, das Album so strukturieren oder kam die Struktur eher natürlich beim Komponieren zustande?

Nein, es war schon von Anfang an so designed, um als ein einziger Track durchzugehen. Ich glaube, am Anfang hatten wir rund 35 Minuten Musik und haben dann noch allerhand Musik dazugeschrieben, die es ermöglichten, die einzelnen Teile möglichst nahtlos miteinander zu verbinden.
Ja, es sind sicherlich 2 bis 3 "Rocksongs" auf der ersten CD, sehr in sich angeschlossene Tracks, aber es war von vornherein so geplant, ein großes Stück Musik zu erschaffen.

Auf den drei letzten Alben warst du immer als Post Producer genannt. Was genau war dein Job bei der Post Production?

Weißt du, wir nehmen nicht zusammen auf. Wir haben alle unsere eigenen Studios, in denen wir für uns arbeiten. Dennoch müssen die Aufnahmen und Daten gesammelt, strukturiert und zusammengestellt werden. Und ich bin quasi der Organisator, der diesen Job bei uns ausfüllt.

Der Gig hier in Hamburg wird wohl schon der 25. oder 26. auf der aktuellen Tour sein. Nachdem ihr so lange an dem Album gearbeitet und es aufgenommen habt, macht es überhaupt noch Spaß, das gesamte Album jeden Abend zu spielen?

(Gavin rümpft die Nase und schüttelt schüchtern den Kopf)
Nee, nicht wirklich.

... also nur noch die Erfüllung eines Jobs?

Nein, so ist es auch nicht. Weißt du, auf jeder Tour gibt es Songs, die du gerne spielst und Songs, die einen nicht so ansprechen. Es gibt Songs, die man auch über die Jahre hinweg liebt und Songs, die in der persönlichen Rangfolge wechseln.
Wir haben an "The Incident" rund ein Jahr gearbeitet.
Und außerdem ist jede Nacht da auch anders, das Gefühl ist bei jedem Auftritt anders. Das kommt z.B. sehr auf das Publikum an, auch auf das Ambiente im Saal, wie wir Vier gerade an diesem Tag miteinander harmonieren. Manchmal ist das schon ein bisschen mystisch.

Waren die Reaktionen in den U.S.A. andere als jetzt in Europa?

Nein, eigentlich nicht. Manchmal kommt man in eine Stadt, in der alle während des Konzertes auf- und abspringen und in der nächsten Stadt hören alle nur gebannt und konzentriert der Musik zu. Es gibt also keinen Unterschied von Land zu Land sondern eher von Stadt zu Stadt. Es kann durchaus sein, dass es heute abend hier in Hamburg richtig abgeht und morgen in Berlin ist die Stimmung gedämpft.
Ich weiß auch nicht, warum das so ist.
Vielleicht hat auch Alkohol etwas damit zu tun, ha ha!

Wenn man sich mal die Setlist der letzten Konzerte anguckt, dann fällt auf, dass ihr außer einem Ausschnitt von Russia On Ice gar keinen Song der Vor-In Absentia-Aera gespielt habt....

... nee, wir haben manchmal auch Stars Die gespielt ...

.. oh super, auch heute?

Ich glaube nicht, denn wir haben den Song erst gestern gespielt. Im zweiten Teil des Konzertes tauschen wir manche Songs öfter aus. Denn manchmal spielen wir hintereinander quasi in zwei benachbarten Städten, wie jetzt zum Beispiel in Kopenhagen und Lund.
Und da gibt es dann viele Fans, die sich beide Shows angucken. Um denen auch ein wenig entgegen zu kommen, ändern wir in solchen Fällen die Setlist im zweiten Teil.

Aber du hast natürlich recht, wir spielen tatsächlich wenig älteres Material.

Auf "The Incident" gibt es - wie auch schon auf den vorherigen Alben - doch eine ganze Menge an elektronischen Drumsounds und Samples. Hast du jemals darüber nachgedacht, ein E-Drumkit auf der Bühne zu bespielen? Also, jetzt speziell auf PORCUPINE TREE bezogen und vielleicht auch als ein getriggertes Acoustic Drumkit?

Nein, ich mag keine E-Drums. Ich liebe es zwar zu programmieren und ich liebe zum Teil auch die Sounds, die man damit erzeugen kann, aber ich spiele wirklich ungern auf elektronischen Drums.
Da gibt es keinen .... Ausdruck. Es ist nicht dein persönlicher Ausdruck, du triggerst nur einen elektronischen Sample.
Weißt du, ich komme aus der Jazz-Musik. Deshalb ist die Beziehung zwischen mir und meinem akustischen Instrument sehr wichtig. Jeder Schlag ist wirklich anders. Wenn du hingegen ein Pad schlägst, dann klingt fast jeder Schlag gleich. Und das klingt für mich dann ziemlich überflüssig, wenn du nur dieses "sick- sick- dack- sick- sick-sick-dack-sick" damit produzierst.
Wenn du Klavier spielst oder Kontrabass oder akustische Gitarre oder auch Schlagzeug, dann entwickelst du eine spezielle Verbindung zu deinem Instrument. Und dein Anschlag ist dann das, was es ausmacht.
Wenn ich zum Beispiel Klavier spiele, dann klingt es wahrscheinlich ganz anders als wenn jemand anderes dasselbe Stück spielt. Auf den Anschlag kommt es an und das gilt ganz besonders für das Schlagzeug.
Und das kann man mit einem E-Drumkit nicht so umsetzen. Ich habe in der Vergangenheit zwar schon auf E-Drums gespielt, aber das hat mir nicht wirklich gefallen...

... mir gefallen persönlich auch viel mehr deine Fills, in denen viel Dynamik liegt und weniger herumgewirbelt wird. Auf dem zweiten BLACKFIELD-Album gibt es z.B. so einen Fill beim Wechsel vom ersten Refrain in zweite Strophe des Songs Christenings. Da spielst du relativ simpel ein paar Toms und Becken, bevor die herumflimmernde Snare den Übergang zur Strophe einleitet. Hört sich relativ einfach an, ist aber ein Part, den ich mir stundenlang im Repeatmodus anhören könnte und an denen die meisten Schlagzeuger scheitern würden.

Danke! Und klar, mit einem E-Drumkit wäre so etwas nahezu unmöglich.

Ihr seid jetzt erst einmal bis zum Ende des Jahres schwer mit der Europa-Tour beschäftigt. Werdet ihr die Tour nächstes Jahr fortsetzen, evtl. auch um die angekündigte Live-DVD zusätzlich zu promoten?

Wir gehen im Dezember noch einmal kurz nach Indien und sind dann im Januar wohl erst einmal zuhause. Dann geht es wohl nach Australien, Neuseeland, Jakarta, vielleicht Seoul und Japan, also im ganzen asiatischen Raum. Und danach geht es vielleicht nach Südamerika. Ich sage vielleicht, da wir es noch nicht genau wissen.
Dann könnte es wieder in die U.S.A. gehen. Das ist noch etwas diffus, aber die Tour wird wohl erst einmal bis September weitergehen. Nicht in einem Stück, denn wir werden im nächsten Jahr wahrscheinlich wieder verstärkt Festivals spielen.
Im letzten Jahr haben wir so gut wie gar keine Festivals mehr gespielt, da wir die "Fear Of A Blank Planet"-Tour für abgeschlossen hielten, mit der wir zwei Jahre unterwegs waren. Und im letzten Sommer hatten wir auch schon viel an "The Incident" gearbeitet, so dass auch wenig Zeit für Festivals blieb.
Aber im nächsten Jahr wollen wir ein ganze Reihe von Festivals spielen...

... was sich für die Band auch extrem lohnen würde, da ich denke, dass die Musik der Band noch großes Potential birgt, neue Fans an sich zu binden.

PORCUPINE TREE war ja in der Vergangenheit dadurch bekannt, dass sie Liveaufnahmen, sogenannte "Weeds" und "Vines", in der Vergangenheit toleriert hat....

(Gavin guckt erstaunt und schüttelt heftig den Kopf)

... nein ? Da gibt es so eine Diskussionsgruppe bei Yahoo, in dem diese Dinge getradet werden und die für sich in Anspruch nimmt, dass dies vom Management bzw. der Band gebilligt werde, solange keine Events getauscht werden, von denen es auch kommerzielle Produkte der Band gibt.

Wir möchten, dass niemand Aufnahmen von den Konzerten macht. Und hier kommt der Grund. Es gibt Leute, die fühlen sich verpflichtet, die Show aufzunehmen und sie dann auf YouTube, Rapidshare, FileXChange zu stellen.
Wir verstehen schon, dass die meisten Leute über das Internet zu PORCUPINE TREE und unserer Musik kommen. Aber ich würde wirklich nicht wollen, dass Leute als ersten Eindruck der Band etwas sehen, auf das wir keinen Einfluss haben und uns nicht wirklich hilft.
Die meisten tun es aus reinem Ego. Sie wollen der Typ sein, der es geschafft hat, das Konzert aufzunehmen und unter den Sammlern wird dann damit geprahlt, dass man derjenige sei, der 50 Konzerte von der Band besitze.
Das kann ich persönlich nicht akzeptieren. Ich fände es besser, sie würden sich ein Live-Album oder die Live-DVD kaufen, denn sie sind mit viel Liebe aufgenommen worden, die klingen sehr sehr gut und sie sind sehr sehr gut gefilmt worden.
Wenn du dir hingegen einen YouTube-Film anguckst, der vielleicht noch mit einem Handy gedreht wurde, dann klingt er nicht nur scheiße, er sieht auch scheiße aus. Und ich möchte nicht, dass der erste Eindruck, den Leute von PORCUPINE TREE bekommen, etwas ist, das scheiße ist.

... ich denke aber, dass die Leute in diesem Forum eh langjährige PORCUPINE TREE- Fans sind, alle eure Platten besitzen und - vielleicht auch aus reiner Sammlerlust - einfach nach etwas Aktuellem von der Band suchen...

Aber warum ? Warum braucht man 50 Aufnahmen desselben Songs ?

Frag mich nicht, ich bin kein Bootleg-Sammler...

Ich verstehe auch nicht die Mentalität dahinter. Ich meine, klar, wenn du wirklicher Fan einer Band bist, dann willst du die Alben, die Live-Alben und vielleicht auch die B-Seiten. Aber bei Live-Bootlegs ?
Da gibt es sicherlich Bands wie die MILES DAVIS BAND oder die JOHN MCLAUGHLIN GROUP, bei denen es in den Konzerten einen hohen Anteil an Improvisation gibt.
Wenn du aber 100 verschiedene Versionen von Blackest Eyes besitzt, dann wirst du feststellen, dass sie alle ziemlich gleich klingen.

OK, verlassen wir das Thema. Ich denke, es ist wichtig, dass du das hier auch noch einmal deutlich gemacht hast.
Du bist den meisten Leuten ja als "Progressive Drummer" bekannt und hast den entsprechenden Award im "Modern Drummer" jetzt dreimal hintereinander gewonnen.
Auf der Musikmesse in Frankfurt vor zwei Jahren hast du aber ziemlich jazzige Sachen zum besten gegeben. Du sagtest ja schon, dass du eher ein Schlagzeuger bist, der aus der Jazz-Welt kommt ...


... warst du damals in Frankfurt ? ...

... nee, ich habe lediglich die Tracks auf "Drummerworld" gesehen...

... "Drummerworld" ist großartig, oder ?

... ja, quasi die Internet-Bibel für jeden Schlagzeuger. Da findet man jeden guten Drummer...

... "Drummerworld" ist die beste Schlagzeuger-Site der ganzen Welt...

...ich verfolge da immer wieder, was sich bei einigen Drummern so tut, z.B. Virgil Donati.
So, nochmal kurz zurück zur Frage. Welche Musikstile magst du persönlich am liebsten und könntest du dir vorstellen, Mitglied einer Jazzbandband, z.B. CHICK COREAS E-BAND, zu werden. An deinem Kopfnicken kann ich schon sehen, dass die Antwort wohl "ja" ist.


Klar, denn ich bin nicht mit progressiver Musik groß geworden. Ich war mir zwar der progressiven Musik bewusst, hatte aber keinerlei Alben dieser Stilrichtung.
Ich habe hauptsächlich Jazz-Alben gehört, ich habe Funk inhaliert und auch R&B und Pop gehört. Mit "Progressive Rock" hatte ich eigentlich gar nichts zu tun bis zu dem Zeitpunkt, als ich bei PORCUPINE TREE und jetzt jüngst KING CRIMSON eingestiegen bin.
Deshalb sehe ich mich persönlich nicht als "Progressive Drummer". Ich verbinde mit meinem Spiel sowieso eigentlich keinen speziellen Musikstil, obwohl mein Background natürlich Jazz ist. Schon allein deshalb, weil ich ihn auch soviel gehört habe.

Woher beziehst du deine Inspiration und wie entwickelst du deine Fills und Rhythmen ? Strukturierst du so etwas quasi mathematisch vor oder fließen dir die Ideen einfach so in den Kopf?

Da gibt es mehrere Wege. Manchmal passiert es, dass man im Bett plötzlich eine Idee hat und dann aufsteht, um sie aufzuschreiben. Und manchmal entwickele ich Ideen tatsächlich, um ein bestimmtes Konzept dahinter zu haben.
Am besten ist es, wenn man zuerst ein Konzept hat, auf dem man improvisieren kann, als bereits vorgefertigte Rhythmen zu haben.
Wenn du einen exakten Rhythmus entwickelst, dann spielst du auch einen exakten Rhythmus. Wenn du hingegen nur eine Idee hast, dann kann man sich viel besser spieltechnisch darin bewegen, kann auch einmal plötzliche Änderungen herbeiführen.

Am besten fühle ich mich, wenn mein Kopf beim Spielen relativ leer ist. Und wenn dann ein Stelle für ein Fill kommt, dann versuche ich tatsächlich, die Hände möglichst frei über die Trommeln fliegen zu lassen und zu hoffen, dass etwas Gutes dabei herauskommt, ha ha.

Du bist deinen Fans durch das "Drummerworld"-Diskussionsforum ja relativ nah. Was wirst du dort denn am häufigsten gefragt und wie oft kommst du dazu, dort Fragen zu beantworten?

Ich habe eine ganze Zeit lang Fragen über verschiedene Kanäle gestellt bekommen, z.B. über meine eigene Homepage oder MySpace. Und ich habe mich irgendwann dann dazu entschlossen, alle schlagzeugbezogenen Fragen nur noch an einer Stelle zu beantworten.
Und "Drummerworld" war einfach der perfekte Ort dafür. Man kann dort im Thread suchen, denn mein Thread ist inzwischen wirklich enorm groß geworden.
Viele Leute fragen mich nach den kleinen Becken, die an meinem Schlagzeug habe. Die Jüngeren haben hauptsächlich Fragen zu Double-Bassdrum-Techniken und welche Pedale ich dafür nutze. Aber es gibt auch viele Fragen zum Stimmen von Drums oder Snaredrums im Speziellen.
Ich beantworte wirklich gerne diese Fragen, solange sie schlagzeugbezogen sind und nicht schon vorher gestellt bzw. beantwortet wurden.
Ich komme alle paar Tage dazu, dort mal nachzugucken, was sich getan hat und beantworte dann die Fragen. Das macht auch Spaß.

Du machst relativ wenige Workshops und Drum-Clinics, obwohl wir ja jetzt gehört haben, dass du gerne mit deinen Anhängern in Kontakt kommst. Ist der Grund dafür nur mangelnde Zeit?

Das Problem ist, wenn jemand bei dir wegen einer Drum-Clinic nachfragt, dann handelt es sich meistens nur um eine einzige Veranstaltung.... z.B. in Idaho oder so.
Und lediglich eine Clinic in Idaho zu veranstalten, ist schon aus logistischen Gründen mehr als kompliziert. Erstmal muss man selbst irgendwie nach Amerika kommen, dann muss auch noch mein Equipment rüber.
Wenn also ein Drumshop in Idaho bei mir wegen einer Clinic anfragt, dann bedanke ich mich schon für das Angebot, verweise dann aber meistens an meine Sponsoren Sonor und Zildjian, die vielleicht in der Lage sind, diesen Drumshop im Rahmen einer Clinic-Tournee zu berücksichtigen.
Es bedarf wirklich einer Person, die eine Tournee organisiert.
Das zweite Problem ist, dass dieser Shop meistens schon fünf Monate im Voraus eine Clinic buchen möchte, um Karten zu drucken, selbst Werbung zu machen, Anzeigen in Magazinen zu schalten, etc.
Und in einem Jahr, von dem ich weiß, dass wir mit PORCUPINE TREE arbeiten werden, ist es einfach schwer, so früh eine verbindliche Zusage zu geben, weil dann z.B. plötzlich eine Japan-Tour just zu diesem Zeitpunkt durchgeführt werden soll.
Die Antwort ist also: ja, ich würde gerne in dieser Hinsicht mehr machen, aber logistisch ist das wirklich schwer zu wuppen.
Manchmal kommen auch Fans zu mir, während wir auf Tour sind und sagen: "Ah, ihr spielt am Montag in Berlin. Warum machst du am Nachmittag nicht einen kleinen Workshop?".
Aber auch das ist einfach zu schwer zu realisieren. Einerseits wieder von der Equipmentseite her gesehen, anderseits gibt es auch einen mentalen Aspekt. Denn es ist wirklich anstrengend, jeden Abend auf der Bühne zu stehen und zwei Stunden das Publikum zu unterhalten...

... und dann muss man noch in die nächste Stadt reisen und Interviews machen ...

... ja, und ich kann einfach nicht nachmittags einen Workshop machen und dann noch abends auf der Bühne stehen. Deshalb mache ich grundsätzlich keine Workshops, wenn wir auf Tour sind. Das ist einfach zu anstrengend.

In der Vergangenheit war mal ein Foto auf deiner Homepage, auf der du Trompete in die Drumkessel gespielt hast. Dein Vater ist ja ein professioneller Trompeter gewesen. Spielst du neben den Drums ansonsten noch andere Instrumente, vielleicht sogar die Trompete?

Ja, ich spiele ein bisschen Bass, ein bisschen Gitarre und ein bisschen Keyboards. Aber nichts, was zu größeren Ehren führen würde. Als ich ein Kind war, habe ich versucht, Trompete zu spielen. Hauptsächlich natürlich wegen meinem Vater, aber das war mir zu schwer, ha ha.

In den letzten 25 Jahren hast du mit einer ganzen Latte von Musikern zusammengespielt.
Erinnerst du dich an Personen, die dabei wichtig für deine Karriere waren, dich zu einem besseren Musiker gemacht haben oder dir im Music-Business geholfen haben?


Am meisten hat mich LEWIS TAYLOR beeindruckt. In den Jahren 1999 bis 2001 habe ich mit LEWIS TAYLOR zusammengearbeitet. Kennst du ihn ?

Nein.

Er ist ein Soul-Sänger und wirklich ein Genie. Und das ist ein Wort, das ich wirklich nicht jeden Tag benutze. Er ist ein Genie. Der größte musikalisch beschenkte Mensch, den ich jemals getroffen habe. Eine Person, mit der die Arbeit immer inspirierend war. Alles fließt ihm so einfach zu.
Wir saßen mal zusammen und redeten über Lovesongs und ich fragte ihn, ob er On The Street Where You Live kenne. Ein wirklich alter Song.
Da schnappte er sich meinen Fretless Bass und spielte das gesamte Stück perfekt ohne hinzugucken. Seine Freundin fragte ihn: "Kennst du den Song?" Und er sagte: "Nein, ich hab den Track noch nie vorher gespielt."
Er kann alles spielen, was er hört. Ohne Fehler! Und er spielt noch nicht mal Bass. Er hätte dasselbe auch auf dem Klavier tun können. Oder auf der Gitarre. Oder auf sonst einem Instrument.
Er ist wirklich beschenkt worden. Wenn du mal die Möglichkeit hast, die ersten beiden Alben zu hören ... er klingt ein bisschen wie MARVIN GAYE, aber sein Soul ist von einer sehr dunklen Seite. Nichts, was man mit R&B oder so vergleichen könnte. Ein sehr dunkler Sound mit einer sehr schweren Atmosphäre...

... ich werde mal gucken, ob ich im Internet etwas über ihn finden kann ...

Ja, guck dich mal nach den ersten beiden Platten um. Die erste heißt - glaube ich - "Lewis Taylor", also nur sein Name. Die ist wirklich außergewöhnlich.

OK, kommen wir zur letzten Frage. Viele Musiker haben dich ja als Session-Drummer in der Vergangenheit angeheuert. Wenn du selbst einmal die Chance hättest, Session-Musiker um dich zu scharen, wie würde dann die GAVIN HARRISON BAND aussehen?

Ja, das ist eine harte Frage. Das Problem ist, dass die meisten Musiker, mit denen ich gerne zusammenspielen würde, bereits tot sind, z.B. MICHAEL BRECKER oder CHET BAKER. Das würde auf jeden Fall eine sehr jazzige Zusammenstellung werden.
Das ist wirklich eine schwere Frage, über die ich gut und gerne eine ganze Woche nachdenken könnte. Aber da wären hauptsächlich Leute dabei, die ich schon als Kind gehört und genossen habe.

Danke dir, Gavin! Weiterhin viel Glück für die Tour und im speziellen natürlich für den heutigen Gig in Hamburg.

Kay Markschies, (Artikelliste), 25.10.2009